Hörer machen Programm So lange bleiben die mRNA-Abschnitte der Corona-Impfung im Körper

Die Wirkweise des Corona-Impfstoffs ist neu. Dabei kommt ein kleines Stück Erbinformation, sogenannte mRNA, zum Einsatz. MDR AKTUELL-Hörer Bernd Rottluff aus Ottersberg in Niedersachsen fragt angesichts dieser neuen Methode: "Wie lange bleiben die mRNA-Abschnitte im Körper, beziehungsweise wie werden sie abgebaut?"

Illustration von Antikörperreaktion auf Corona-Infektion
Illustration einer Antikörperreaktion auf Corona-Infektion Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Wenn man den Körper mit einer Firma vergleichen will, dann ist mRNA so etwas wie eine E-Mail. Im Zellkern, quasi dem Büro, sind in der DNA alle Baupläne abgespeichert für Eiweiße, Enzyme, Körperzellen und so weiter. Der konkrete Baubefehl wird dann per Boten-RNA – auf Englisch Messenger-RNA, kurz mRNA – aus dem Zellkern in die Zelle geschickt, quasi in die Werkhalle.

Professor Alexander Dalpke von der TU Dresden
Professor Alexander Dalpke von der TU Dresden Bildrechte: IMMH, TU-Dresden

Das ist ein völlig normaler und alltäglicher Vorgang, der in jedem Augenblick millionenfach abläuft im Körper, erklärt Alexander Dalpke, Virologe an der Technischen Universität Dresden: "Die mRNA ist eine Boten-RNA, die in jeder Zelle vorkommt."

"Wir haben ja im Zellkern sozusagen die genetische Information auf den Chromosomen und im Cytoplasma, also außerhalb des Zellkerns, dort, wo die Eiweiße hergestellt werden. Dort muss die genetische Information hin transportiert werden. Und das passiert über die RNA", erklärt Alexander Dalpke.

Antikörper sollen Spikeproteine blockieren

Bei der Corona-Impfung enthält die mRNA einen Baubefehl für das Spikeprotein vom Coronavirus. Dieses Spikeprotein ist der Schlüssel des Krankheitserregers zum menschlichen Körper. Wird es frühzeitig vom Immunsystem erkannt, kann es mit Antikörpern blockiert werden.

Prof. Karsten Mäder
Karsten Mäder, Professor für pharmazeutische Technologie und Direktor des Instituts für Pharmazie an der Martin-Luther-Universität in Halle Bildrechte: Markus Scholz

Deshalb soll der menschliche Körper das Eiweiß selbst bauen, dann als fremd erkennen und sein Immunsystem dagegen trainieren. Dafür muss die mRNA zunächst ihr Ziel im Menschen erreichen. Und das ist das gar nicht so einfach, weil sie sehr instabil ist, erklärt Karsten Mäder, Professor für pharmazeutische Technologie und Direktor des Instituts für Pharmazie an der Martin-Luther-Universität in Halle.

"Generell gibt es verschiedene Möglichkeiten, Wirkstoffe dem Körper zuzuführen. Am bequemsten wäre natürlich eine orale Einnahme als Tablette. Aber dann würde der Wirkstoff erst einmal gar nicht sein Ziel erreichen, weil er sozusagen nicht den Magen-Darm-Trakt überleben würde", sagt Karsten Mäder.

Körpereigene Zellen "lesen" RNA ab

Verpackt in eine Hülle aus kleinsten Fettpartikeln wird die Impfstoff-mRNA direkt in den Körper gespritzt, ins Muskelgewebe. Das ist gut durchblutet und dort findet die Botschaft die richtigen Zellen, von denen sie aufgenommen werden soll, erklärt Virologe Alexander Dalpke: "Zunächst erst einmal müssen die Zellen diese mRNA aufnehmen und damit das passiert, ist sie verpackt in diese kleine Fettpartikel. Mit denen wird es möglich, weil die haben eine Zusammensetzung, ähnlich wie die Membran einer Zelle. Dass dann die mRNA leicht eingeschleust werden kann."

Das passiere in unterschiedlichen Zellen. Aber die wichtigen Zellen, die vor allem in der Lage seien, solche von außen zugelieferte Informationen in Fettpartikeln aufzunehmen, seien die sogenannten Antigene präsentierenden Zellen. Diese Zellen seien in der Lage, die aufgenommene RNA abzulesen. "Und dann stellt sozusagen eine körpereigene Zelle dieses fremde virale Eiweiß, für das die mRNA codiert ist her", erklärt Alexander Dalpke.

Training für das Immunsystem

Diese speziellen Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen, also dem Immunsystem. Ihre Aufgabe ist es, fremde Eiweiße aufzunehmen und dem Körper als Ziel für die Feindabwehr zu zeigen. Dafür wandern diese Zellen in die Lymphknoten, wo die Immunantwort erfolgt.

Damit wird unser Immunsystem auf den Feind, also das Virus trainiert, wie der Pharmakologe Karsten Mäder erklärt. Dadurch solle das Immunsystem sofort zuschlagen können, sobald das Virus wirklich auftauche.

mRNA wird nach getaner Arbeit abgeabaut

Die mRNA hat dann ihren Zweck erfüllt und wird schnell wieder abgebaut. Zuständig dafür sind bestimmte Enzyme, erklärt Karsten Mäder.

Das geht relativ schnell. Das ist also typischerweise für die Natürlichen so im Minutenbereich.

Karsten Mäder Professor für pharmazeutische Technologie und Direktor des Instituts für Pharmazie

"Bei den beiden anderen könnte es jetzt so im Stundenbereich sein. Aber es ist nicht etwas, was monatelang oder jahrelang da bleibt", sagt Karsten Mäder.

Erbgut wird nicht verändert

Eine Impfung mit mRNA, und das wird oft verwechselt, ist keine Gentechnik, bei der unser menschliches Erbgut verändert wird. Sondern sie greift letztlich auf einen natürlichen Mechanismus zurück, der im Körper regelmäßig abläuft, sagt Alexander Dalpke. Das sei der große Vorteil dieser RNA-Impfstoffe. Es gebe natürlicherweise Abbau-Mechanismen, die dafür sorgen, dass dieser Plan A eigentlich sehr schnell wieder abgebaut wird.

Die mRNA – im Körper ist sie so alltäglich wie die E-Mail im Büro. Allerdings häufen sich mRNAs nicht an – sondern werden direkt gelöscht, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Januar 2021 | 06:21 Uhr

34 Kommentare

Anita L. vor 11 Wochen

Ja nun, winfried, so können Sie freilich durchs Leben gehen. Ich persönlich empfände es als fürchterlich anstrengend, gegen alles und jeden ein derartiges Misstrauen zu hegen. Aber das ist Ihre Entscheidung und damit werden Sie wohl nur warten können, bis Ihnen alle Menschen (oder sind's nur die Politiker, Ärzte und andere "die da oben"s?) ihren Impfausweis mit dem entsprechenden Eintrag gezeigt haben und selbst dann können Sie ja - angesichts der sich doch häufenden Meldungen über Impfschwindel bei Ärzten (Stichwort Masernimpfung) auch wieder nicht sicher sein...also am besten setzen Sie sich beim Impfen neben den betreffenden Menschen...aber warten Sie, dann wissen Sie ja auch nicht, ob da nur ein Placebo in der Spritze war...also...


Tja, wie ich schon sagte, "wasch mich, aber mach mich nicht nass" wende ich lieber nicht als Antizipation an. Das könnte leicht in einer Psychose enden. Aber das muss halt jeder für sich entscheiden.

winfried vor 11 Wochen

Anita L. ... danke für faktennennende Replik.
Und dennoch, ich unterstelle JEDEM(R) Befürworter(in)
"wasch mich, aber mach mich nicht nass",
der(die) nicht wie Herr Kretschmer, seine Impfbereitschaft TV-wirksam kundtut.

Anita L. vor 11 Wochen

@winfried, aha. Und Sie werden mir jetzt bestimmt erklären, dass das eben noch nicht einer getan hat und dass daraus der völlig logische Schluss gezogen werden kann, dass keiner sich impfen lassen will. Wissen Sie, dass es sogar eine ganze Menge Belege im Netz gibt, in denen Politiker und andere Personen des öffentlichen Interesses genau diesen Satz aussprechen bzw. schreiben? Sie werden entschuldigen, dass ich Ihnen hier nicht jeden Einzelnachnachweis erbringen kann, das sprengt den Zeichenrahmen der Kommentarfunktion. Deshalb zwei exemplarische Hinweise: Die BILD-Zeitung zum Beispiel hat im Thüringer Landtag eine Umfrage dazu durchgeführt; deren Ergebnis Sie im Netz finden, ("Die ganz große Impf-Koalition", 27.01.21, Bild regional, Thüringen). Und auch unser sächsischer Ministerpräsident sagt in einem NTV-Beitrag: "Ich werde mich impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin." ("Kretschmer: Normalität erst wieder ab Mai/Juni 2021", 2.12.20, ntv, Regionales, Sachsen).
In diesem Sinne.

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