Hörer machen Programm Darum werden Staus nicht über die Gegenfahrbahn aufgelöst

Der heftige Schneefall hat auf den Autobahnen in Mitteldeutschland für Chaos gesorgt: liegengebliebene Lkws, kilometerlange Staus. Zum Beispiel die A4 zwischen Görlitz und Dresden wurde für viele Lkw- und Pkw-Fahrer für fast 24 Stunden zur Staufalle. MDR AKTUELL-Hörerin Katja Malik aus Görlitz fragt sich deshalb, warum in solchen Situationen nicht die Leitplanken geöffnet werden, um den Verkehr über die Gegenfahrbahn abzuleiten.

Stau auf der A4.
Auf der A4 hat es sich wegen des starken Schneefalls fast einen ganzen Tag durchgehend gestaut. Bildrechte: Lausitznews

Eingeschneit – nichts geht mehr am frühen Dienstagmorgen auf der A4, auf einer Länge von 50 Kilometern. Das Technische Hilfswerk Görlitz weckt Lkw- und Pkw-Fahrer, die seit Stunden Richtung Polen eingeschlossen sind. Selbst die Räumprofis kommen bei diesen Wetterverhältnissen an ihre Grenzen und müssen erfinderisch sein. André Stickel vom THW Bautzen erzählt: "Zwei unserer Schleppfahrzeuge sind verkehrt herum auf die Autobahn gefahren, um an die Einsatzstelle zu kommen."

Aufwand lohnt sich erst bei mehrtägigem Einsatz

Schon am Montag hatte es auf der A4 Richtung Dresden ab Salzenforst einen kilometerlangen Stau gegeben. Die Behörden hatten Kontakt mit der polnischen Seite aufgenommen, damit nicht noch mehr Lkws von Breslau in Richtung Dresden fahren. Wohl dem, der Benzin im Tank und etwas zu Essen dabei hatte. Sollten für solche außergewöhnlichen Situationen die Behörden flexibler reagieren und die Leitplanken öffnen, damit der Verkehr über die Gegenfahrbahn abgeleitet werden kann?

Prinzipiell eine gute Idee, sagt Anja Leuschner von der Polizeidirektion Görlitz. Aber: "An diesen Stellen müsste dann eine spezielle Firma mit speziellen Werkzeugen anrücken, die Leitplanken fachgerecht abmontiert und das Ganze dann für den Verkehr freigibt." Das heißt, es müsste auf der anderen Straßenseite auch eine Baustelle eingerichtet werden. Und das würde sich erst lohnen, wenn es sich um einen Einsatz handelt, der mehrere Tage dauert.

Flexible Leitplanken bei Minusgraden ungeeignet

Christine Rettig, Sprecherin des ADAC für Sachsen-Anhalt, kann die Forderung ebenfalls verstehen, sieht aber auch die Verkehrssicherheit gefährdet, da die Leitplanken normalerweise für die Sicherheit sorgten.

Neben festen gibt es auch flexible Leitplanken für Baustellen auf langen Autobahnabschnitten oder vor Tunneln. Aber auch die wären bei Megastaus und Minusgraden keine Hilfe, sagt Reinhard Koettnitz, Professor für Gestaltung von Straßenverkehrsanlagen an der TU Dresden: "Bei solchen Temperaturen, wie wir es derzeit haben, lassen sich Stahlschutzplanken sehr schwierig demontieren und montieren." Es gebe Temperaturbereiche, die beachtet werden müssten, wenn Stahlleitplanken eingebaut werden.

Verkehrsteilnehmer sind oft schlecht vorbereitet

Kurzum: Leitplanken bei Megastaus auf der Autobahn abzubauen, damit der Verkehr über die Gegenfahrbahn abgeleitet werden kann, ist eine gute Idee, die in der Praxis aber scheitern würde. Vielmehr müssten die Autofahrer selbst dafür sorgen, dass es erst gar nicht zu Staus kommt, sagt Anja Leuschner von der Polizeidirektion Görlitz. Ihre Beobachtung ist, "dass sehr viele Lkw-Fahrer und auch Pkw-Fahrer sich nicht auf das Wetter eingestellt haben – was die Bereifung angeht". Schneeketten seien auch ganz selten vorhanden. Oder wie es Professor Koettnitz von der TU Dresden auf den Punkt bringt: "Man muss einfach damit umgehen, dass es in Mitteleuropa Winter gibt."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Februar 2021 | 06:20 Uhr

5 Kommentare

Reiner202 vor 35 Wochen

@ F.W. Bevor du hier über den Winterdienst schimpfst solltest du dich informieren. Der Winterdienst hat seine Vorschriften. Sie dürfen nur ihren Streckenbereich von Schnee befreien. Sobald sie den erreicht haben müssen sie das Räumschild hochnehmen und zurückfahren. Warum ,das musst du die Landesregierung fragen ,die haben es entschieden. Noch eine Antwort, Warum sind LKWs auf allen Spuren und blockieren PKW Fahrer sowie den Winterdienst.

F.W. vor 35 Wochen

Wie immer, der Autofahrer ist Schuld am Winterstau, er hat sich nicht vorbereitet, aber der Winterdienst der hat vorbereitet... Da fragt man sich schon, wem so ein Beitrag eigentlich nützen soll. Auch habe, im Januar 2021 bei weniger Schnee erlebt, dass die neue tolle Autobahn GmbH das Dreieck Suhl am Nachmittag, in der Kurve auf der rechten Fahrbahn hat einscheien lassen. Der Schneeflug vor mir ist gar nicht erst bis zum Dreieck, was auch nicht gesperrt war, sonder eben gegen 16 Uhr über die Notabfahrt dann von der Autobahn ( sichtbar ) runter gefahren, war wohl Feierabend ??? Die Situation war aufgrund der Kurven dort auch gefährlich, ab der der Autofahrer, wie ich, hat sich nicht vorbereitet... Gehts noch... ?

mensrea vor 35 Wochen

Bei allem nötigen Respekt für die Situation und die Frage, aber war die Antwort nicht eigentlich allen klar? Ich dachte, dass jede/r weiß, dass die Planken so verbaut sind, dass sie große Belastungen aushalten können. Und das widerspricht doch eigentlich der Idee, sie einfach so auf und zu machen zu können. Das einzige, was hilft ist echt die Koordination aller Verkehrsbehörden, die Verkehrsteilnehmer gut (um)zuleiten. Und vielleicht ein "Rückbau" der Tatsache, dass die Autobahn mittlerweile das rollende Lager in fast allen Wirtschaftsteilen ist.

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