Hörer machen Programm Warum wir in diesem Winter nichts von der Grippe hören

Wir sind mitten im Winter und damit auch mitten in der Hochzeit der Grippeerkrankungen. Nur hört man in diesem Winter, in dem die ganze Welt vom Coronavirus spricht, gar nichts mehr von der Grippe. Und so stellt sich MDR AKTUELL-Hörerin Birgit Mai aus Freiberg folgende Frage: "Man hört gar nichts mehr von Menschen, die sich mit der Grippe angesteckt haben. Kann es sein, dass, wenn jemand getestet wird, eventuell Grippeviren mit Coronaviren verwechselt werden?"

Links die Darstellung des SARS-CoV-2-Virus, rechts die Darstellung des Influenza-Virus
Können Corona- und Grippeviren miteinander verwechselt werden? Bildrechte: Panther-Media

Professor Uwe Gert Liebert schüttelt den Kopf. Der ehemalige Direktor des Instituts für Virologie hat die Frage von Frau Mai schon öfter gehört. Er kennt also die Befürchtung, kann aber eine Verwechslung von Influenza- und Coronaviren im Labor kategorisch ausschließen – und zwar hundertprozentig. Die Abfolge der genetischen Bausteine unterscheide sich enorm: "Es handelt sich bei Corona- und bei Grippeviren um zwei völlig unterschiedliche Viren. Die Unterscheidung gelingt durch einen Abgleich und Vergleich der Gensequenzen. Die sind eindeutig und sehr klar voneinander unterschieden", erklärt Liebert.

Weltweit kaum Grippefälle gemeldet

Verwechslung also unmöglich. Bleibt die Frage: Warum hört man dieser Tage nichts von Grippeerkrankungen? Da ist zum einen das Virus selbst. Es macht sich rar in diesem Jahr und zwar überall auf der Welt. Australien, Südost-Asien, Europa und auch Amerika: Sie alle melden weniger Grippefälle. In den Laboren des Instituts für Virologie in Leipzig habe man Ähnliches festgestellt. Dort würden aktuell Atemwegsproben sowohl auf Grippeviren als auch auf Coronaviren untersucht. Und daraus könne man eindeutig sagen, dass Grippeviren bislang extrem selten vorkämen.

Eine Aussage, der man zustimmen kann bei der AOK-Plus in Dresden. Hannelore Strobel ist die Sprecherin der Krankenkasse, die in Sachsen und Thüringen mehr als drei Millionen Versicherte betreut. Aktuelle Zahlen zur Grippeinfektionen gebe es noch nicht. Anhand der Meldungen lasse sich aber deutlich ein Trend ablesen: "Die Grippe ist ja eine meldepflichtige Erkrankung, die bei den Landesuntersuchungsanstalten zu melden ist durch die Ärzte. Da gibt es tatsächlich weniger Fälle im Vergleich zu der Saison im Vorjahr und der im Jahr davor."

Grippeimpfung in diesem Winter besonders wichtig

Frau vor einem Werbeplakat für die Grippeimpfung
Die Grippeschutzimpfung dient auch zur Vorbeugung eines schweren Coronaverlaufs. Bildrechte: imago images / MiS

Doch woran liegt das? Experten sehen vor allem zwei Gründe – der erste: die Grippeschutzimpfung. Jeanine Brückner ist Allgemeinmedizinerin in Erfurt. In ihrer Praxis kann man sich impfen lassen gegen Grippe und das sofort, wenn man will, denn, so Brückner, der Grippeimpfstoff sei in ausreichendem Maße vorhanden. Und dieses Angebot hätten in dieser Grippeimpfsaison viele ihrer Patienten angenommen: "Die Grippeschutzimpfung war jetzt zum Ende des letzten Jahres ein großes Thema, weil wir so viel verimpft haben wie die Jahre davor nicht."

Dabei kamen aber nicht nur die, die alle Jahre wieder kommen, sondern auch viele, die sich das erste Mal impfen lassen wollten. Denn in Corona-Zeiten sei ein Schutz gegen das Grippevirus sehr sinnvoll.

Wir empfehlen das dahingehend, weil ein Zusammentreffen von Covid-19 und Influenza verheerend wäre. Und das gibt es. Ich weiß von eigenen Patienten, die beides hatten und das nimmt natürlich einen viel schlimmeren Verlauf an.

Jeanine Brückner, Allgemeinmedizinerin
Grippeviren 4 min
Bildrechte: imago/Ikon Images

Corona-Maßnahmen helfen auch gegen Grippe

Der Impfschutz vor den Influenzaviren ist das eine. Das andere hänge mit dem Schutz gegen das Coronavirus zusammen, erklärt Professor Liebert aus Leipzig: "Die Hauptursache dürfte sein, dass durch den teilweisen oder auch kompletten Lockdown tatsächlich die Kontakte unter den Menschen deutlich geringer sind, und wenn sie geringer sind, dann gelingt auch die Virusübertragung von einer zur nächsten Person nicht oder viel schlechter." So hat der Lockdown im Kampf gegen das Grippevirus etwas Gutes.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Januar 2021 | 08:20 Uhr

69 Kommentare

Ritter Runkel vor 36 Wochen

@Jana
Ich leugne die Pandemie nicht, das ist eine Unterstellung Ihrerseits.
Ich halte nur die Strategie mit einem alleinigen Lockdown nicht für zielführend.
Das scheinen Sie aber nicht begreifen zu wollen.

Ritter Runkel vor 36 Wochen

@Jana
Wenn Ihnen nichts anderes an Argumenten einfällt, als den Diskussionspartner in die Ecke von AfD und Coronaleugnern zu stellen, zeigt, dass Sie keine Ahnung haben, mit wem Sie diskutieren.
Ist mir aber ehrlich gesagt egal. Ich habe es echt nicht nötig, mir hier von Ihnen Zustimmung abzuholen.
Sie dürfen gern denken, was Sie wollen. Dass ich aber AfD-Anhänger wäre, da liegen Sie falsch.

Jana vor 36 Wochen

DasThema ist nicht emotional, sodern kann wissenschaftlich rational behandelt werden:

- Sars-Co-2 ist ein hochansteckender Virus das eine für viele Menschen lebensbedrohliche Erkrankung auslöst
- weltweit ergreifen Regierungen drastische Maßnahmen um die Geschwindigkeit der Ansteckungen zu reduzieren, weil ihre Gesundheitssysteme ansonsten kolabieren
- damit die Gesundheitssysteme leistungsfähig bleiben muss jeder Bürger sich an Hygiene- und Abstandsregeln halten
- ein ausreichend großer Teil der Bevölkerung unterläuft in asozialer Weise diese Schutzmaßnahmen und verhindert dadurch einen spürbaren Rückgang der Zahlen
- diese asozialen Mitbürger sorgen auch dafür, dass die Schutzmaßnahmen der Regierung, die tausende Existenzen bedrohen, länger als notwendig aufrecht erhalten werden müssen
- verschiedenste Gruppen, wie Querdenker, Rechtsradikale oder die AfD torbedieren die Schutzmaßnahmen indem sie behaupten Corona wäre harmlos und die Maßnahmen deshalb nicht notwendig.

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