Hörer machen Programm Abkürzung der Corona-Quarantäne kaum möglich

Nach einem Corona-Fall in der Kita-Gruppe ihrer Tochter muss sich MDR-AKTUELL-Nutzerin Janine Jukel aus dem Landkreis Zwickau nun selbst um die Betreuung des unter Quarantäne stehenden Nachwuchses kümmern. Dadurch kann sie nicht arbeiten gehen. Sie möchte wissen: "Warum ist es nicht möglich, die Quarantäne meines Kindes mit einem negativen PCR-Test vorzeitig zu beenden, so dass sie wieder in die Kita gehen kann?"

An einer Gartenpforte hängt eine Schutzmaske
Weil sich in der Kita ein Kind mit Corona angesteckt hat, muss auch die Tochter von MDR-AKTUELL-Nutzerin Janine Jukel zuhause bleiben. Bildrechte: dpa

Das Thema Quarantäne kann kompliziert sein. Jedes Gesundheitsamt entscheidet individuell, ist aber weitestgehend an die Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gebunden. Die besagen, dass für Kontaktpersonen von Infizierten für den gesamten Inkubationszeitraum Quarantäne angeordnet wird. Die Inkubationszeit für eine Infektion oder Ansteckung mit dem Corona-Virus beträgt bis zu 14 Tage.

Negativer Test reicht nicht für Abkürzung der Quarantäne

In dem Fall unserer Nutzerin teilte der für die Kita zuständige Landkreis Zwickau auf eine Anfrage von MDR AKTUELL mit, dass ein negativer Test innerhalb der Inkubationszeit nicht für eine Entisolierung heranziehbar sei: "Dieser sagt nur aus, dass zum Zeitpunkt des Tests keine Infizierung festgestellt wurde. Er trifft aber keine Aussage dazu, dass innerhalb der Inkubationszeit nicht doch noch eine Infektion auftritt."

Das RKI teilte MDR AKTUELL mit, dass man konkrete Fälle bzw. Konstellationen generell nicht kommentiere. Die Entscheidung zu Isolation und Quarantäne sei Sache des Gesundheitsamtes. Weiter heißt es in der Antwort des RKI: "Kontaktpersonen der Kategorie 1 müssen sich unverzüglich für 14 Tage häuslich absondern, gerechnet ab dem letzten Tag des Kontaktes zum Quellfall. Aufgrund der beobachteten Zunahme der besorgniserregenden SARS-CoV-2-Varianten entfällt aufgrund derzeit fehlender Daten, mindestens so lange bis mehr Erfahrungen vorliegen, die Möglichkeit einer Verkürzung der häuslichen Absonderung durch einen negativen SARS-CoV-2-Test."

Betreuung muss durch Eltern erfolgen

Kontaktperson der Kategorie 1 ist in dem Fall das Kind der Nutzerin. Die Quarantäne gilt in dem Fall nur für das Kind. Rein sachlich kann unsere Hörerin arbeiten gehen, da die Quarantäne nicht für Haushaltsmitglieder gilt.

Eine Betreuung des Kindes aber dürfte in diesen Fall keine haushaltsfremde Person durchführen, sondern nur Haushaltsmitglieder. Da diese Möglichkeit für unsere Hörerin offenbar nicht besteht, muss sie die Betreuung selbst übernehmen und kann demzufolge nicht arbeiten.

Wenn jemand nicht infiziert ist, ist die Quarantäne-Anordnung nicht mehr rechtmäßig.

Susanne Pohle Rechtsanwältin

Susanne Pohle, Fachanwältin für Verwaltungsrecht in Leipzig sieht in solchen Fällen dennoch rechtlichen Spielraum. In ihrer Kanzlei haben Fälle, in denen es um Corona-Themen geht, zugenommen: "Die Problemstellung haben wir immer öfter. Unserer Auffassung nach ist es so, dass man sich natürlich freitesten kann. Wenn der Anschein der Infiziertheit durch einen negativen Test widerlegt wird, spricht nach meiner Auffassung gar nichts dagegen, dass zum einen das Kind einen Anspruch darauf hat, wieder in die Betreuung zu gehen, und die Mutter wieder ein Recht hat, arbeiten zu können."

Wenn sich das jeweilige Gesundheitsamt dagegenstellt, dann könne man überlegen, ein Eilverfahren einzuleiten, erklärt die Rechtsanwältin. Doch dann könne es sein, dass zum Zeitpunkt der gerichtlichen Entscheidung die Quarantäne schon vorbei sei.

Eine andere Regelung gilt hingegen für die Verkürzung der Quarantäne für Rückkehrer aus Risikogebieten durch einen negativen Test. Hier sind die entsprechenden Regelungen auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums nachlesbar. Dort heißt es tatsächlich, dass die Isolierung eher beendet werden könne ab dem fünften Tag nach der Einreise.

Allerdings sei zu beachten, dass nach Aufenthalt in Virusvarianten-Gebieten eine vorzeitige Beendigung der Quarantänedauer nach den landesrechtlichen Regelungen gegebenenfalls ausgeschlossen ist. Das bedeutet, jedes Bundesland regelt das selbst.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. März 2021 | 06:20 Uhr

6 Kommentare

Sonnenseite vor 11 Wochen

"Ach ja - was ist eigentlich aus den Musterklagen der Quarkdenker beim Municipal Court of Quebec City geworden? "

Darum geht es hier nicht, warum gibt der MDR das frei frage ich mich! 🤔



DER Beobachter vor 11 Wochen

Der neueste Schrei ist ja die Mustersammelklage beim Internationalen Strafgerichtshof. Wobei die gerade um die realen Kriegsverbrechen im Kongo und in Palästina verhandeln. Ach ja - was ist eigentlich aus den Musterklagen der Quarkdenker beim Municipal Court of Quebec City geworden? Sind die je eingegangen?

DER Beobachter vor 11 Wochen

Das geschieht für Auslandsrückkehrer durch Abwägung von Auswärtigem Amt, Bundesinnen- und Bundesgesundheitsministerium auf der Basis von dort vorliegenden Zahlen bzw. Öffnungsstrategien, für Bundesländerüberschreitungen auf der Basis in erster Linie der Entscheidung der Innen- und Gesundheitsministerien des Herkunftsbundeslandes. Die Gesundheitsämter entscheiden in erster Linie auf Basis konkreter wahrscheinlicher Kontaktketten (infizierte Kollegen und nächste Angehörige). Und ja, die Aussicht auf Erfolg ist sehr gering aus naheliegendem Grund. Wer entblödet sich schon vor einem Gericht eingestehen zu müssen, dass man Scheiße baut und warnungen/Verbote vorsätzlich ignoriert. Na gut, bei den Quarkdenkern gibts ja schon nichts, was es nicht mehr gibt.

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