Deutscher Herzbericht 2020 Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen nehmen zu

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen. Das belegt der Deutsche Herzbericht 2020. Die Zahl der in Krankenhäusern behandelten Patienten wuchs hier seit 2000 um über 40 Prozent.

Herzinfarkt
Auch weil die Diagnosemöglichkeiten immer besser werden, werden mehr Erkrankungen erkannt. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Seit dem Jahrtausendwechsel wuchs die Zahl der in den deutschen Krankenhäusern wegen Herzinsuffizienz behandelten Patientinnen und Patienten um 40 Prozent. Allein von 2018 auf 2019 stieg die Zahl um 4,8 Prozent auf 487.247.

Damit hält die Herzinsuffizienz – auch als Herzschwäche bekannt – den Spitzenplatz der häufigsten Gründe für stationäre Krankenhausaufenthalte in Deutschland, den sie schon seit Jahren inne hat. Das ist eine der Hauptaussagen des aktuellen Deutschen Herzberichts, der seit dieser Woche vorliegt.

Stephan Baldus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
Prof. Dr. Stephan Baldus ist der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Bildrechte: Uniklinik Köln

Mehr Therapieoptionen verbessern die Prognose

Die Sterblichkeit aufgrund von Herzschwäche ist im Jahr 2019 jedoch auf den niedrigsten Wert seit 2011 gefallen. "Dies liegt an neu verfügbaren Therapieoptionen und der besseren Etablierung leitliniengerechter Therapien", sagt Prof. Dr. Stephan Baldus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Seit 2014 sind zwei neue Medikamentenklassen hinzugekommen, die einen deutlich positiven Einfluss auf die Lebenserwartung von an Herzinsuffizienz Betroffenen haben. Für Kardiologen sei dies aber dennoch kein Grund zur Entwarnung. "Wir werden in den nächsten Jahren auch weiterhin steigende Patientenzahlen mit der Diagnose Herzinsuffizienz sehen", so Baldus. "Die Herzschwäche ist häufig die Folge und das Endstadium vieler anderer Herz- Kreislauferkrankungen, deren Häufigkeit leider ebenfalls zunimmt."

Mehr Patientinnen und Patienten mit Herzrhythmusstörungen

Auch die Zahl der Menschen in Deutschland, die wegen Herzrhythmusstörungen stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten, hat sich zwischen 1995 und 2015 fast verdoppelt. "Die Ursache des deutlichen Anstiegs muss unter anderem in der verbesserten Diagnostik gesucht werden, aber auch in der weiter fortschreitenden Alterung der Bevölkerung", sagt Baldus.

Kein Anstieg der Sterblichkeit

Die verbesserten Möglichkeiten zur medikamentösen und instrumentellen Therapie verlangsamten den Anstieg aber in den letzten fünf Jahren deutlich.

Außerdem stagniert die Sterblichkeitsrate bei Rhythmusstörungen seit 2011. Dafür sorgt zum Beispiel die Katheterablation, eine besonders sichere minimalinvasive Verödungstherapie am Herzen.

Gemischtes Fazit

Trotz dieser positiven Entwicklung zieht DGK-Experte Baldus ein gemischtes Fazit. Dass es trotz der Zunahme bei der Erkrankungshäufigkeit gelungen sei, die Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen zu senken, sei eine große Erfolgsgeschichte der Herzmedizin: "Darauf dürfen wir uns aber keinesfalls ausruhen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind seit Jahren und mit Abstand Todesursache Nummer 1 in Deutschland und aufgrund der zunehmenden Fallzahlen gibt es keinen Anlass zu glauben, dass sich das in absehbarer Zukunft ändern wird."

Hier den ganzen Bericht lesen

Quelle: Hauptsache gesund /mk

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 06. Mai 2021 | 21:00 Uhr

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