Brillenkauf Preiskampf auf dem Brillenmarkt

Der Brillenmarkt in Deutschland ist riesig. Kein Wunder, wenn 40 Millionen Erwachsene eine Brille tragen. Wer davon einen neue Brille braucht, hat meist die Wahl zwischen kleinen Optikerläden oder großen Filialen. Bei der Entscheidung spielt oft auch der Preis eine Rolle und da gibt es zwischen Filiale und Optiker meist gravierende Unterschiede. Doch woher kommen diese oft deutlichen Preisunterschiede?

Wer sich schon mal ein Angebot bei einem Optiker eingeholt hat, der weiß, dass Brillenglas nicht gleich Brillenglas ist. Und da kann man ganz schön durcheinanderkommen. Mineralglas oder Kunststoff? Sphärisch oder asphärisch? Leicht-, normal- oder doch lieber superentspiegelt? Polarisierend? Phototrop? Vielleicht noch einen Lotuseffekt dazu?

Preisunterschied liegt in Qualität der Produkte

Je nachdem, was der Kunde oder die Kundin möchte oder geboten bekommt, komme es zu teils erheblichen Unterschieden beim Preis, sagt der Präsident des Zentralverbandes der Augenoptiker, Thomas Truckenbrod.

Der Trick liege vielleicht im Produkt selbst, da man Produkte unterschiedlicher Qualität kaufen könne, sagt Truckenbrod: "Und hier könnte es sein, dass dem Kunden bei dem ersten Angebot vielleicht ein sehr spezielles gemacht wurde oder vielleicht auf seine Wünsche eingegangen wurde. Beim Angebot des Filialisten könnte es sein, dass das erst mal ein ganz normales Standardangebot ist."

Eines sei aber klar, sagt der Leipziger Optiker: Der preisliche Unterschied lasse sich nicht nur durch den Einkaufspreis erklären. Was heißt das?

Große Einkaufsmengen reduzieren Preis

Das Geschäft der Filialisten ist anders ausgerichtet als das eines Einzeloptikers, ganz besonders, wenn es um die Gewinnmarge geht – also die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Hier spielen die Mengen eine entscheidende Rolle.

Wie das zum Beispiel bei der Filiale Fielmann abläuft, dem Marktführer in Deutschland, erklärt der Leipziger Niederlassungsleiter, Ralf Heitjohann: "Wir haben 800 Geschäfte und kaufen halt nicht von diesem einen Modell fünf, sondern 50.000. Und damit ist es natürlich so, dass wir im Bereich des Einkaufes weitaus besser dran sind aufgrund des höheren Volumens." Der günstigere Einkaufspreis werde auch an die Kunden und Kundinnen weitergegeben.

Beim Branchenprimus Fielmann kommt außerdem noch dazu, dass er Fassungen und Gläser auch selbst produziert, so also keinen Zwischenhändler nötig hat – auch das spart Geld.

Fielmann: Ziel immer günstiger zu sein

Das Unternehmen nimmt für sich in Anspruch, immer günstiger zu sein als die Konkurrenz. Das lässt sich mit Premiumware aber nicht immer bewerkstelligen – wenn also ein Kunde bei der Konkurrenz ein günstigeres Produkt bekommt, ziehe Fielmann nach, erklärt Filialleiter Heitjohann.

"Bei Brillengläsern ist es so, dass wir alleine mit den wichtigsten Herstellern auf der Welt zusammenarbeiten. Und dann gibt es natürlich viele Hersteller, die im asiatischen Bereich unterwegs sind. Die wir nicht unbedingt präferieren, aber das sind dann oftmals die Konkurrenzunternehmen, die dieses anbieten."

Dann werde man aber auch diese Produkte beziehen, um auch wieder den besten Preis weitergeben zu können, sagt Heitjohann. Die günstigeren Produkte aus Fernost böten zwar formal das gleiche Angebot – sie seien genauso entspiegelt, dünn oder kratzfest. Deutsche Markenprodukte hätten dann aber doch eine andere Qualität und das zeige sich natürlich auch beim Preis.

Quelle: MDR

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Juni 2021 | 06:22 Uhr

4 Kommentare

part vor 5 Wochen

Die Bundesrepublik ist nachgewiesen ein Land der Kartelle. So wird sich auch ein Gläserkartell finden, das die Preise abgestimmt hat für bestimmte Qualitätsstufen, die gerade bei Gleitsichtgläsern entscheidend sind für den Sehkomfort. Im höheren Preissegment verringert sich dann auch die Reklamationsrate. Wer preiswert möchte, bekommt auch preiswert, doch damit lässt sich nicht mehr um die Ecke schielen. Was die Brillenfassungen betrifft, so scheint es wie mit der Bekleidung aus Fernost, die Hersteller geben vor was in Europa Einheitsmode zu sein hat und die Optikerketten kaufen ein ohne nennenswerte Abgrenzung untereinander. Gebe es noch die Brille auf Rezept von der Krankenkasse, dann hätten diese ein Wörtchen mitzureden und die allzu freie Marktwirtschaft hätte sich differenzierter entwickelt in diesem Bereich.

Fakt vor 5 Wochen

@Critica:

Sie wissen aber schon, dass auch fast alle Modelabels in Fernost produzieren lassen? Da kann es durchaus passieren, dass ein Hersteller sowohl für namhafte Labels produziert und ebenfalls für den Discounter. Und wenn´s ganz hart kommt, ist der einzige Unterschied das Emblem des Labels auf dem Hemd - und damit der Preis.
Oder dass Mobiltelefone, Computer, Fernsehgeräte etc. pp. ebenfalls fast ausschließlich aus Fernost kommen, selbst wenn ein deutscher Markenname draufsteht? An etlichen deutschen Markennamen haben Hersteller aus Fernost oder auch der Türkei die Namensrechte erworben. Und auch noch existierende deutsche Hersteller lassen meist in Fernost produzieren.

Critica vor 5 Wochen

Connie, ich bin zwar kein Optiker, weiß aber um den Unterschied von in Deutschland produzierter Ware und Ware aus einem Niedriglohnland. Vielleicht merken Sie diesen Unterschied auch, wenn Sie sich Kleidung kaufen. Manches kommt schon löchrig hier an und hält keine zwei Wäschen aus.
Ebenso ist es bei den meisten technischen Produkten, die oft hier teuer verkauft werden, aber selten ihren Preis wert sind, z.B. Mobiltelefone, Computer, Haushaltsgeräte. Sind Sie kaputt, kann man sie nicht reparieren lassen, weil es keine Ersatzteile gibt bzw. diese erst "aus Chrina" importiert werden müssen.
Ich habe ein geerbtes Mixgerät, das in Suhl (Südthüringen) hergestellt wurde, und zwar in den 1960er Jahren. Es funktioniert noch immer und wird täglich genutzt.
Noch fragen?

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