Jagen in Coronazeiten Wie sieht das Hygienekonzept bei Gesellschaftsjagden aus?

In ganz Deutschland gelten strenge Corona-Schutzmaßnahmen. Doch im Winter und Herbst finden üblicherweise Gemeinschaftsjagden statt. MDR AKTUELL-Nutzer Lovis Kauertz will wissen, ob diese Jagden trotz der Cornoa-Regeln stattfinden dürfen und ob es dafür geeignete Hygienekonzepte gibt.

Forstbezirksleiter Wolfram Gläser läuft mit einem Gewehr auf dem Rücken durch den Wald bei einer Gesellschaftsjagd während der Corona-Pandemie
Forstbezirksleiter Wolfram Gläser bei einer Drückjagd. Bildrechte: MDR/Mark Michel

"Liebe Jäger, herzlich willkommen zu unserer Jagd im Tharandter Wald im Revier Hetzdorf." Mit diesen Worten richtet sich Wolfram Gläser, Leiter des Forstbezirks Bärenfels, an seine Gäste. Es ist Mitte Dezember an einem Samstagmorgen um halb acht. Am historischen Forstamt in Spechtshausen empfängt Wolfram Gläser drei Jäger zur gemeinschaftlichen Drückjagd: "Und wir wollen koordiniert eine Jagd durchführen, hauptsächlich auf Schwarzwild, aber auch auf Rehwild, vielleicht kommt auch Damwild vor."

Normalerweise würden sich heute um die 100 bis 150 Jagdteilnehmer treffen. Doch in Zeiten von Corona treffen sich die Jäger dezentral in kleinen Schützengruppen. Bis Anfang November war nicht klar, ob so eine Drückjagd überhaupt stattfinden darf. Dann stufte das Sozialministerium Sachsen die Gemeinschaftsjagd als "systemrelevant" ein. Dazu wünscht Wolfram Gläser allen erschienenen Schützengruppen eine erfolgreiche Jagd: "Ein kräftiges Weidmannsheil!"

Weniger Jäger, kleinere Jagdfläche

Wolfram Gläser ist am Hochsitz angekommen. Er hängt seinen dunkelgrünen Jägerrucksack an seinem sogenannten Drückjagdbock auf, lädt sein Jagdgewehr und gießt sich erst mal einen heißen Tee ein. Um die 3 Grad misst das Thermometer. Ringsum hört man entfernt Hundegebell. Die Hundeführer und Jagdhelfer streifen durch den Wald, um das Wild, wie es die Jäger sagen, "aufzumüden", also es aufzutreiben.

Forstbezirksleiter Wolfram Gläser zielt mit einem Gewehr auf ein Tier bei einer Gesellschaftsjagd während der Corona-Pandemie
Forstbezirksleiter Wolfram Gläser lädt sein Gewehr auf seinem Hochsitz. Bildrechte: MDR/Mark Michel

Um ihn herum seien in einem Umkreis von einem Kilometer etwa fünf bis zehn Jäger verteilt, sagt Gläser: "Diese Phase ist relativ gleich geblieben im Vergleich zu Jagden ohne Corona-Einfluss. Außer dass wir die Anzahl der Jäger und die Jagdfläche kleiner gemacht haben."

Jagen für junge Bäumen und gegen Schweinepest

Die Schwarzwildbestände haben in Sachsen aufgrund der milden Winter stark zugenommen und mit ihnen der Verbiss an neu angepflanzten Baumkulturen. Allein im Forstbezirk Bärenfels wurden im letzten Jahr eine Million kleine Fichten, Buchen und Eichen angepflanzt. Notwendig sei die Jagd nicht nur wegen der vielen Wildschweine, sondern auch wegen der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest, erzählt Klaus Polaczek vom Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft Sachsenforst.

Es gehe Polaczek darum, die Infektionsketten etwas breiter zu halten: "Dem Schwarzwild werden Sie kein Hygienekonzept beibringen. Da geht es nur darum, dass Sie versuchen, die Dichte nicht noch weiter ansteigen zu lassen und diese Abstände zwischen den Tieren möglichst groß zu halten. Insofern ist die Jagd jetzt schon sehr wichtig. Und das ist einfach ein Abwägungsprozess."

Halali erst wieder nach der Pandemie

Bei Wolfram Gläser im Jagdrevier knackt und raschelt es im Gebüsch. Eine Rotte Wildschweine bahnt sich ihren Weg durch das Unterholz. Wolfram Gläser legt an und zielt. Er trifft eine junge Bache, um die 35 Kilogramm schwer. Dann überprüft er, ob der Schuss tödlich war. Später wird er das Tier aufbrechen und zur Wildannahmestelle nach Spechtshausen bringen.

Zu der Kühlzelle in Spechtshausen kämen aber nur die Jäger, die Wild geschossen hätten, sagt Gläser: "Dass das Wild nach jagdlichem Brauch mit Hörnerklang geehrt wird, dass die Schützen beglückwünscht werden vom Jagdleiter, das ist alles nicht mehr."

Ein traditionelles Halali mit geselligem Umtrunk und dem Austausch von Jägerlatein wird wohl erst nach Corona wieder möglich sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Dezember 2020 | 07:24 Uhr

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