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Aufgrund der Pandemie findet der 6. Hautkrebs-Patiententag online statt. Bildrechte: Hauttumorzentrum Uniklinikum Dresden

Virtueller Patiententag am 30. AprilDiagnose Krebs – was nun?

von Andrea Besser-Seuß, Hauptsache Gesund

Stand: 28. April 2022, 05:00 Uhr

Mit der Diagnose Krebs kommen bei Betroffenen und Angehörigen viele Fragen auf. Mediziner geben am 30. April beim 6. Hautkrebs-Patiententag Antworten und berichten auch über neue Therapien. Die Veranstaltung wird virtuell durchgeführt.

Mediziner antworten beim 6. Deutschen Hautkrebs-Patiententag

Der 6. Deutsche Hautkrebs-Patiententag richtet sich an alle, die Fragen rund um das Thema Hautkrebs haben. Namhafte Referentinnen und Referenten, darunter Prof. Friedegund Meier, Leiterin des Hauttumorzentrums am NCT/UCC Dresden, informieren am 30. April ab 9 Uhr online über neue Therapien und beantworten Fragen.

Wer teilnehmen möchte, wird um eine vorherige Anmeldung gebeten. Patienten können in der virtuellen Veranstaltung des Hautkrebs-Netzwerk Deutschland e.V. in den Dialog treten. Geplant sind zudem Experten-Beiträge zu folgenden Themen: "Hautkrebs – ist die Sonne jetzt mein Feind?", "Schwarzer Hautkrebs - Große Chancen und Herausforderungen für Ärzte und Patienten", "Finanzielle Belastung bei Krebs (Armutsfall Krebs)", "Weißer Hautkrebs-Ursachen und neueste Entwicklungen" und "Selten und oft spät erkannt:T-zell-Lymphom der Haut".

Leben nach der Diagnose "schwarzer Hautkrebs im Endstadium"

Mathias Jatzlauk weiß, wie wichtig es ist, seine Ängste und Sorgen zu teilen, wenn man Krebs hat. Der 51-Jährige Cottbusser erhielt 2016 die Diagnose Schwarzer Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium. "Die Diagnose Krebs, das macht was mit einem. Das hat auch mich natürlich schockiert und in dem Augenblick war auch in mir sofort der Gedanke da, das ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer Reise und die dauert ja bis heute."

Das ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer Reise und die dauert ja bis heute.

Mathias Jatzlauk, Krebspatient

Mathias Jatzlauk hatte den komischen Fleck am Gesäß, wie er selbst sagt, eigentlich gar nicht so für voll genommen. Seine Frau habe ihn gedrängt, doch endlich mal zum Arzt zu gehen. Es sei eben alles andere immer wichtiger gewesen, als die eigene Gesundheit, sagt Mathias Jatzlauk rückblickend. Er ist selbstständig und Inhaber zweier Firmen. Sein Hausarzt habe aber schon beim ersten Screening gesagt, dass es sehr verdächtig nach schwarzem Hautkrebs aussieht. Noch am selben Tag wurde das betroffene Gewebe im Krankenhaus entfernt und untersucht. Der Verdacht bestätigte sich: Es war schwarzer Hautkrebs. "Und nicht nur irgendeiner, sondern einer von einer ganz aggressiven Sorte", sagt er.

Zum Sterben nach Hause geschickt

Der Krebs hatte bereits Metastasen gebildet. Die Ärzte entfernten Mathias Jatzlauk daraufhin zunächst die betroffenen Lymphknoten. Er hoffte, dass es damit erledigt sei, aber es kam schlimmer. 2017 hatte er Metastasen im Bein, an der Nebenniere und Hirnmetastasen. Der Mittvierziger musste mit dem Schlimmsten rechnen. Das war der größte Schock für ihn. An die Entlassung aus dem Krankenhaus erinnert er sich heute so: "Ich sollte meine Angelegenheiten regeln. Das ist etwas, wo ich sagen muss, da hat es mich schon geschüttelt.“

Ich sollte meine Angelegenheiten regeln.

Mathias Jatzlauk, Krebspatient

Mathias Jatzlauk kämpft seit 2016 gegen den Krebs an. Bildrechte: Mathias Jatzlauk, Krebspatient (für MDR)

Er hat trotzdem großes Glück gehabt, sagt er heute, weil der Rückhalt in der Familie  immer da war. Besonders seine Frau und seine Eltern hätten ihm die nötige Kraft gegeben, der Krankheit entgegen zu treten. Aufgeben war für ihn nie eine Option. Aber mit der Diagnose hätten sich die Prioritäten komplett verändert. Dinge, die vorher wichtig waren, die würden unwichtig und Dinge, die unwichtig waren, wichtig. Er beschreibt das so: "Ich schätze es, dass die Vögel zwitschern, dass die Bäume rauschen, das Gras wächst."

Seine behandelnde Ärztin vom Tumorzentrum Dresden weiß, es zählt jeder Tag: "Es ist leider ein sehr bösartiger Tumor, weil dieser rasch metastasieren kann, also Tochtergeschwülste bilden kann, welche, wenn sie lebenswichtige Organe betreffen oder von der Tumormasse stark zunehmen, dann auch wirklich lebensgefährlich werden können."

Es ist leider ein sehr bösartiger Tumor

Schwarzer HautkrebsHautkrebs ist mit rund 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Knapp 40.000 davon entfallen auf den schwarzen Hautkrebs. Im Frühstadium ist Hautkrebs oft heilbar, aber zu spät behandelt, verläuft der schwarze Hautkrebs tödlich.

Die Erkrankungshäufigkeit nimmt weiterhin zu, global gesehen. Das betrifft sowohl den weißen Hautkrebs, als auch den schwarzen Hautkrebs. Als Hauptgründe benennt die Hautspezialistin Prof. Meier zu intensive Sonneneinwirkung und die steigende Lebenserwartung. Aber auch erbliche Faktoren spielen eine Rolle. Das Risiko selbst zu erkranken liegt bei zehn Prozent, wenn ein Verwandter ersten Grades vom schwarzen Hautkrebs betroffen war.  

Prof. Friedegund Meier leitet das Hauttumorzentrum am Universitätsklinikum Dresden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neue Immuntherapie in Dresden: die Checkpoint-Inhibitor-Therapie

Patienten, wie Mathias Jatzlauk bekommen am Hauttumorzentrum des Universitätsklinikums Dresden hochdosierte Krebsmedikamente. Die Leiterin Frau Professor Dr. Meier ist auf Hauttumore spezialisiert. Sie rät ihrem Patienten zu einem neuem Medikament, dessen Wirksamkeit im Rahmen einer Studie erprobt wird.

Alle drei Wochen muss der Patient an den Tropf. "Danach ist man dann immer so ein bisschen müde und abgeschlagen. Das dauert ein, zwei Tage, dann geht es wieder. Dann kann man wieder so richtig durchpowern" , beschreibt Mathias Jatzlauk die Procedur.

Checkpoint-Inhibitor-TherapieKörpereigenen Abwehrzellen werden fit gemacht, um Krebszellen zu erkennen und abzutöten. Allerdings kann das Medikament auch schwere Nebenwirkungen haben. Die aktivierten Abwehrzellen könnten beispielsweise gesundes Gewebe angreifen. Dann kann es zu unkontrollierten Entzündungen im ganzen Körper kommen.

Seinen Lebensrythmus bestimmen die Infusionen, die Mathias Jatzlauk alle drei Wochen bekommen muss. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Metastasen sind weg

Mathias Jatzlauk verträgt die Infusionen gut. Und nicht nur das, die Metastasen sind alle verschwunden und es sind auch keine hinzugekommen. Das sei das Schönste, was passieren konnte, so seine Ärztin. Es ist kaum zu fassen – bei der Ausgangssituation, die ja hoffnungslos schien. "Das ist wirklich das, was einen besonders glücklich macht, nicht nur den Patienten, natürlich auch den Arzt", freut sich die Krebsspezialistin. Das mache Mut, weiter zu forschen und die Therapie weiterzuentwickeln. Daraus könne sie auch Kraft ziehen, für Fälle, die nicht so glücklich verlaufen.

Das ist wirklich das, was einen besonders glücklich macht, nicht nur den Patienten, natürlich auch den Arzt.

Prof. Friedegund Meier, Hauttumorzentrum am Uniklinikum Dresden

Mathias Jatzlauk ist zwar nicht geheilt, aber die Erkrankung wird mit den Medikamenten in Schach gehalten. Er kann wieder voll arbeiten und engagiert sich seither im Patientenrat. Dort ist er zusammen mit anderen, auch ehemaligen Krebspatienten, Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige.

Der offene Austausch zwischen der behandelnden Ärztin und dem Krebs-Patienten ist enorm wichtig. Bildrechte: Prof. Friedegund Meier/ Mathais Jatzlauk (für MDR)

Patienten entscheiden selbst über Therapie

Am Tumorzentrum des Uniklinikums Dresden setzt man auf umfassende Aufklärung. Prof. Meier betont gegenüber dem MDR: Nach der Entfernung des Tumors stünden meistens mehrere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Da sei es wichtig, dass sich die Patienten über alle Optionen der Behandlung informieren können. Nur so seien sie in der Lage, sich sehr bewusst und selbstbestimmt, für eine Therapie zu entscheiden. 

"Es reicht, auf keinen Fall, Therapien einfach durchzuführen. Es wird zunehmend wichtiger, dass der Patient eine sehr hohe Kompetenz erwirbt und dann auch gemeinsam mit uns eine Therapie-Entscheidung treffen kann." Weiter führt Prof. Meier aus: Das Wissen und Akzeptieren trage maßgeblich zum Erfolg der Therapien bei. Patientinnen und Patienten könnten zudem auch Nebenwirkungen frühzeitig erkennen, so dass der Arzt rechtzeitig eingreifen kann.

 Der Patientenrat: Enges Miteinander von Arzt und Patient

Mitarbeiter des Uniklinikums, also Ärztinnen und Ärzte und Menschen, die alle von Krebs betroffen sind, bilden den Patientenrat. Dieser fungiert als Schnittstelle zwischen Patienten und Forschung. Das Ziel sei es, Krebspatienten und Angehörigen ein offenes Ohr zu schenken, sie über alles zu informieren, was wichtig sein könnte. Oftmals wüssten auch die Hausärzte zu wenig Bescheid, welche spezialisierten Kliniken es gibt oder welche Therapie vielversprechend ist. Es geht auch darum, Mut zu machen. "Krebs ist nicht gleich tot", sagt Mathias Jatzlauk. Es sei ganz viel passiert in den letzten Jahren in der Krebsforschung.

Diagnose, Behandlung, Prophylaxe

Persönliche Patientengeschichte

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 05. Mai 2022 | 21:00 Uhr