Folge 3 Der Fußgängertunnel ist wie eine Tropfsteinhöhle im "Gruselbahnhof" Großheringen

Gäste, die am Bahnhof in Großheringen ankommen, denken, "sie sind sonstwo gelandet, aber nicht im schönen Thüringen." Das sagt der Bürgermeister. Im Ort in der Nähe von Bad Sulza ärgern sich viele über den maroden Zustand der Anlage der Deutschen Bahn.

Die Gleise der Eisenbahn trennen den Ort Großheringen in zwei Teile. Denn sie verlaufen genau hindurch. Deshalb nutzen viele Menschen den Fußgängertunnel der Deutschen Bahn am Bahnhof. Auch wenn sie nicht mit dem Zug fahren wollen. Der Zustand des Tunnels verärgert aber viele.

Wasser tropft von der Decke

Der Tunnel gleicht einer Tropfsteinhöhle. Einige Menschen laufen deshalb sogar mit aufgespanntem Regenschirm hindurch. Bürgermeister Jens Baumbach sagt, es sei von der Bahn unfair, dass im Jahr 2021 viele Menschen durch solche Bedingungen geschickt werden.

Ein Mann steht an einer Unterführung
  • Bürgermeister Jens Baumbach engagiert sich für einen schöneren Bahnhof.
Bildrechte: Richard Schönjahn / MDR

Wenn es einmal regnet, dann tropft es mindestens eine ganze Woche lang.

Jens Baumbach, Bürgermeister

Einst ein bedeutender Bahnhof

Der Zustand ist ärgerlich. Vor allem, weil Großheringen eine große Eisenbahngeschichte hat. Es war mal ein Eisenbahn-Knotenpunkt, bis der Zugverkehr auf der Strecke nach Sömmerda eingestellt wurde. Jetzt fahren die Züge von hier noch nach Leipzig, Halle und Erfurt.

Die Eisenbahn-Geschichte sorgt dafür, dass es hier viele Zug-Fans gibt. Die haben sich zu den Eisenbahnfreunden Großheringen zusammengeschlossen. Im alten Lokschuppen präsentieren sie viele Details zur Bahngeschichte.

Gebäude mit der Aufschrift GROSSHERINGEN
Im alten Lokschuppen haben die "Eisenbahnfreunde Großheringen" einiges über die Eisenbahn-Geschichte von Großheringen gesammelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann steht auf einem Zug
  • Jörgen Schmidt ist stolz auf seine "Eisenbahnfreunde Großheringen".
Bildrechte: Richard Schönjahn / MDR

"Die Eisenbahn hatte zu Reichsbahnzeiten und zu DDR-Zeiten über 130 Leute. Die waren hier angestellt auf dem Bahnhof. Jeder dritte Dorfbewohner war Eisenbahner", sagt Jörgen Schmidt von den Eisenbahnfreunden Großheringen. Er will die Geschichte der Bahn am Leben halten. Derzeit baut er an einem Modell des alten Bahnhofsgebäudes. Das wurde bereits Anfang der 90er-Jahre abgerissen.

Ausblick: Keine Besserung in Sicht

Irgendwann soll der Bahnhof endlich wieder glänzen, zumindest wenn es nach dem Willen des Bürgermeisters geht. "Wir wollen, dass der Tunnel ein ordentliches Erscheinungsbild hat. Ein bisschen Farbe und eventuell eine Abdeckung, dass nicht von oben das Wasser auf die Leute tropft", sagt er. Deshalb hat er schon viele Briefe an die Deutsche Bahn geschickt. Mittlerweile habe er einen A4-Ordner voll mit dem Schriftverkehr. Auf Anfrage schreibt uns die Deutsche Bahn, dass eine Sanierung derzeit nicht konkret geplant sei. Deshalb wird es im Tunnel wohl auch noch weiterhin tropfen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 01. März 2021 | 16:30 Uhr

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