Unterbringung, Registrierung, Integration Viele Herausforderungen beim Umgang mit Geflüchteten für Ämter und Behörden

Die Hilfsbereitschaft für geflüchtete Menschen aus der Ukraine ist überall im Land groß. Doch erste Erfahrungen mit ihnen zeigen auch auf, wo die Herausforderungen für die Ämter und Behörden liegen.

In der Turnhalle des Ehrenfried-Walther-von-Tschirnhaus-Gymnasium in Dresden wurden Betten für Geflüchtete aus der Ukraine aufgebaut.
Täglich kommen mehr Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland an, wodurch die schnelle Organisation immer mehr erschwert wird. Bildrechte: dpa

Vor dem Neuen Rathaus in Leipzig bilden sich seit Tagen Menschentrauben. Hier ist das sogenannte Ankommenszentrum eingerichtet, eine Anlaufstelle für ukrainische Flüchtlinge. Meistens sind sie schon da, bevor das Zentrum öffnet. Sie warten auf einen Termin, in langen Schlangen, dicht an dicht. All das wirkt – gerade in einer Pandemie – nicht optimal gemanagt.

Matthias Hasberg, Sprecher der Stadt Leipzig, verteidigt gegenüber dem MDR die Organisation: "Die ursprüngliche Idee war, das in ganz normalen Bürgerbüros zu machen. Das hätte aber wahrscheinlich nicht funktioniert – die sind räumlich eng und müssen gefunden werden. Der große Vorteil hier beim Willkommenszentrum ist, dass es mehrere Hilfen aus einer Hand gibt. Das Jugendamt ist vor Ort, das Sozialamt ist vor Ort."

Registrierung schafft Zugang zum Gesundheitssystem

Und doch richtet sich das Willkommenszentrum nicht an alle ukrainischen Flüchtlinge. Nur an die, die bereits eine Unterkunft haben und sich registrieren lassen wollen. Wer nicht weiß, wo er bleiben soll, muss in die Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaats in den Leipziger Norden. All das muss man wissen. In einem fremden Land. Mit einer fremden Sprache. Vieles ist unklar und vieles sorgt für Verwirrung.

Auch sich zu registrieren, sei keine Pflicht – aber irgendwie notwendig, erklärt Hasberg: "Wer sich nicht registrieren lässt, hat keinen Zugang zum Gesundheitssystem. Wenn ich medizinische Hilfe brauche, auch wenn ich Geld brauche nach Asylbewerberrecht, dann kriege ich das nur, wenn ich mich habe registrieren lassen."

Wohnungslage beinahe schon überlastet

Auch in Sachsen-Anhalt fällt es schwer, alles für die Ankommenden zu organisieren. Zum Glück werden viele Probleme noch von der großen zivilen Hilfsbereitschaft abgefangen.

Aber das sei keine langfristige Lösung, erklärt Helen Deffner vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt: "In den Kommunen und kreisfreien Städten ist die Problemlage, dass zwar versucht wird, über die Wohnungsbaugenossenschaften Wohnungen bereitzustellen, da sind aber häufig keine Möbel drin." Da gebe es nur eine bestimmte Anzahl, die sei aber schon fast ausgelastet – und teilweise überlastet.

Vieles sei im Moment einfach unübersichtlich. Auch die Bedingungen für den Aufenthalt der Ukrainer seien noch ungeklärt, sagt Deffner: "Dürfen sie arbeiten, wie dürfen sie arbeiten? Wie funktioniert die medizinische Versorgung? Die psychosoziale Versorgung?"

Personalverstärkung an Schulen

Für den Bereich Schule sieht es da besser aus: Die Kultusministerkonferenz hat beschlossen, dass die Kinder und Jugendlichen möglichst schnell die Schulen besuchen sollen. In Sachsen wolle man dafür auch das Lehrerkollegium verstärken, berichtet Michael Jung, Stellvertretender Landesvorsitzender des sächsischen Lehrerverbands: "Das Kultusministerium hat ja beabsichtigt, ungefähr 100 Lehrer beziehungsweise Menschen einzustellen, die eine Lehrbefähigung haben."

Die sollen in kleinen Klassen die Kinder und Jugendliche vor allem erst einmal auffangen. Ihnen helfen, sich zu orientieren und über das Erlebte auszutauschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. März 2022 | 06:12 Uhr

11 Kommentare

Arbeitende Rentnerin vor 14 Wochen

vor allem, wo sollen die Lehrer herkommen und die Räume für die Schüler, demnächst werden den Kinder wieder die Turnhallen weggenommen, wo sie schon so lange keinen geregelten Unterricht hatten und eigentlich noch so viel nachzuholen wäre. Etwas Realismus wäre schon angebracht.

kleinerfrontkaempfer vor 14 Wochen

Mit den Flüchtlingen aus dem Süden hat das nicht so gut geklappt.
Nicht mehr lange hin und es wird die finanzielle Frage wieder hochkommen. Schon heute sind es Kommunen, z.B. Dormagen in NRW, die mit der Aufnahme von Kindern mit einem gesundheitlichen Handicap eine Schwerstaufgabe übernommen haben und nun nach Hilfe und Unterstützung rufen. Bloß ist da bundestdoitsche Bürokratie und Verwaltung leider nicht fix genug und bei solch heißen Eisen erstmal weit weg.

hilflos vor 14 Wochen

Es ist vollkommen Wurst, es sind Flüchtlinge, die im Gegensatz zu anderen schon wissen woher sie kommen und vor allem auch wieder zurück wollen. Aber die Ampel weiß, wie schon die Groko, wie man sich die Kosten und Probleme abwimmelt. Für die Rüstungskonzerne ist Kohle im Überfluss vorhanden, für Süd-Westeuropa können wir die Schulden zahlen, Griechenland ist vergessen und nun? Nun haben wir eine fette Inflation, unbezahlbare Energiepreise und wieder großes zu vollbringen. Leute ich kann den Euro nur einmal ausgeben und leider selbst nicht bei Bedarf nachdrucken.

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