Gasumlage Mieter und Hausbesitzer wegen steigender Energiepreise verunsichert

Die Gasumlage wird gut 2,4 Cent pro Kilowattstunde betragen, das ist seit dieser Woche klar. Bezahlen müssen die Umlage alle Gasverbraucher ab Oktober. Doch bei Mietern und Hausbesitzern gibt es zu den Energiekosten noch viele weitere Fragen – und viel Unsicherheit. Kaum einer kann abschätzen, wie hoch die Mehrkosten am Ende tatsächlich sind.

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Bei stark gestiegenen Heizkosten dürften einige Heizkörper kalt bleiben. Da können warme Socken und ein heißer Tee helfen. Bildrechte: imago/Panthermedia

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Die Gasumlage ist beschlossene Sache. Ab Oktober steigt der Gaspreis damit um 2,4 Cent je Kilowattstunde. Welche Mehrkosten kommen damit auf eine vierköpfige Familie zu?

Di 16.08.2022 11:30Uhr 00:33 min

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Dass die Gasumlage kommt, wissen inzwischen die meisten Mieter, wie eine kurze Umfrage in Leipzig zeigt. Doch was genau sie erwartet, weiß praktisch niemand. Von "wir können bloß abwarten bis "wir haben erstmal Geld zurückgelegt" reichen die Antworten.

Dass praktisch jeden Gas-Kunden irgendwann eine Nachzahlung erwartet, gilt als sicher. Viele Details seien dagegen noch unklar, kritisieren die Verbraucherzentralen. Schützen etwa Verträge mit Preisgarantie vor der Umlage? Was ist mit Fernwärme, die aus Gas gewonnen wird? Und kommt die höhere Rechnung gleich im Herbst mit der Umlage oder erst mit der nächsten Jahresabrechnung?

Fragen, die auch Denis Schneiderheinze nun immer öfter gestellt werden. Er ist Energiereferent bei der Verbraucherzentrale Sachsen "Wir merken tatsächlich mit dem Beschluss der Gasumlage eine große Verunsicherung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern", sagt er. Die Anlaufstelle habe auch mehr Anfragen – mindestens 60 Prozent mehr zum Thema Energie als im Vorjahr.

Menschen mit niedrigen Einkommen

Vor allem seien das Fragen, ob es bei den derzeitigen Preisen bleibe. Die Menschen fragten: "Kann ich jetzt damit rechnen, dass mit dieser beschlossenen Gasumlage auch tatsächlich keine zusätzlichen Mehrkosten mehr auf den Verbraucher und die Verbraucherin zukommen und Fragen nach der Umsetzung. Was passiert denn da überhaupt? Wie wird denn das errechnet?"

Was die Frage der zusätzlichen Mehrkosten angeht, hat Schneiderheinze in seinen Beratungen schlechte Nachrichten – gerade für Menschen mit niedrigen Einkommen. Denn neben der Gasumlage dürfen die Energieversorger auch noch selbst die Preise erhöhen.

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Wolfram Günther 4 min
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Mieterbund fordert umfassendes Maßnahmenpaket

Auch der Deutsche Mieterbund verzeichnet deutlich mehr Nachfragen dazu, was mit der Umlage auf die Mieter zukommt.

"Das Thema treibt die Leute um", sagt Sprecherin Jutta Hartmann. "Wir merken das in den Beratungen, und das wird sicherlich in den nächsten Wochen und Monaten immer mehr werden."

Ginge es nach dem Mieterbund, würde es die Gasumlage gar nicht geben. Sie finden: Diese Kosten dürften nicht auf Privathaushalte umgelegt werden.

Da die Umlage nun aber beschlossen ist, fordert der Mieterbund ein umfassendes Maßnahmenpaket. "Dazu gehört ein dauerhafter Heizkostenzuschuss für die Haushalte, die die Energiepreise nicht mehr bezahlen können", führt Hartmann aus. Dazu gehörten ein erhöhtes Wohngeld, ein Gaspreisdeckel und auch ein Kündigungsmoratorium, dass die Menschen mit Zahlungsschwierigkeiten nicht auch noch ihre Wohnungen verlören. "Da ist jetzt wirklich allerhöchste Eisenbahn, da mal wirklich was zu machen."

Hausbesitzer und Vermieter

Auch Hausbesitzer haben viele Fragen, sagt Kai Warnecke, der Präsident von "Haus & Grund", dem Zentralverband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer. Schließlich kämen die höheren Preise erst beim Vermieter an, sagt Warnecke. "Es besteht die Sorge bei vielen Vermietern, dass es zu Zahlungsausfällen beim Mieter kommt und der Vermieter dieses Geld dann tatsächlich dauerhaft vorstrecken muss." Der Verband fordert zur Entlastung daher, den CO2-Preis zu streichen, der sich ebenfalls ab Januar wieder erhöhen soll.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. August 2022 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Hanna vor 6 Wochen

Mieter und Vermieter .....verunsichert?

Das ist ja wohl der falsche Ansatz!
Die Vermieter gehen doch lediglich in Vorkasse und fordern in den Nebenkostenabrechnungen alles vom Mieter zurück. Was also verunsichert hier die Vermieter?
Merkt denn überhaupt noch jemand, wie unser Leben von grünen Ideologen verändert wird?
Mir macht das Angst. Proteste der Bürger werden entweder den Linken oder den Rechten zugeordnet. Einfach mal selbst Fehler zuzugeben und diese zu Begrenzen kommt unseren Fachkräften in der Regierung nicht in den Sinn .

Ja Deutschland hat tatsächlich einen Fachkräftemangel.

Hanna vor 6 Wochen

In diesen Ländern wird keine Gasumlage erhoben. Unsere Regierenden haben beschlossen keine Übergewinnsteuer von den Gewinnern der Energiekrise zu fordern, sondern um Verluste zu vermeiden die Gas-Umlage für Verbraucher zu erheben. So sollen Gewinneinbußen/Insolvenzen verhindert werden.
Das dabei die Aktionäre z.B. bei Uniper vor fin. Einbußen geschützt werden ist sicher ein willkommener Nebeneffekt. Sollten diese Firmen dann wieder Gewinne erzielen werden die Gas-Umlagezahler selbstverständlich bei den Gewinnausschüttungen nicht berücksichtigt.

Altmeister 50 vor 7 Wochen

Wer will bei derartigen Rahmenbedingungen noch gern Vermieter sein und in neuen Wohnraum oder in Modernisierung investieren, der für Normalbürger noch bezahlbar ist ? Ich glaube niemand. Das wird den Neubau ebenso ausbremsen wie die energetische Sanierung und zur weiteren Verknappung von Wohnungsangeboten mit Preiserhöhungen führen.
Das vom Mieterbund geforderte Kündigungsmoratorium ist nur eine populistische Scheinlösung. Der Vermieter wird bei Zahlungsrückstand des Mieters seine Forderungen über Inkasso bis zur gerichtlichen Vollstreckung geltend machen. Bei Zahlungsunfähigkeit muss dann der Mieter letztlich Privatinsolvenz anmelden.
Ich frage mich, wann endlich mal von offizieller Seite ausgesprochen wird was jeder spürt: Die Energiewende in dieser Form und diesem Tempo ist das unsozialste Projekt der BRD- Geschichte und gescheitert. Da hilft auch keine Flickschusterei mit bürokratisch belasteten Zuschüssen, Preideckeln und Beihilfen.

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