Patienten-Entertainment Internet und Telefon am Krankenbett nur manchmal kostenfrei

Wer länger im Krankenhaus liegt, soll vor allem gesund werden. Aber es gilt auch, Zeit rumzukriegen – zwischen Mahlzeiten und Visite. In den meisten Kliniken gibt es dafür Telefone und Fernseher am Bett, immer öfter auch Tablets mit Internetzugang. Doch in vielen Fällen ist dieser Service nicht umsonst.

Fernseher und Telefon an einem Krankenhausbett
Klinikpatienten können meistens Unterhaltungsmedien nutzen – allerdings nicht immer kostenlos. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Gerade, wer längere Zeit im Krankenhaus bleiben muss, brauche Ablenkung, sagt Patrick Jahn, Pflegewissenschaftler am Universitätsklinikum Halle. Und nicht nur das, auch der Kontakt nach außen sei wichtig, denn das stärke die Widerstandsfähigkeit der Betroffenen. "Und in vielen Punkten ist es natürlich auch eine Unterstützung, weil es ja hier auch relevante Punkte gibt, die zu besprechen sind, zum Beispiel mit einer Diagnose, die erstmal bewältigt werden muss."

Doch nicht in allen Kliniken ist die Möglichkeit, fernzusehen, zu telefonieren oder das Internet zu nutzen, kostenfrei. MDR AKTUELL hat die Preise von 13 Krankenhäusern in Mitteldeutschland ausgewertet: Während WLAN, Fernsehen und Telefon in manchen Häusern komplett gratis sind, zahlt man bei anderen Tagespauschalen von bis zu 3,90 Euro. Manche rechnen nur Gesprächsgebühren ab, andere nur Privatsender. Wer länger im Krankenhaus sein muss, erhält nach Auskunft der Kliniken oft Rabatte.

Multimedia-Service kommt oft von Fremdbetreibern

Warum die Preisgestaltung so unterschiedlich ist, kann Holger Schütze erklären. Er ist bei der Leipziger Firma Mothes Berater für Patienten-Entertainment-Systeme. Bei Krankenhäusern richte sich der Preis nicht nach dem Markt, sondern meistens nach politischen oder Marketinggesichtspunkten und weniger nach wirtschaftlichen Aspekten. "Schließlich zählt für ein Krankenhaus die Gesamtbilanz und weniger das Einzelgeschäftsfeld Patienten-Entertainment."

Die Sprecherin eines mitteldeutschen Krankenhauses, die nicht genannt werden möchte, beschreibt es so: Operationen könne eine Klinik bei den Kassen abrechnen, Multimedia-Geräte, Wartungskosten und Gebühren nicht. Daher mache es jedes Haus so, wie es könne, andere lagerten den Betrieb aus – an Firmen wie Mothes. Und die müssten natürlich auf ihre Kosten kommen und Preise von bis zu 3,90 Euro pro Tag aufrufen. Holger Schütze schätzt, dass rund 30 Prozent der mitteldeutschen Krankenhäuser mit Fremdbetreibern arbeiteten.

Gerade ältere Menschen zahlen für unbenutzte Technik

Philipp Schmelter ist Geschäftsführer bei BEWATEC Kommunikationstechnik. Seine Firma verkauft sogenannte Multimedia-Terminals. Er sagt: "Das Krankenhaus ist kein Hotel, aber das Anspruchsdenken der Menschen ist so hoch gegangen, dass man wirklich heutzutage, wenn man in ein Krankenhaus kommt, Hotelkomfort erwartet." Und das koste nun einmal Geld. Dafür gebe es dann auch Pay-TV, schnelles Internet, Telefon, Fernsehen – als Komfortpaket. Für die Nutzerinnen und Nutzer sei das einfacher, als jede Leistung einzeln zu buchen, sagt Schmelter.

Pflegewissenschaftler Patrick Jahn sieht diese Entwicklung dagegen kritisch: "Wenn die älteren Menschen hauptsächlich das Telefon benutzen, dann ist ihnen wahrscheinlich das Pay-TV-Angebot auch gar nicht wichtig, weil sie es sonst auch nicht benutzen würden." Von daher sei es für sie auch eine Überleistung, die sie mitfinanzieren müssten, aber gar nicht bräuchten. Jahn findet, vor allem der Internetzugang und Telefonieren sollten möglichst kostenfrei angeboten werden. Während der Pandemie tun das viele Kliniken. Vielleicht bleibt es ja so.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. März 2021 | 06:20 Uhr

7 Kommentare

aus Sachsen und denkt vor 5 Wochen

Lieber Karol, hoffentlich wurde Ihnen wenigstens medizinisch geholfen, dafür waren Sie ja dort. Jeden Morgen geht einer vom Küchenpersonal durch die Zimmer und fragt nach Essenswünschen (jedenfalls bei uns). Dort hätten sie schon viele Wünsche, Anregungen und auch Kritik loswerden können.
Auf das Personal noch draufzuhauen, weil es zu wenige sind, ist unfair. Schließlich sind die nicht außer der Welt und können genauso krank werden wie alle anderen auch.
Und dann noch was: Wenn es einem Patienten langweilig wird, ist er eindeutig auf dem Weg der Besserung. Solange ein Körper mit einer schweren Krankheit kämpft, hat er gar keine Zeit für Langeweile.

aus Sachsen und denkt vor 5 Wochen

Liebe/r Saxe, leider wurde unsere Patientenbibo geschlossen, weil man ja nicht jede Seite im Buch desinfizieren kann. Diese Möglichkeit gibt es also nicht mehr. Von zu Hause kann man ja meist nur Bücher mitbringen, die man schon kennt. TV und Internet ist komplett kostenlos, man braucht nur die Kopfhörer für 2 Euro. Telefon ist leider im Moment nicht, weil die Anlage hunzte und außer Betrieb genommen wurde. War auch zu teuer. Aber die Leute können ja, außer auf der ITS, Handy mitbringen bzw rufen die Angehörigen auch auf Station an und wir geben das Telefon weiter (wenn's nicht zuuuuu lange dauert). In Zwickau geht das. Kleiner Tipp: das HBK ist es nicht :)

Mathias Chemnitz vor 5 Wochen

Ich lag Oktober vergangenen Jahres im Klinikum Chemnitz. Die Bildschirme und die Programmauswahl sind miserabel, das W-Lan war mit 200kb im Download nicht nutzbar. Die digitalisierte Welt ist da nicht angekommen.

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