Hörer machen Programm Trotz Corona-Impfung: Flickenteppich bei Besuchen in Pflegeheimen

Mehr als 95 Prozent der Bewohner von stationären Pflegeeinrichtungen sind bereits durchgeimpft worden. Doch bei den Besuchskonzepten scheint es noch immer erhebliche Unterschiede zu geben. Eine MDR AKTUELL Hörerin aus Dresden kann nicht verstehen, warum manche Pflegeeinrichtungen offen und andere zu sind. Sie fragt sich, ob das rechtens ist.

Zwei Frauen unterhalten sich durch eine Scheibe getrennt im Besucherraum eines Pflegeheims
In vielen Pflegeeinrichtungen scheint es trotz hoher Impfquote noch starke Restriktionen zu geben. Bildrechte: dpa

Es ist leider kein Einzelfall. Auch der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus hört öfter von noch sehr starken Einschränkungen und kann sie nicht nachvollziehen: "Es gelten nach wie vor die AHA + L Regeln, Vorsicht ist angebracht. Wir haben viel erreicht, aber es muss jetzt auch klar werden, dass es ein Ende der Isolation gibt und dass auch gerade das psychische Befinden der Menschen ganz vorne im Vordergrund stehen muss."

In Sachsen müssen die Einrichtungen deshalb grundsätzlich Besuche auf den Bewohnerzimmern ermöglichen und sicherstellen. Das schreibt das Sozialministerium in seinem Informationsblatt zur Umsetzung der Corona-Schutzverordnung. Doch nicht alle halten sich daran.

Starke Restriktionen trotz Impfung

Auf Anfrage von MDR AKTUELL antwortet das Sozialministerium schriftlich: "Die derzeit sehr angespannte Infektionslage und die berechtigte Furcht vor einem Eintrag von besorgniserregenden Sars-CoV-2-Varianten führt möglicherweise in einigen Heimen zu einer restriktiven Handhabung der Besuchsregelungen trotz hoher Durchimpfungsraten in den Heimen. Dies ist dem Sächsischen Sozialministerium und der Heimaufsicht aus einigen Beschwerden bekannt."

Denn trotz Impfungen hat es in letzter Zeit Fälle gegeben, in denen es zu Corona-Infektionen in Alters- oder Pflegeheimen kam. Die Einrichtungen fürchten rechtliche Konsequenzen, denn sie tragen am Ende die Verantwortung und müssen die Bewohner schützen. Frank Zwinscher kennt diesen Balance-Akt. Er ist einer der Geschäftsführer der Z&L Unternehmensgruppe aus Mittelsachsen, die Pflege im stationären und teilstationären Bereich anbietet und sagt: "Dieser Spagat ist für die Einrichtungen sehr sehr schwer." Die Regelungen im Land würden ständig immer wieder schnell wechseln und die Einrichtungen müssten sich neu darauf einstellen. Das sei ein sehr hoher personeller Aufwand, den die Einrichtungen dadurch hätten.

Schwere Situation für alle

Der Aufwand und die Unsicherheit seitens der Heime sind also groß. Doch deshalb stur zu mauern, dafür hat Frank Zwinscher kein Verständnis: "Für mich der einzige Zeitpunkt, wo kein Besuch im Zimmer stattfinden kann aktuell, wäre eine Corona-Infektion von dem jeweiligen Pflegebedürftigen." In allen anderen Fällen müsse man es als Haus so einrichten, dass die Bewohner ihre Angehörigen im Zimmer empfangen dürften, natürlich unter Einhaltung strenger Hygieneauflagen.

Das findet auch Klaudia Deuchert vom Arbeiter-Samariter-Bund Dresden und Kamenz: "Es gibt ja auch demente Bewohner, die verstehen das dann nicht, warum das nur noch so möglich ist. Also für uns ist das ganz wichtig: Das Wohl der Bewohner steht an erster Stelle und dazu gehört eben, dass sie Besuch bekommen können."

Das als Angehörige durchzusetzen, ist in der Praxis schwierig. Normalerweise können sie sich an die sächsische Heimaufsicht wenden, bei den Corona-Regeln ist jedoch das Gesundheitsamt zuständig. Finden beide mit der Pflege-Einrichtung keine Lösung, dann bleibt den Angehörigen nur der Gang vors Gericht.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 23. April 2021 | 08:22 Uhr

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