Folge 1 "Gruselbahnhof" Güterglück schreckt Reisende ab

Als vor etwa 150 Jahren der Bahnhof Güterglück eröffnet wurde, bedeutete das einen großen Aufschwung für den Ort in der Nähe von Zerbst. Hier kreuzten sich zwei Strecken. Fahrgäste konnten umsteigen und Waren wurden verladen. Viele Einwohnerinnen und Einwohner aus Güterglück fanden einen Arbeitsplatz bei der Bahn.

Aus diesen Zeiten bleibt heute ein unansehnlicher Bahnhof zurück. Bereits im Jahr 2016 erklärte eine Einwohnerin gegenüber dem MDR:

"Das Dorf ist eigentlich ein sehr schönes Dorf. Aber das finde ich fürchterlich, was hier auf dem Bahnhof los ist."

Doch nicht nur der allgemeine Zustand verärgert die Menschen. Damals mussten Reisende, die mit dem Zug in Richtung Magdeburg fahren wollten, durch einen maroden Tunnel.

Zustand heute: Der Tunnel ist weg

Mittlerweile wurde der Tunnel seitens der Deutschen Bahn abgerissen. Doch die neue Lösung ist für Anwohner Siegfried Schellin ein großes Ärgernis:

gruselbahnhof-Güterglück
Bildrechte: Richard Schönjahn / MDR

Dafür haben wir eine Brücke erhalten, die ich als Monstrum betrachte.

Siegfried Schellin, Anwohner

Die neue Brücke ist bereits von Weitem zu sehen. Aber nicht nur deshalb ist sie ein großes Gesprächsthema im Ort. Denn sie ist nicht barrierefrei. "Ich kann nicht mal ein Fahrrad vernünftig hochführen. Es sind mehr Stufen, als wir früher im Tunnel hatten", sagt Schellin.

Die Konsequenz der fehlenden Barrierefreiheit und dem allgemeinen Zustand ist, dass immer weniger Einwohnerinnen und Einwohner den Zug nutzen, meint Siegfrid Schellin. Denn durch die Brücke ist das Angebot der Bahn unattraktiver.

Fußgängerbrücke über Bahnschienen
Über dieses Bauwerk ärgern sich viele Einwohnerinnen und Einwohner: Die Brücke. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verschoben: Neubau des Haltepunktes

Die Brücke ist eigentlich nur als provisorische Übergangslösung geplant gewesen. Mittlerweile sollte ein komplett neuer Haltepunkt ein paar Hundert Meter entfernt fertiggestellt sein. Doch die Planungen wurden verschoben.

Wir haben im letzten Jahr von der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt die Information bekommen, dass das Planungsrecht noch nicht besteht und dass man davon ausgeht, dass ab dem Jahr 2025 mit einer Weiterentwicklung des Standorts gerechnet werden soll.

Andreas Dittmann, Bürgermeister Zerbst

Die Deutsche Bahn bestätigt uns, dass die Modernisierung frühestens in drei Jahren geplant sei. Der Bürgermeister geht davon aus, dass im Anschluss auch wieder mehr Menschen die Züge nutzen werden. Aber das liegt noch sehr weit in der Zukunft. "Ich würde mir wünschen, dass dieser Bahnhof mal wieder das wird, was er mal war: Ein Aushängeschild für den Ort Güterglück", sagt Anwohner Siegfried Schellin. Er hofft, dass der Bahnhof Güterglück schon bald wieder deutlich schöner ist.

Blick auf einen alten holzumschalten Lastenaufzug an einem dreigeschossigen Bahnhofsgebäude.
Am Bahnhof sind noch die Reste des ehemaligen Eisenbahn-Knotenpunktes zu erkennen. Zum Beispiel stehen hier noch die alten Aufzüge.           Bildrechte: MDR/André Plaul

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 01. März 2021 | 16:00 Uhr

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