Hörer machen Programm Warum hört man immer nur von Falschfahrern?

Insgesamt 1.700 Mal ist 2020 im Verkehrsfunk vor einem Falschfahrer gewarnt worden. So viele Meldungen hat zumindest der ADAC registriert. Ein MDR AKTUELL-Hörer fragt sich nun, warum immer nur vor Falschfahrern gewarnt wird. Gebe es denn keine Falschfahrerinnen?

Auf einem Rastplatz an einer Autobahn in der Nähe von Passau steht ein Schild, das davor warnt, in die falsche Richtung auf die Autobahn aufzufahren.
Warnschild an einem Autobahnrastplatz Bildrechte: dpa

Sicher müsste es besser heißen: "Auf der A9 ist ein falsch fahrendes Auto unterwegs". Denn natürlich gibt es auch Falschfahrerinnen. Die machten aber nur einen kleineren Teil aus, weiß Verkehrsexperte Oliver Reidegeld vom ADAC. Nach seinen Worten ist es tatsächlich so, dass bei den untersuchten Fällen mehr Männer erfasst worden seien. Daraus lasse sich aber jetzt nicht im Umkehrschluss ableiten, dass das wirklich überproportional viele Männer seien. Man müsse dabei auch sehen, dass die meisten Falschfahrten gut ausgingen. Das bedeute, der Falschfahrer verlasse rechtzeitig die Autobahn. So ein Fall werde gar nicht erfasst, erklärt Reidegeld.

Statistik belegt mehr männliche Falschfahrer

Dennoch zeigt sich auch beim Blick auf die Unfallzahlen durch Falschfahrten eine klare Tendenz. Allein in Sachsen-Anhalt gab es der Polizei zufolge vergangenes Jahr 13 Unfälle, die durch Geisterfahrer verursacht wurden. Ganze elf Mal saßen dabei Männer am Steuer. Reidegeld hat dafür eine weitere mögliche Erklärung, die in der Statistik liegt:

Es ist so, dass tatsächlich mehr Männer Auto fahren als Frauen, wenn man die reine Jahresfahrleistung nimmt.

Oliver Reidegeld ADAC

So komme es dann natürlich auch zu dieser statistischen Häufung.

Tatstraftrecht statt Täterstrafrecht

Ein Lkw fährt am auf einer Autobahn an vereisten Rosen vorbei.
Unfallstelle an einer Autobahn Bildrechte: dpa

Das Strafgesetzbuch geht dennoch einen anderen Weg. In Paragraf 315c zur Gefährdung des Straßenverkehrs heißt es: Bestraft wird, "wer auf Autobahnen oder Kraftfahrtstraßen wendet, rückwärts oder entgegen der Fahrtrichtung fährt oder dies versucht …".

Auf das Geschlecht werde dabei ganz bewusst kein Bezug genommen, erklärt Strafrechtler Dr. Christian Walburg von der Uni Leipzig. Es gebe ein sogenanntes Tatstrafrecht und kein Täterstrafrecht:

Es werden nicht bestimmte Personen beschrieben, die gegen Strafnormen verstoßen, sondern es werden bestimmte Handlungen beschrieben, die als strafbar gefasst sind.

Oliver Walburg Uni Leipzig

Dementsprechend sei zum Beispiel beim Diebstahl beschrieben: "Wer eine fremde, bewegliche Sache stiehlt, wird bestraft." Einzelne Ausnahmen gebe es aber – etwa beim Mordparagrafen. Walburg verweist darauf, dass in diesem steht: "Mörder ist, wer…" - nicht Mörderin, sondern Mörder. Das heiße, da gebe es tatsächlich noch so ein Beispiel, wo das generische Maskulinum verwendet werde. Aber auch hier diskutiere die Strafrechtswissenschaft inzwischen, ob das noch angemessen sei, sagt Walburg.

Verkehrsfunk bleibt beim "Falschfahrer"

Lichtspuren vom abendlichen Verkehr auf der Autobahn
Lichtspuren auf der Autobahn 13 Bildrechte: dpa

Das MDR Verkehrszentrum allerdings bleibt in seinen Warnmeldungen zu Falschfahrern – zumindest noch – bei der männlichen Variante. Redakteur Fabian Magerhans erklärt dazu: "Bei Falschfahrern oder Steinewerfern handelt es sich erstmal um eine Warnmeldung. Im Fokus liegt dann meistens erstmal die Dringlichkeit."

Magerhans spricht von einem "technischen Baustein". Dieser übertrage die Formulierung "in Windeseile" an die Navis. Sobald es mehr Infos gebe, werde die Meldung modifiziert: "Wir sagen dann zum Beispiel, es ist eine ältere Dame mit Rollator auf der Fahrbahn."

Im Gesamtprogramm von MDR AKTUELL bemühe man sich um eine diskriminierungsfreie und geschlechterneutrale Sprache, sagt Chefredakteurin Jana Hahn. Oberstes Gebot blieben aber Verständlichkeit und Mündlichkeit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. April 2021 | 06:25 Uhr

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