Schäden durch Dürre und Borkenkäfer So steht es um die Wanderwege in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Gerade an heißen Tagen verspricht eine Wanderung im Wald wenigstens etwas Abkühlung. Allerdings haben Dürre und Trockenheit vielen Wäldern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen arg zugesetzt – und damit auch den Wanderwegen. Immer wieder werden Wanderwege gesperrt. Schuld daran ist auch der Borkenkäfer.

Baumschäden an Wanderweg durch den Schießgrund im Schrammsteingebiet in der Sächsischen Schweiz
Überall in Mitteldeutschland haben Trockenheit, Dürre und der Borkenkäfer den Wäldern arg zugesetzt. Die Folgen spüren auch Wandererinnen und Wanderer – wie auf dem Archivbild in der Sächsischen Schweiz. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Sachsen-Anhalt: Wanderwege im Harz haben "massiv" gelitten

Die Wanderwege im Harz in Sachsen-Anhalt haben massiv unter der Trockenheit und Dürre der vergangenen Jahre gelitten. Das sagte ein Sprecher des Nationalparks Harz MDR SACHSEN-ANHALT. Auf zehn Wanderwegen lägen noch Bäume, sie seien gesperrt. Man sei aber aktiv dabei, alles aufzuräumen. In den vergangen Jahren habe sehr viel mehr Instandhaltung geleistet werden müssen. Das gelte für die Wanderwege, aber auch für die Loipen im Winter.

Dübener Heide aufgeräumt

In der Dübener Heide können Besucherinnen und Besucher mit freien Wegen rechnen, die generell in gutem Zustand seien. Das sagte Axel Mitzka, der Vorsitzende des Vereins Dübener Heide, MDR SACHSEN-ANHALT. Die Masse der Schäden in der Dübener Heide habe in den letzten Jahren das Sturmtief Friederike verursacht. Auch wegen Trockenheit seien Bäume gefällt worden. Die Waldbesitzer hätten aber bereits aufgeräumt.

Trotzdem solle man achtsam sein, und "beim Brombeersammeln auch mal nach oben schauen", so Mitzka. Es könne zudem immer mal vorkommen, dass Wege gesperrt und nur eingeschränkt nutzbar seien, wenn Forstarbeiten durchgeführt würden.

Elbaue bei Pretzsch
Im Naturpark Dübener Heide sind die meisten Wanderwege frei. (Archivfoto) Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

BUND: Monokultur rächt sich

Der Landesgeschäftsführer des Bundes für Natur- und Umweltschutz (BUND) Sachsen-Anhalt, Christian Kunz, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die über Jahrhunderte praktizierte Form der Forstwirtschaft, Monokulturen zu fördern, rächt sich derzeit besonders drastisch."

Der BUND wünsche sich, dass die Wald-Wandergebiete zum Beispiel im Harz durch zwei Maßnahmen gefördert und aufgewertet werden: Große Gebiete, nicht nur im Nationalpark, müssten sich selbst überlassen werden. Die restlichen Teile der abgestorbenen Forste sollten zu Mischwaldgebieten mit heimischen Hölzern umgebaut werden. Vor allem den Wildwuchs sehe man als Grundlage einer ökologisch hochwertigen Wanderregion.

Thüringen: Klimawandel verlangt dem Wald immer mehr ab

Auch in Thüringen macht der Borkenkäfer den Wäldern zu schaffen. Allerdings ist er nach einem nassen Frühjahr dieses Jahr später dran. Damit haben Waldbesitzer eine bessere Chance, frisch befallene Bäume zu fällen. Laut Thüringenforst fanden die Forstexperten noch nie derart viele Borkenkäfer in den Fallen wie in diesem Frühjahr. Trotz regnerischem Wetter über Monate und aktuell gut wasserversorten Bäumen sei das "Potential für eine weitere Massenvermehrung des Borkenkäfers enorm", so Pressesprecher Horst Sproßmann auf MDR THÜRINGEN-Anfrage.

So seien in den Forstämtern Sonneberg und Schönbrunn in Südthüringen und in den Forstämtern Neuhaus und Saalfeld-Rudolstadt in Ostthüringen die "Schadholzmengen besorgniserregend hoch". Entlang der Kammlagen des mittleren Thüringer Waldes sei die Situation entspannter, so Sproßmann. In den Dürrejahren 2018 bis 2020 hätten sich die Borkenkäfer in den Thüringer Wäldern enorm vermehren können. Augenmerk bleibe deshalb auch in diesem Jahr, die Borkenkäfer "rigoros" zu bekämpfen.

Bekämpfung des Borkenkäfers sorgt für Sperrungen

Um kranke Bäume aus dem Wald zu holen, werden auch immer wieder Wald- und Wanderwege gesperrt. In den Thüringer Wäldern (alle Eigentumsarten) stehen laut Thüringenforst 8.450 Kilometer Wanderwege zur Verfügung – das entspreche der Luftlinie Erfurt und dem Nordpol. Wegen der "klimawandelbedingten Waldschadenssituation" seien etwa im Vergleich zu 2018 die Wanderwege nun "überdurchschnittlich häufiger gesperrt", allerdings seien die Wanderwege meist nur "wenige Tage" oder "seltener Wochen" gesperrt, so Sproßmann.

Simon Büttner, der Landeswegewart des Thüringer Wanderverbandes und Wanderwegekoordinator der Thüringer Tourismus GmbH sagte, Sperrungen gebe es vor allem in den Wäldern mit hohem Fichtenanteil, etwa im Thüringer Wald, dem Harz oder dem Saaleland. In Nord- und Westthüringen machten die Buchenwälder durch den Klimawandel Sorgen. So muss beispielsweise der Kyffhäuserweg umgeleitet werden, weil sich in zwei Bereichen durch die Trockenheit der letzten Jahre abgestorbene Buchen häufen. Der Naturpark Kyffhäuser weist für Wanderer eine Umleitungsstrecke aus.

Gesperrte Wege im Osten von Thüringen

Ähnliche Probleme gab es Büttner zufolge auch schon in Eisenach. Hier sind aktuell die Wege zwischen Sängerwiese und Mariental wegen des Totholzes gesperrt. In der Region gibt es zudem Unwetterschäden in der Drachenschlucht und im Mosbacher Wald. Büttner berichtet zudem von Einschränkungen in Ostthüringen. So sei nach dem Starkregen der Hängesteg am Kobersfelsen zwischen Gräfenwarth und Burgk gesperrt. Hier ist der Hang abgerutscht und Geröll auf den Steg gestürzt. Zudem sei ein drohender Felsabsturz auch der Grund für die Sperrung des Panoramaweges Schwarzatal zwischen Schwarzmühle und Mellenbach-Glasbach. Eine Umleitung ist vor Ort ausgeschildert.

Büttner beobachtet, dass der Klimawandel dem Wald und den Wanderern immer mehr abverlangt. Er rechnet auch weiter mit extremen Niederschlägen und Stürmen, die unmittelbar auf den Wald und die Wege wirken.

Sachsen: Einzelne Sperrungen immer wieder möglich

Ähnlich wie in Thüringen müssen sich Wanderer auch in Sachsen darauf einstellen, dass Wege gesperrt sind – um den Borkenkäfer zu bekämpfen. Das sagte Renke Coordes vom Sachsenforst MDR SACHSEN. Mit der Wärme breite sich der Schädling vermehrt aus. "Jetzt kommt es darauf an, den frischen Befall der Käfer an den Bäumen rechtzeitig zu erkennen", erklärte Coordes. Die befallenen Bäume würden dann gefällt, entrindet und aus den Wäldern heraustransportiert, damit von den Käfern in ihnen keine Gefahr für weitere Bäume ausgehe.

Wegen der Arbeiten kann es Coordes zufolge gut sein, dass Wanderwege wegen Waldarbeiten zeitweise gesperrt sind. Intensive Schäden gibt es demnach vor allem im Oberlausitzer Bergland und den mittelsächsischen Regionen. Dort müsse noch viel saniert werden.

Eine Sonderrolle nimmt der Nationalpark Sächsische Schweiz ein, eines der beliebtesten Wander- und Ausflugsziele im Freitstaat: In den Kernbereichen sollen die Wälder weitgehend der Natur überlassen werden. Das bedeutet auch, dass es immer wieder zu unpassierbaren Wegen kommen kann. Über die aktuelle Situation der Wanderwege in der Sächsischen Schweiz sowie über sichere und freie Routen informiert die Nationalparkverwaltung im Internet.

Quelle: MDR SACHSEN, MDR SACHSEN-ANHALT, MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN – Das Sachsenradio | 17. Juni 2021 | 06:40 Uhr

Mehr aus Panorama

Mann auf Wasserskiern 10 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Deutschland