Russland-Ukraine-Krieg Bundesverband des Lebensmittelhandels: Kein Grund für Hamsterkäufe

Zu Beginn der Corona-Pandemie war es das Klopapier, jetzt werden Sonnenblumenöl und Mehl gehamstert. Der Grund: Die Ukraine gilt als größter Getreideexporteur für Europa und Experten schätzen, dass wegen des Kriegs rund vier Millionen Tonnen weniger Weizen aus der Ukraine kommen werden. Wen wundert es also – in Deutschland gehen die Hamsterkäufe wieder los. Dabei seien die gar nicht nötig, meint der Bundesverband des Lebensmittelhandels.

Kaum noch Sonnenblumenöl ist für die Kunden in diesem Lebensmittelmarkt zu bekommen
Sonnenblumenöl und Mehl sind derzeit in einigen Supermärkten ausverkauft. Bildrechte: dpa

Ein Supermarkt im Leipziger Stadtzentrum: Dort, wo sonst im Regal das Sonnenblumenöl steht, ist gähnende Leere. Auch beim Rapsöl nebenan stehen nur zwei Flaschen. Ausverkauft, bestätigt eine Verkäuferin.

In anderen Supermärkten ist Sonnenblumenöl ebenfalls knapp, Mehl genauso. MDR AKTUELL hat sich in zehn Supermärkten in Leipzig umgeschaut. Das Ergebnis: In fünf gab es kein Sonnenblumenöl, es war ausverkauft. In einem Supermarkt gab es sogar überhaupt keine Speiseöle mehr. Doch wer hamstert es eigentlich? Fragt man die Leute, will es keiner gewesen sein. Die meisten bekennen sich nicht zum Hamstern, der ein oder andere aber kann sich durchaus vorstellen, es auch mal zu tun.

Trotzdem kein Leerstand in Bau- und Supermärkten

Doch die Supermärkte sind weit davon entfernt, leer zu sein. Es gibt Alternativen wie Raps- oder Olivenöl. Auch Mehl ist zu bekommen. Nur ein Geschäft von zehn hatte in unserem Test gar kein Mehl im Angebot, in einem gab es kein Weizenmehl mehr. Doch alle anderen Produkte gibt es nach wie vor zu kaufen, die Regale sind voll – mit Nudeln, Wasser, Konserven. Auch ein Baumarkt in unserem Test hatte alles Notwendige da, wie Gas-Kartuschen oder Benzinkanister.

Christian Böttcher vom Handelsverband Lebensmittel meint daher: "Wenn wir uns die Situation in Deutschland anschauen, dann können wir nicht davon ausgehen, dass wir flächendeckend eine Unterversorgung bei bestimmten Produkten haben. In einigen Regionen ja, aber flächendeckend können wir nicht davon reden."

Handelsverband ist gegen Hamsterkäufe

Hamsterkäufe können die Lebensmittel-Logistik durcheinander wirbeln, Christian Böttcher rät von ihnen ab. Ursula Fuchs vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe springt ihm bei. Zumal Hamsterkäufe anderen Menschen auch die Ressourcen entziehen: "Wir empfehlen immer, so einen Vorrat nach und nach aufzustocken. Wenn man das macht und mit Augenmaß einkaufen geht, dann ist auch genug für alle da und es kommt nicht zu den oft gescholtenen Hamsterkäufen."

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt Tipps für die Notfallvorsorge. Dafür braucht es eigentlich nicht viel, schon gar kein Sonnenblumenöl oder Mehl, denn Kochen und Backen fällt im Katastrophenfall meistens sowieso aus. Pro Person sollte ein zehntägiger Vorrat an Nahrungsmitteln reichen. Dazu gehören auch zwei Liter Wasser pro Tag.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. März 2022 | 06:20 Uhr

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