Gleichberechtigt? Hausarbeit in Deutschland noch immer eher Frauensache

Frauenquoten sind in aller Munde. Ob es um den Frauenanteil in der Politik oder Spitzenposten in der Wirtschaft geht: Frauen melden ihren berechtigten Anspruch an. Dabei geht der Blick auf weniger sichtbare Bereiche manchmal vielleicht etwas unter – auf die eigenen vier Wände zum Beispiel: Die Rollenverteilung in deutschen Haushalten ist längst nicht so ausgeglichen, wie man es vielleicht glauben mag.

Eine Frau putzt ein Fenster.
Hausarbeit gilt in vielen deutschen Haushalten noch immer als Frauensache. Von Gleichberechtigung ist noch nicht viel zu sehen. Bildrechte: imago/blickwinkel

Waschen, Putzen, Aufräumen – ist das auch im 21. Jahrhundert noch Frauensache? Frauen in Leipzig antworten auf die Frage, wer den Haushalt schmeißt, unterschiedlich. Eine ältere Frau sagte etwa: "Ich bin schon Rentnerin und habe zwangsläufig mehr Zeit für diese Dinge, die ich nicht so sehr gerne mache. Aber mein Mann hilft trotzdem tatkräftig. Es gibt gewisse Dinge, die er gerne macht, bügeln, Geschirrspüler ein- und ausräumen. Dabei entspannt er sich."

Eine jüngere Leipzigerin sagt, bei ihr zu Hause sei es "tatsächlich gleichberechtigt, obwohl ich mich noch in Elternzeit befinde, deswegen eigentlich die ganze Zeit zu Hause bin." Ihr Mann sei "relativ fortschrittlich". Sie müsse aber auch sagen: "Er kocht einfach wahnsinnig gern." Ein andere Frau dagegen sagt auf diese Frage ganz klar:

Ich mache alles, bis auf's Einkaufen, Getränke kaufen, das macht alles mein Mann. Aber im Haushalt mach alles ich.

Leipzigerin im MDR AKTUELL | Hörfunk

Studien stützen dieses Urteil

Rentner putzt die Windschutzscheibe seines Autos.
Wenn Männer putzen, dann eher das Auto... Bildrechte: IMAGO

Die kleine Umfrage spiegelt zumindest in Grundzügen wider, was zuletzt auch Studien nachgewiesen haben: In einer Partnerschaft übernehmen in aller Regel die Frauen die Hausarbeit.

Zuletzt hatte die Dating-Plattform "Elite Partner" eine repräsentative Erhebung veröffentlicht. Weit über 50 Prozent der befragten Frauen gaben da an, sich zu Hause allein oder überwiegend um das Kochen, Einkaufen, Ordnung und Wäsche zu kümmern. Die Ergebnisse seien ernüchternd für diejenigen, die sich wünschten, gesellschaftlich schon weiter zu sein, sagt Studienleiterin und Psychologin Lisa Fischbach. Man müsse festhalten, dass:

… die Aufgabenteilung in Beziehungen immer noch weit weg von einem egalitären Geschlechterrollenverständnis ist und Hausarbeit immer noch mehrheitlich bei den Frauen liegt, aber auch klassisch die Aufgaben wie Finanzen, Reparaturen und Handwerken in den Händen der Männer.

Männer sehen oder empfinden das anders

Männer sehen das Fischbach zufolge aber zum Teil ganz anders. Sie hielten die Aufgaben für deutlich ausgeglichener verteilt. Eine mögliche Erklärung: Für Männer sei die Arbeit im Haushalt weniger rollenkonform, also nicht so selbstverständlich, sagt die Psychologin. Selbst den Besen oder Kochlöffel zu schwingen, könnten viele also bewusster und als Extraleistung wahrnehmen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Mit der Familiengründung verschärft sich die Schieflage zwischen den Geschlechtern. Laut Fischbach gaben "sehr viel mehr Frauen mit Kindern an, sich überwiegend oder gänzlich für die Themen Versorgung, Ordnung, Soziales zuständig zu fühlen" als Frauen ohne Kinder.

Pandemie verfestigt überkommene Rollenmuster

Und noch etwas anderes führt dazu, dass sich die traditionellen Rollenbilder sogar wieder verstärken – die Coronavirus-Pandemie. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass die Leidtragenden der Beschränkungen häufig Frauen sind.

Viele Frauen seien nahezu abgetaucht, ob im öffentlichen Raum oder in der Wissenschaft, sagt die Bertelsmann-Expertin Barbara von Würzen. Eine repräsentative Umfrage habe gezeigt, "dass Frauen fast den gesamten Haushalt komplett übernehmen". Wo zuvor Schule, Kita, Tagesmütter oder Großeltern entlasteteten, "waren es dann direkt wieder die Frauen, die die ganze Arbeit übernommen haben".

Knapp 70 Prozent der befragten Frauen hätten sich so geäußert. Zudem habe die Umfrage ein grundsätzliches Problem offenbart, sagt von Würzen. Denn jede zweite Frau habe dabei auch angegeben, dass die Rollen in Haushalt und Kinderbetreuung schon vor der Pandemie ungleich verteilt gewesen seien.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. März 2021 | 06:55 Uhr

71 Kommentare

Sozialberuflerin vor 20 Wochen

Ich habe Theoroe und Praxis nicht voneinander ausgeschlossen!

Nur festgehalten, dass es eine Vorbildfunktion geben muss!

Wenn sie wissen wollen, wie das Malern funktioniert, muss es ihnen jemand sagen!

Wenn sie es handwerklich begreifen wollen, muss es ihnen jemand zeigen!

Wenn sie dabei Erfahrung machen wollen, müssen sie es machen!

Sinnbild für alle Lebenslagen!

THOMAS H vor 20 Wochen

Sozialberuflerin: Deshalb dürfen sich Theorie und Praxis nicht ausschließen. Sie gehören zusammen. Wenn ich z. B. daran denke, wie mir meine Mutti während der Hausordnung erklärt hat, das nicht erst der Boden (nach dem Fegen) gewischt und danach mit dem schmutzigen Wasser das Treppengeländer abgewischt wird, sondern daß dies umgedreht (erst Treppengeländer ab- und dann Boden wischen) erfolgt, ist doch Theorie und Praxis verbunden. Ebenso verhält es sich beim Backen oder Kochen (z. B. Reihenfolge der Zutaten). Nur durch das Zeigen und gleichzeitigem Erklären wird die Erfahrung gemacht. Ob das aber immer als Vorbild (= "Mensch, zu dem man aufschaut und mit dem man sich identifiziert" -> Karrierebibel) anzusehen ist, ist fraglich.
Als Beispiel will ich das Beobachten (als Kind) eines Malers beim Tapezieren anführen. Er war kein Vorbild, im Sinne der obigen Erklärung für mich, sondern ich wollte wissen, wie das Tapezieren funktioniert. Lernen durch gleichzeitige Erklärung und Vorführung.

Sozialberuflerin vor 20 Wochen

Insofern andere Vorbilder da sind, könnten sie recht haben!

Und wie in einem anderen Kommentar schon von mir geschrieben...
Ich erlebe mein Umfeld weitestgehend als gleichberechtigt

Und ich bin der festen Überzeugung, dass der Ursprung im Vorbild-sein liegt.
Wer auch immer diese Vorbildfunktion übernimmt...

Wenn ich einem Kind erkläre, erläutere und vorbete, ist das die Theorie
Die Praxis muss es dann schon erleben und eigene Erfahrungen machen
Wie in allen Lebensbereichen!




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