Experten warnen Schutz vor Corona: Wirkung von Mundspülungen begrenzt

Mundspülungen können die Virenlast verringern, sind aber kein ausreichender Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Das betont auch der Lungenfacharzt Prof. Wolfgang Schütte vom Universitätsklinikum Halle. Jüngst hatten Medienberichte wieder einen solchen Schutz unter Berufung auf eine neue Studie nahegelegt.

Fotomontage einer Coronavirus-Miniatur neben einem Becher mit Mundwasser.
Mundspülungen können die Virenlast senken, aber auch keine Wunder vollbringen. Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Gurgeln mit einer Mundspüllösung halte ausschließlich die Viren im Rachen in Schach und das auch nur für kurze Zeit, sagt Prof. Schütte. Diese Wirkung zeige sich auch nur maximal für eine Stunde. Will man diesen kurzzeitigen Schutz nutzen, seien handelsübliche Lösungen, wie sie in Apotheken, oder Drogeriemärkten zu erhalten sind, sinnvoll. Diese würden zum Beispiel auch bei Zahnärzten flächendeckend genutzt.

Studien belegten inzwischen, dass mit solchen Mundspülungen Viren und Bakterien wirksam weggespült und abgetötet werden können. Das klappt auch beim Coronavirus, soweit sind sich die Forscher einig. Aber eben nur für kurze Zeit.

Studie: Viruslast nach einer Minute gurgeln um 90 Prozent verringert – Infektionsmediziner schränkt ein

Infektionsmediziner Dr. Thomas Grünewald vom Klinikum Chemnitz verweist gegenüber "Hauptsache gesund" auf aktuelle Forschungen, nach denen Mundspülungen die Viruslast nach einer Minute Gurgeln um bis zu 90 Prozent verringern. "Eine solche Reduktion kann bei einigen, aber nicht allen Lösungen nachgewiesen werden", schränkt er ein.

Experte: Für generelle Prävention müssten tiefergelegene Viren erreicht werden

Für den Infektionsschutz ist der Nutzen fraglich: "Für eine generelle Prävention müssten auch die Viren in der Nasenschleimhaut und die in den tieferen Rachenabschnitten reduziert werden", so Grünewald.

Doch um dringende Behandlungen bei Covid-PatientInnen durchführen zu können, sei der Einsatz einer solchen Mundspülung durchaus sinnvoll, sagt der Weimarer Mikrobiologe Prof. Dr. Wolfgang Pfister: "Bei Covid-Patienten ist die Viruslast im Mund oft sehr hoch und man kann für nicht aufschiebbare Untersuchungen kurzfristig Keimfreiheit im Mund erreichen."

Umstrittene Äußerungen von Berliner Hygiene-Experten

Vorausgegangen waren Äußerungen des Berliner Hygiene-Experten Prof. Dr. Klaus- Dieter Zastrow. Er riet zur Mundspülung, um Corona-Infektionen zu verhindern und stellte in dem Zusammenhang die aktuellen Einschränkungen im öffentlichen Leben in Frage. Eine bekannte deutsche Zeitung hatte zudem auf eine aktuelle Studie verwiesen, bei der eine Verringerung der Viruslast bei Gabe von Mundspülungen nachgewiesen wurde.

Quelle: Hauptsache gesund (abs)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 11. Februar 2021 | 21:00 Uhr

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