Einsatz im Bürgerkrieg Söldnertruppe geplant: Anklage gegen Ex-Bundeswehrsoldaten

Wegen des geplanten Aufbaus einer bis zu 150 Mann starken Söldnertruppe erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen zwei ehemalige Soldaten der Bundeswehr. Ihr Plan soll gewesen sein, im jemenitischen Bürgerkrieg unterstützt von Saudi-Arabien zu kämpfen. Die beiden Männer waren bereits im Oktober festgenommen worden. Nach MDR-Informationen war auch André S., Mitgründer des rechten Netzwerks Uniter, an der Rekrutierung beteiligt.

Dieses Bild, entstanden im Rahmen einer Tour für ausländische Journalisten, organisiert von der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition, zeigt Soldaten, die zur jemenitischen Regierung gehören, bei einer Patrouille durch die Stadt.
Truppen im Jemen: Die beiden ehemaligen Bundeswehrsoldaten planten offenbar, unterstützt von Saudi-Arabien in den jemenitischen Bürgerkrieg zu ziehen. Bildrechte: dpa

Zwei Ex-Soldaten der Bundeswehr, die den Aufbau einer bis zu 150 Mann starken Söldnertruppe geplant haben sollen, müssen sich aller Voraussicht nach bald vor Gericht verantworten. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, erhob sie am Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart Anklage gegen Arend-Adolf G. und Achim A. Das OLG muss die Anklage noch zulassen. Die Männer waren im Oktober im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und in München festgenommen worden. Seither sitzen sie in Untersuchungshaft.

Einsatz im jemenitischen Bürgerkrieg geplant

Der Prozess soll vor dem Staatsschutzsenat stattfinden. G. und A. wird der Versuch vorgeworfen, eine terroristische Vereinigung zu gründen. Den Entschluss dazu sollen sie spätestens Anfang 2021 gefasst haben. Die Söldnertruppe sollte in den jemenitischen Bürgerkrieg eingreifen und so Friedensverhandlungen zwischen den Huthi-Rebellen und der von Saudi-Arabien unterstützten Regierung erzwingen. Die Männer hatten sich den Ermittlern zufolge finanzielle Unterstützung von Saudi-Arabien erhofft und hartnäckig versucht, dort mit staatlichen Stellen in Kontakt zu kommen – es habe aber niemand reagiert.

Im Jemen herrscht seit dem Jahr 2015 Krieg zwischen den von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen.

"Botschaften einer Wahrsagerin" und Aussicht auf Geld

Laut Bundesanwaltschaft wären damit "zwangsläufig Tötungshandlungen im Rahmen von kriegerischen Auseinandersetzungen sowie zivile Verluste verbunden" gewesen. Die Truppe sollte sich demnach vor allem aus ehemaligen Angehörigen deutscher Spezialeinheiten zusammensetzen. G. soll versucht haben, mögliche Kämpfer zu rekrutieren, indem er Bekannte aus der Bundeswehr ansprach. Zur Umsetzung des Vorhabens sei es auch deswegen nicht gekommen, weil die beiden Männer im Oktober festgenommen worden seien, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Weiter hieß es jetzt, die Vorstellungen seien von "Botschaften einer Wahrsagerin" getragen gewesen, "welche die Angeschuldigten als verbindliche Handlungsanweisungen verstanden" hätten. Es sei aber auch um Geld gegangen: Die Söldner hätten für ihren Einsatz im Monat bis zu 40.000 Euro bekommen sollen. Geplant sei außerdem gewesen, mittelfristig ein weltweit operierendes Militärunternehmen aufzubauen. 

MDR-Informationen: "Uniter"-Mitgründer warb Soldaten an

Offenbar spielte ein Ex-Soldat des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK), nämlich André S., bei der Anwerbung von ehemaligen Spezialkräften eine zentrale Rolle. Der MDR konnte Chatnachrichten einsehen, in denen André S. ehemalige Kameraden anschrieb und für einen lukrativen Einsatz im Ausland warb.

André S. versuchte offenbar, ehemalige Kameraden für den Söldnereinsatz im Jemen zu vermitteln. André S. alias Hannibal war Mitgründer des Vereins Uniter – einem konspirativen Netzwerk aus Polizisten und Soldaten, das das Ziel hatte, ein bundesweites rechtes Prepper-Netzwerk aufzubauen. Unter dem Dach des Vereins führte S. paramilitärische Trainings für Zivilisten und Soldaten durch. Seit 2020 ist der Verein Uniter Verdachtsfall des Verfassungsschutzes. Laut der Behörde gibt es "hinreichend gewichtige tatsächliche Anhaltspunkte" für rechtsextremistische Bestrebungen bei der Organisation. André S. ist mittlerweile aus der Bundeswehr ausgeschieden.

Nach MDR-Recherchen vermittelte André S. seine Ex-Kameraden an einen Betreiber eines Kampfsportstudios und Uniter-Mitglied aus Paderborn. Der Mann hatte unter dem Deckmantel eines humanitären Einsatzes einer Nichtregierungsorganisation im Jemen versucht, Kämpfer zu rekrutieren. Dabei sollte es sich in Wahrheit um den geplanten Einsatz der Söldnertruppe in dem Bürgerkriegsland handeln.

Bei dem Rekrutierungsversuch wurden angesprochene Ex-Soldaten skeptisch. Als sie nähere Informationen zu der vermeintlichen Nichtregierungsorganisation verlangten, blieben die Nachfragen unbeantwortet. Den beiden Anwerbern war offenbar bewusst, dass sie nicht offen für einen Kampfeinsatz im Ausland werben konnten.

Tätigkeit für umstrittenes Unternehmen

Die Zugehörigkeit von Arend-Adolf G. und Achim A. zur Bundeswehr wiederum liegt offenbar lange zurück: Sie "waren im letzten Vierteljahrhundert nicht bei der Bundeswehr", sagte ein Sprecher nach der Festnahme im Oktober. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren die früheren Zeitsoldaten 1983 und 1999 aus dem Dienst ausgeschieden.

Die beiden Verdächtigen sollen MDR-Recherchen zufolge in der Vergangenheit für die umstrittene Firma Asgaard German Security Guards Consulting gearbeitet haben, die 2020 in die Schlagzeilen geraten war. Damals hatten verschiedene Medien Videoaufnahmen von Angehörigen der Firma aus dem Irak veröffentlicht. Auf diesen waren Räume zu sehen, in denen unter anderem eine Reichskriegsflagge hing. Die Firma Asgaard wird mit Auslandseinsätzen, etwa im somalischen Bürgerkrieg, in Verbindung gebracht.

mit dpa/AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Oktober 2021 | 09:00 Uhr

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