Wildcamping Gaskocher im Wald nicht erlaubt

Die Sommerferien in Deutschland zu verbringen ist angesichts der aktuellen Krise besonders beliebt. Zum Beispiel in den deutschen Mittelgebirgen. Dorthin zieht es vor allem Wanderer. Und wer wandert, hat Hunger. Deshalb fragt Andreas Kästner aus Bernstadt auf dem Eigen, ob sich Wanderer in Mitteldeutschland ihre Suppe auf dem Gaskocher erhitzen dürfen – wegen der Waldbrandgefahr.

Campingkocher im Wald (Detailaufnahme)
An ausgewiesenen Plätzen darf in Naturparks gekocht und übernachtet werden. Bildrechte: Jens Falkowski

Ein Wandertag im Zittauer Gebirge macht Hunger. So geht es auch vielen Touristen. Einige haben dann auch ihren kleinen Campingkocher dabei. Doch diesen mitten im Wald zu benutzen, gehe nicht, sagt Angela Bültemeier von der Forstverwaltung in Zittau. "Wenn Sie sich im Wald bewegen, müssen Sie immer im Hinterkopf wissen, was sagt das Waldgesetz. Dort steht drin, Feuermachen – und damit sind auch die Gaskocher oder Ähnliches inbegriffen – ist im Wald einfach nicht statthaft."

Waldbrände verhindern

Das Verbot gilt für sämtliche Wälder in Sachsen – egal, ob privat oder staatlich. Robert Schimke vom sächsischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt warnt vor den drastischen Folgen. Denn warum das so sei, sei eigentlich einleuchtend: "Alle haben noch die Bilder im Kopf – die Waldbrände in unserem Nachbarland Brandenburg." Angesichts der großen Trockenheit müsse man verhindern, dass Brände entstehen. Deswegen seien Kocher im Wald nicht erlaubt, aber selbstverständlich könne man außerhalb des Waldes – wenn man weiter weg sei als 100 Meter – seinen Gaskocher benutzen, erklärt Schimke.

Kochen und Übernachten an ausgewiesenen Plätzen

Eine ähnliche Regelung wie in Sachsen gilt auch in Thüringen. In Sachsen-Anhalt reichen bereits 30 Meter Abstand vom Wald, abhängig von der jeweiligen Waldbrandwarnstufe. Für alle drei Länder gilt: Auf ausgewiesenen Plätzen ist es dennoch möglich, wie im Zittauer Gebirge.

Sylvia Gulich vom Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge rät Wanderern, sich vorher zu informieren: "Es sollte im Wald kein Feuer gemacht werden. Dafür gibt es im Zittauer Gebirge bestimmte Stellen, wo es möglich ist: Grillplätze." Wo es welche gebe, könne in den Touristeninformationen der Orte erfragt werden.

Für Touristen böten die sächsischen Naturparks auch noch mehr Attraktionen, sagt Robert Schimke. So könnten Wanderer wie in der sächsischen Schweiz sogar im Freien übernachten. Sonst gelte dies als wildes Camping: "Sie können boofen." In der sächsischen Schweiz gebe es 58 gekennzeichnete Stellen, wo man übernachten könne. "Natürlich können Sie auch die Trekkinghütten des Staatsbetriebs Sachsenforst entlang des Forststeigs Elbsandstein aufsuchen." Also gebe es zahlreiche Möglichkeiten, im Schutzgebiet zu übernachten, sagt Schimke. 

Ohne Einsicht drohen Bußgelder

Urlaub in Deutschland erfreut sich gerade in diesem Jahr großer Beliebtheit. Das ist auch im Zittauer Gebirge zu spüren. Doch damit steigt auch die Zahl von Wildcampern, die sich nicht an die Regeln halten. Angela Bültemeier von der Forstverwaltung setzt hier auf Einsicht: Wenn die Forstverwaltung Gäste antreffe, die sich nicht an Regeln hielten, dann setze man darauf, erst einmal im Gespräch aufzuklären. Man wolle die Gäste auch nicht verschrecken, sondern man wolle einvernehmlich erklären, was geht und was nicht, sagt Bültemeier.

Auch wenn die Forst- und Naturparkverwaltungen auf Verständnis setzen, drohen überall in Mitteldeutschland Bußgelder für wildes Camping. Diese können von 15 Euro bis zu einigen Hundert Euro reichen. Ein Notbiwak für eine Nacht ist, mit Ausnahme von Schutzgebieten, aber fast überall erlaubt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2020 | 05:00 Uhr

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