Gefahr auf Radwegen Fahrradunfälle durch Poller und Drängelgitter

Christine Reißing
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Fahrradfahrer mit Poller kollidiert – das mag niedlich und nichtig klingen, kann aber böse enden. Und das Problem scheint größer, als es die Statistik vermuten lässt.

Poller auf dem Elberadweg in Dresden
Was so unscheinbar aussieht, kann für Fahrradfahrer schnell zur Gefahrenquelle werden. Bildrechte: MDR/Christine Reißing

Der Elberadweg im Osten Dresdens, Altstadtseite, Laubegaster Ufer. Hier war Roberto Porstmann gerade auf dem Heimweg, an einem Sommerabend vor zwei Jahren. Und habe den Blick schweifen lassen, erzählt der 60-Jährige: "Vor mir fuhr ein Vater mit seinem Jungen. Und die bogen dann plötzlich nach links weg. Und da offenbarte sich dann ein Poller, der mir wohlbekannt ist. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich nicht mehr genügend Zeit, diesem Poller auszuweichen. Und bin schwer gestürzt."

Besagter Poller steht in der Mitte des Radwegs. An dem blieb Roberto Porstmann mit dem Lenker hängen. Er wurde mit dem Rettungswagen abgeholt. Unter dem Schlüsselbeinbruch leide er noch heute, sagt er.

Fahrradstädte 1 min
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Wie sieht die Fahrrad-Infrastruktur in den mitteldeutschen Großstädten im Vergleich mit den "Fahrrad-Städten" Kopenhagen, Münster oder Utrecht aus?

Mi 07.08.2019 13:07Uhr 01:27 min

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Unnötige Gefahrenquelle?

Roberto Porstmann ist nach eigenen Worten ein erfahrener Radfahrer und war am Unfallabend noch beim Mountainbike-Training. Er räumt aber ein: "Sicherlich bin ich auch zu unaufmerksam gewesen, gerade an dieser Stelle. Aber ich finde, dass das eine Gefahrensituation ist, die dort an der Stelle nicht berechtigt ist.“

Roberto Porstmann
Roberto Porstmann ist mit dem Fahrradlenker an einem Poller hängen geblieben und hat sich das Schlüsselbein gebrochen. Bildrechte: MDR/Christine Reißing

Warum auf die Mitte des Radwegs ein Poller gesetzt wurde, ist auch für Bettina Hünnighausen unverständlich. Sie ist Fachanwältin für Verkehrsrecht aus Dresden. Die Stadt hingegen schreibt auf Anfrage von MDR AKTUELL, Poller sollten Radfahrer und Fußgänger vor Autos schützen. "Unfallhäufungsstellen" seien in diesem Zusammenhang nicht bekannt. Und der Polizeistatistik zufolge gab es seit 2018 jährlich weniger als fünf Fahrradunfälle mit Pollern – sachsenweit.

Juristin Bettina Hünnighausen vermutet aber eine Dunkelziffer:  "Wenn man sich im Internet die Foren anguckt, dann ist da eigentlich täglich jemand, der darüber berichtet, was ihm passiert ist. Und je frequentierter die Radwege genutzt werden, umso häufiger kommt es vor."

Rechtliche Lage

Bettina Hünnighausen empfiehlt, bei schweren Pollerunfällen die Polizei zu rufen. Die Rechtsprechung allerdings sei eher restriktiv: "Erstmal ist der Grundsatz: Man muss die Straße so nehmen, wie sie ist. Das heißt, man muss sich auf Verkehrsverhältnisse einstellen. Und eine Warnpflicht oder eine Beseitigungspflicht einer Gefahrenstelle besteht nur dann, wenn die nicht erkennbar ist. Und man streitet dann natürlich häufig darüber: Was ist erkennbar?"

Konrad Krause kennt das Problem. Der Geschäftsführer des Fahrradverbands ADFC Sachsen kritisiert: "Poller werden aus unserer Sicht halt ziemlich inflationär verwendet. Und ich denke, den Kommunen fehlt auch oft das Know-how, überhaupt dieses Problem zu erkennen. Dass jeder Poller erst mal schon tendenziell ein Poller zu viel ist."

Drängelgitter noch gefährlicher

Für weit gefährlicher hält Konrad Krause aber sogenannte Umlaufsperren oder Drängelgitter. Die stehen etwa an Bahnübergängen. Und seien auf Fußgänger ausgerichtet, sagt er.

Drängelgitter am Albertplatz in Dresden
Ein Drängelgitter am Albertplatz in Dresden. Bildrechte: MDR/Christine Reißing

Der Radverkehr werde nicht mitgedacht: "Und erst recht nicht so was wie Kinderanhänger an einem Fahrrad. Oder auch so was wie längere Lastenräder. Mit denen kommt man durch so ein Drängelgitter gar nicht durch. Und da muss man eigentlich ran. Also Drängelgitter müssen an und für sich komplett weg. Das muss anders lösbar sein."

Man sehe das ja auch in Fahrradnationen wie Holland. Da gebe es praktisch keine Drängelgitter. Regelwerke schrieben die allerdings an vielen Stellen vor. Das müsse das Eisenbahnbundesamt ändern, fordert Konrad Krause.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 15. Juni 2021 | 06:56 Uhr

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