Spenden für den guten Zweck Auch Hilfsorganisationen müssen Strafzinsen zahlen

Porträtaufnahme einer weißen Frau mit zurückgebundenen Haaren, einer großen Brille und grüner Bluse
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Letztes Jahr für die Opfer der Flutkatastrophe, aktuell für Krankenhäuser in der Ukraine oder Menschen, die vor dem Krieg fliehen − deutschlandweit geben die Bürgerinnen und Bürger Sach- und Geldspenden. Letztere landen auf Konten der jeweiligen Hilfsorganisationen. Ein Hörer fragt sich, ob diese von Strafzinsen ausgeschlossen sind oder für Spendengelder ebenso Verwahrentgelte anfallen.

Flüchtlinge aus der Ukraine überqueren die polnische Grenze in Medyka.
Hunderttausende Ukrainer, vor allem Frauen und Kinder, flüchten vor dem Krieg. Viele Deutsche helfen mit Geldspenden, doch damit unterstützen sie indirekt auch Banken. Bildrechte: imago images/Pixsell

Wenn Banken Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, müssen sie dafür Strafzinsen zahlen. Diese Kosten geben sie als sogenannte Verwahrentgelte an ihre Kunden weiter. Da sind auch Spendenorganisationen grundsätzlich keine Ausnahme.

Während der Flutkatastrophe im Ahrtal habe das sogar zu der absurden Situation geführt, dass für Geld, das von Banken selbst an das Netzwerk Aktion Deutschland Hilft gespendet wurde, auch solche Verwahrentgelte bezahlt werden mussten, erzählt die Geschäftsführende Vorständin Manuela Roßbach: "Also wir haben Vereinbarungen mit Banken, um die Strafzinsen zu umgehen. Allerdings muss ich sagen, dass die Banken im letzten Jahr die Summe dessen, was dann bezinst wird, niedriger gestellt haben."

Die Banken haben also die Freibeträge abgesenkt. Deren Höhe unterscheide sich von Bank zu Bank, sagt Roßbach. Dem Bankenverband zufolge entscheidet jedes Geldinstitut selbst über die Preise für seine Dienstleistungen.

Freibetragsgrenze je nach Bank unterschiedlich

Auf Nachfrage wollen sich kaum Banken dazu äußern. Die Deutsche Bank teilte schriftlich mit, dass ihre Regelungen für alle Kunden gleich gelten würden – auch für Hilfsorganisationen: "Die Freibeträge für Verwahrentgelte liegen bei 50.000 Euro für Giro- und Anlagekonten und bei 25.000 Euro für Tagesgeld."

Andere Banken sind etwas kulanter, wenn es um Spendenkonten geht: So zum Beispiel die Bank für Sozialwirtschaft, bei der auch zahlreiche Hilfsorganisationen Konten haben, sagt der Regionaldirektor Ost, Stephan Sperling: "Allerdings sind wir als Bank für Sozialwirtschaft speziell ausgerichtet auf gemeinnützige Institutionen und dementsprechend sorgen wir natürlich auch dafür, dass Spendenorganisationen auch entsprechende Spendenkonten haben, wo größere Freibeträge eingeräumt sind."

Jede Organisation könne bis zu vier Spendenkonten mit einem Freibetrag von jeweils zweieinhalb Millionen Euro nutzen, ergänzt Sperling. Organisationen wie Aktion Deutschland Hilft setzten mittlerweile auf aktive Vermögensverwaltung: Das heißt, mit Investitionen am Kapitalmarkt wird ein Gewinn erwirtschaftet, um den Strafzins abzufangen.

Verwahrentgelte können Banken rechtlich nicht untersagt werden

Doch dieses Vermögensmanagement sei sehr aufwändig, klagt Vorständin Roßbach. Sie habe sich schon an die Politik gewandt, wurde aber immer wieder auf EU-Recht verwiesen. Auch der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Michael Schrodi, sieht keine politische Lösung: "Es ist ärgerlich, dass Hilfsorganisationen für ihre Spendengelder Verwahrentgelte bezahlen müssen, es gibt aber leider keine rechtliche Grundlage, um den Banken die Erhebung von Verwahrentgelten für bestimmte Einlagen zu untersagen."

Aber wie akut ist das Problem? Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen prüft die Finanzen von Spendenorganisationen. Von dort heißt es, dass das Thema Strafzinsen bisher nur recht wenige Organisationen betreffe – jedoch ausgerechnet die, die bei Katastrophen wie der im Ahrtal sehr viele Spenden in kurzer Zeit sammeln und so kurzzeitig über die Freibetragsgrenzen kommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. März 2022 | 06:24 Uhr

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