Hitze und Trockenheit Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Ein Forschungsinstitut im sächsischen Tharandt nimmt unsere Wälder genauer unter die Lupe. Welche Bäume sind besonders beständig bei Dürre? Wohin mit Totholz? Und wie lautet das Rezept für gesunde Wälder? Gibt es das überhaupt? MDR um 4 hat nachgefragt und mit dem Forscher Sven Wagner gesprochen.

Ort von bewaldeten Hügeln umgeben
Forscher im sächsischen Tharandt suchen nach der Zukunft des Waldes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wissenschaftlicher im sächsischen Tharandt forschen seit rund 200 Jahren dazu, wie sich Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen lassen. Wie der "Wald der Zukunft" – so der Name des Forschungsprojekts – aussieht oder welche Baumarten künftig Hitze und Dürre in unseren Städten trotzen, wird dort im Labor untersucht und im ältesten Forstbotanischen Garten der Welt getestet.

Sven Wagner ist einer der Forscher an der Forsthochschule Tharandt, der nach dem "Wald der Zukunft" sucht. Im Gespräch mit MDR um 4 spricht er über die aktuelle Situation und mögliche Auswege.

Unterschiedliche Eigenschaften von Bäumen richtig nutzen

In Tharandt werde vor allem auch Grundlagenforschung betrieben, erklärt Wagner. Er untersuche zum Beispiel, wie weit Samen vom Baum weggetragen werden und wie gut sich die Bäume schließlich verbreiten können. "Vielfalt ist ein Schlüssel, um sich gegen Unsicherheiten zu wappnen. Die unterschiedlichen Eigenschaften der Baumarten helfen dabei." Die Birke etwa sei sehr robust. Die Weißtanne hingegen sehr langlebig, und sie produziere viel Holz.

Vielfalt ist ein Schlüssel gegen Unsicherheiten.

Sven Wagner, Forsthochschule Tharandt

Beim Pflanzen von Bäumen müsse man immer auf das Zusammenspiel achten, sagt der Experte. Baumarten seien unterschiedlich gut in der Lage, mit Witterungsextremen wie Hitze, Spätfrost oder Starkregen umzugehen: "Wenn wir Vielfalt auf einer kleinen Fläche haben, dann bin ich zuversichtlich und sicher, dass wir dort auch in Zukunft nicht nur Bäume, sondern auch Wald haben werden, komme was wolle. Die unterschiedlichen Fähigkeiten und Eigenschaften der Baumarten sind eine Absicherung für alle Unwägbarkeiten."

Totholz: Lebensraum oder Brandbeschleuniger?

Auch die Frage, ob Totholz entfernt oder im Wald gelassen werden soll, beschäftigt die Forscher. Sven Wagner sieht es realistisch: Einen Wald, der völlig ohne Brand-Risiko auskomme, gebe es nicht. Seine Kolleginnen und Kollegen aus der Ökologie sehen Totholz vor allem als Lebensraum etwa für Insekten und Pilze. Sogenanntes Feinreisig, also kleine Äste oder Tannennadeln, werde zwar recht schnell zersetzt, sagt Wagner. Im Falle von Hitze und Trockenheit könne das Reisig einen beginnenden Brand jedoch stark befeuern. Der Stamm hingegen, der erst nach vielen Jahrzehnten zersetzt werde, stelle ein viel geringeres Brandrisiko dar.

Welche Bäume überstehen Trockenheit?

Sven Wagners Kollegen Andreas Roloff und Britt Kniesel vom Institut für Forstbotanik und Forstzoologie in Tharandt haben 47 Baumarten im Hinblick auf Trockenresistenz und Frosthärte bewertet. Demnach sind besonders Spitz- und Feldahorn, die Traubeneiche, die Winterlinde, die Hängebirke oder ein ganz normaler Kirschbaum für trockene bis sehr trockene Böden geeignet.

Menschen im Wald 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR um 4 (nvm)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 26. Juli 2022 | 16:00 Uhr

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