Corona-Impfung Hausärzte könnten im Frühjahr mit dem Impfen beginnen

Eine Corona-Schutzimpfung gibt es momentan nur in den Impfzentren oder von mobilen Impfteams, die zum Beispiel in Pflegeheime fahren. Dabei wollen auch die Hausärzte und –ärztinnen gerne beim Impfen helfen. Spätestens ab Mai solle es mit dem Biontech-Impfstoff so weit sein, teilte die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit.

Eine Spritze ist vor den Logos der Unternehmen Sanofi, Biontech, Pfizer, AstraZeneca, Curevac, Johnson & Johnson, Sanofi und GlaxoSmithKline zu sehen. Alle Unternehmen stellen bereits Corona-Impfstoffe her, oder werden es in naher Zukunft tun.
Wenn alles nach Plan läuft, könnte man sich im Früjahr auch beim Hausarzt impfen lassen. Bildrechte: dpa

Holger Fischer ist Hausarzt in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. Täglich werde er von seinen Patientinnen und Patienten gefragt, warum sie sich nicht bei ihm impfen lassen können. Fischer ist auch Sprecher des Hausärzteverbands Sachsen-Anhalt. Er sagt: Seine Kolleginnen und Kollegen würden gerne loslegen. Aber: "Die Organisation kann man uns natürlich nicht anlasten, das müsste dann schon das Impfzentrum – oder das Gesundheitsamt oder wer auch immer dann für den Transport zuständig ist – übernehmen."

Impfstart in Hausarztpraxen im Frühjahr möglich

Von Bund und Ländern wird das schon vorbereitet. Auch der Biontech-Impfstoff, der sehr stark gekühlt werden muss, soll ab Mai in die Hausarztpraxen geliefert werden können. Auf das schnelle Verimpfen sei man sehr gut vorbereitet, sagt Holger Fischer. Das medizinische Fachpersonal könnte, wie auch bei der Influenza-Impfung, parallel zur normalen Sprechstunde impfen. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne teilte MDR AKTUELL mit: "Ziel ist, möglichst schnell zu erreichen, dass auch Impftermine über Hausarztpraxen angeboten werden können. Dazu suchen wird das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Ziel ist, niedergelassene Ärzte zunächst modellhaft in den Impfprozess einzubeziehen." Ein Impfstart in ausgewählten Hausarztpraxen sei noch im Frühjahr realistisch. Wann genau und mit welchem Impfstoff bleibt unklar.

Wer die Hausärzte für die Corona-Impfungen bezahlt, steht auch noch nicht fest. Im Moment zahlt der Bund den Impfstoff, die Länder und Krankenversicherungen tragen die Kosten für die Infrastruktur, also die Impfzentren. Auch in Sachsen soll es ein Pilotprojekt geben: 40 Hausarztpraxen sollen nach Auskunft des Sozialministeriums ab März gegen Corona impfen: "Mehr ist zurzeit nicht möglich, weil die Verordnung des Bundes keine Festlegungen über die Honorierung in Arztpraxen enthält. Das heißt, das Land geht finanziell in Vorleistung für Honorare und Materialausstattung wie Spritzen. Daher mussten wir die Zahl der Hausarztpraxen erst einmal beschränken." Im Modellprojekt soll der Impfstoff von Moderna eingesetzt werden.

Auch Thüringen plant erste Pilotprojekte

Die Hausärzte sollen dann selbst darauf achten, nur Menschen aus der ersten Priorisierungsgruppe zu impfen. Also über 80-Jährige, Pflegebedürftige und medizinisches Personal. In Sachsen-Anhalt sieht Hausarzt Holger Fischer das kritisch: "Wenn ein Patient dasteht und sagt, ich möchte die Impfung, dann kann ich nicht sagen: Nein, Sie sind erst in drei Wochen dran. Das führt zu einem totalen Chaos, das funktioniert nicht." Er fänd es deshalb wichtig, dass die Gruppe 1-Impfungen schon abgeschlossen wären, wenn die Hausärzte flächendeckend mit dem Impfen beginnen würden. Oder, dass die Priorisierung dann schon hinfällig wäre, weil so viel Impfdosen zur Verfügung stünden, dass jede und jeder Impfwillige sie haben könne. Fischer hofft, dass das vielleicht schon Anfang April der Fall sein könnte.

Auch aus Thüringen heißt es, dass im März erste Pilotprojekte mit Impfungen in Hausarztpraxen starten sollen. Das dortige Sozialministerium teilte MDR AKTUELL mit, dies sei mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen vereinbart worden. Allgemeine Voraussetzung sei, dass großflächig Impfstoffe mit geringeren Anforderungen in Einzeldosenabfüllungen verfügbar seien.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. März 2021 | 06:11 Uhr

39 Kommentare

AlexLeipzig vor 6 Wochen

Also da sind Sie wohl nicht auf dem Laufenden: die "Pflegedienstangestellten" (also das Pflegepersonal) wird von Anfang an geimpft, das Einverständnis der zu impfenden Person vorausgesetzt. Auch in den Heimen sind die Bewohner fast durchgeimpft. Das heißt, Ihre Aussage "Die meisten Todesfälle bieten wohl zurzeit die Altenheime mit infizierten Angestellten" stimmt nicht mehr. Und Menschen "ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen" zu impfen ist ja auch eine wilde Behauptung, zumal Sie sich widersprechen: wenn diese Menschen vom Pflegedienst betreut werden, werden sie auch entsprechend engmaschig gesehen! Warum meckern Sie eigentlich???

Hanna vor 6 Wochen

So ein Unsinn aber auch. Es geht um Menschenleben und da sollten Kosten erst einmal Nebensache sein. Die Hausärzte haben Impferfahrung, Kontaktmöglichkeiten und das Vertrauen ihrer Patienten.

Hanna vor 6 Wochen

Die Frage ist nur, wen man denn wählen soll. In meinen Augen gibt es derzeit keinen, den ich guten Gewissens wählen könnte. Das Vertrauen haben in dieser Krise alle verspielt

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