Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Auf dem Ärztetag in Bremen wurde eine weitreichende Entscheidung gegen die Stellung der Homöopathie in der Medizin getroffen. Bildrechte: dpa

WeiterbildungsordnungZusatzbezeichnung Homöopathie für Ärzte gestrichen

von Alicia Müller, MDR AKTUELL

Stand: 27. Mai 2022, 13:37 Uhr

Der Ärztetag hat die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der Weiterbildungsordnung für Ärzte gestrichen. Die Mehrheit der Ärztekammern stimmte dafür. Gegner der Homöopathie sehen in diesem Schritt einen großen Erfolg für die Medizin und Wissenschaft.

Die Zusatzbezeichnung Homöopathie für Ärzte fällt weg. Der 126. Deutschen Ärztetag hat mit deutlicher Mehrheit beschlossen, die Bezeichnung aus der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) zu streichen.

Begründet wurde Antrag damit, dass es keine wissenschaftlichen Studien gibt, die den evidenzbasierten Einsatz von homöopathischen Mitteln belegen können. Somit fehlten auch die Grundsätze, nach denen der Wissenserwerb in der Weiterbildung überprüft werden könnte, heißt es in einer Veröffentlichung des Ärzteblatts. Auf diese Punkte verwiesen in der Diskussion mehrere Ärztetagsdelegierte, unter anderem Klaus Thierse von der Ärztekammer Berlin.

Homöopathische Versorgung weiterhin erlaubt

Die Delegierten wiesen jedoch darauf hin, dass homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte diese Art der Versorgung weiterhin ausüben dürfen. Der Chef der Ärztekammer Bremen, Johannes Grundmann, wies in der Debatte noch einmal darauf hin, dass es nicht darum gehe, Menschen zu verbieten, homöopathische Mittel einzusetzen. Aber es sei Aufgabe der Ärztekammern, definierte und überprüfbare Lernziele festzulegen und abzuprüfen, erklärte Grundmann.

Dem Antrag zufolge haben sich derzeit bereits 13 von 17 Landesärztekammern entschieden, die Zusatzbezeichnung nicht mehr in das Landesrecht zu übernehmen. Die letztendliche Entscheidung müssen die Kammern vor Ort treffen.

Bremens Ärztekammer hat 2020 als erste Kammer die Homöopathie aus ihrer Weiterbildungsordnung gestrichen, Bayern zog im Oktober 2021 nach. Erst im März diesen Jahres kündigte die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB) drei bestehende Selektivverträge, die eine Vergütung von diversen homöopathischen Leistungen zum Gegenstand haben.

DZVhÄ hält an homöopathischer Ausbildung fest

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) äußerte sich in einer Pressemitteilung erstaunt über den Streichungsantrag. Das Argument der fehlenden Wissenschaftlichkeit der Homöopathie wolle man nicht so stehen lassen, es "liegen genügend qualitativ hochwertige Studien unterschiedlichen Designs vor, die hinreichend einen Nutzen der Homöopathie belegen", sagt Michaela Geiger, erste Vorsitzende des DZVhÄ.

Entgegen der Bedeutung des Antrags sei es nun für den Berufsverband noch wichtiger, die "qualitativ hochwertige ärztliche Aus- und Fortbildung der Homöopathie weiterzuentwickeln", erklärt Geiger. Homöopathie habe in der Bevölkerung hohe Akzeptanz und finde eine breite Anwendung.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach befürwortet Entscheidung

Anders äußerte sich hingegen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach über den Beschluss des Ärztetags. Er reagierte auf den Tweet der Ärztin Natalie Grams-Nobmann, die sich in der Vergangenheit bereits immer wieder für die Differenzierung homöopathischer Behandlung und Naturheilkunde ausgesprochen hat. Lauterbach begrüße den Schritt ausdrücklich und schreibt weiter auf Twitter: "Gute Medizin steht auf dem Boden der Wissenschaft. Für Homöopathie gibt es dort keinen Platz." In einer solchen Frage müsse man Farbe bekennen, sagt der SPD-Politiker.

Dem schloss sich Medizinerin und Grünen-Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta an. Es sei gut, wenn in Zeiten von falschen Fakten und Verschwörungstheorien Klarheit geschaffen werde, "wo Klarheit notwendig ist".

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 27. Mai 2022 | 12:00 Uhr