Haustiere Ärger über Hundehaufen in Leipzig

Leipzig ist auf dem Weg zur mitteldeutschen Hundehauptstadt: Um die sieben Prozent wächst die Zahl der Hunde jedes Jahr. Es wird eng im Zusammenleben zwischen Zwei- und Vierbeinern. Hundehalter scheinen es nicht mehr so ernst zu nehmen mit dem Wegräumen der Hundehaufen – und das Ordnungsamt mit der Kontrolle. Dies ist auch der Eindruck von MDR-AKTUELL-Nutzerin Sabrina Riedel, selbst Hundebesitzerin, die klagt: So viel Hundedreck habe es in Leipzig noch nie gegeben und keiner mache etwas dagegen.

Ein Hund verichtet sein Geschäft auf einer Wiese
So manchen Leipzigern geht der Hundekot auf den Straßen und Wiesen ihrer Stadt auf die Nerven. Bildrechte: Colourbox.de

22.497 Hunde lebten Ende 2020 in Leipzig oder zumindest waren sie bei Leipzigs Stadtkämmerer als hundesteuerpflichtig gemeldet. Kenner der Hundeszene gehen von einer Dunkelziffer aus, die deutlich darüber liegt – eine Vermutung, die jeder bestätigt, der sich in den Parks der Stadt umsieht: Hunde, so weit das Auge reicht.

Beschwerden über Hunde häufen sich

Nicht alle sind glücklich darüber: freilaufende Hunde, Hundelärm, Hundehaufen – Leipzig komme auf den Hund, klagen immer mehr. Das wird auch im Rathaus wahrgenommen. Hunde seien das Dauer-Beschwerde-Thema, räumt Stadtsprecher Mathias Hasberg ein: "Wir haben mehr Menschen in der Stadt und das bringt auch mit sich, dass es mehr Hunde sind und mehr Hunde machen mehr Dreck. Grundsätzlich ist es die Verantwortung des Hundehalters, den Dreck auch wegzumachen. Viele tun das, viele tun es leider nicht."

Wo dann an sich die Verantwortung der Stadt beziehungsweise ihres Ordnungsamtes ins Spiel käme, aber, so Hasberg: "Wir haben nach wie vor eine Pandemielage. Die Kollegen vom Ordnungsamt sind stark eingebunden, die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen und zu überwachen. Trotzdem wird natürlich noch auf das Problem Hunde geachtet, aber nicht mehr mit der Intensität wie vor ein, zwei Jahren."

Stadt Leipzig arbeitet an Hundewiesen

Doch die Zahl der Hunde in Leipzig hat mittlerweile eine kritische Größe erreicht, es wird enger im alltäglichen Miteinander von Mensch und Hund, das Konfliktpotenzial wächst. Auch im Rathaus scheint man das nun zu begreifen. Man arbeite an Konzeptionen, teste umzäunte Hundewiesen. Das große Ziel: "Da wo ein Hund ist, da wo ein Fahrradfahrer ist, da wo ein Fußgänger ist, sollte es so sein, dass sie sich nicht in die Quere kommen."

Für die Linke in Leipzigs Stadtrat ist Oliver Gebhardt zuständig für Hunde-Angelegenheiten. Zum Interview erscheint der junge Familienvater mit zwei Möpsen. Klar, sagt er, Zukunftskonzepte seien wichtig, andererseits: "Niemand tritt gern in Hundekot rein – weder Hund noch Hundebesitzer noch Nicht-Hundebesitzer. Und da sind erstmal Hundebesitzer aufgefordert, den Hundekot wegzuräumen. Aber wenn man sieht, dass das liegen gelassen wird, dann bitte ansprechen und sagen: Das funktioniert so nicht, bitte mach deinen Hundekot weg. Das wäre Schritt eins, der ist sofort umsetzbar, Schritt zwei der Ausbau unserer Papierkörbe in der Stadt, damit es auch entsorgbar ist." Und als Schritt drei kommt dann, nach Corona, wieder das wachsame Auge des Ordnungsamts.

Hohe Nachfrage bei Tierheimen und Züchtern

Doch woher kommt er eigentlich, dieser unübersehbare Trend zum Hund? Wir fragen nach im Tierheim des Tierschutzvereins Leipzig. So wenig Hunde habe man hier noch nie gehabt, sagt Tierheimleiter Michael Sperlich, die Nachfrage ungebrochen.

Corona mit Lockdown und Homeoffice habe das noch beflügelt, doch den Trend zum Hund, den gäbe es schon länger: "Wenn das mit dem menschlichen Partner nicht funktioniert, kommt zunehmend das Tier ins Spiel, das ist ein Grund. Wir haben als Zweites das wiederbelebte Bild der idealen Familie, wo also der Hund und das Kind dazugehört, wir haben den Trend des Helfen- und Retten-Wollens, was insbesondere den ganzen Bereich des Auslandstierschutzes betrifft." Hunde aus Tierheimen – in Osteuropa zumeist – sehen Tierschützer wie Sperlich nicht ganz unproblematisch, liefe da doch vieles unkontrolliert und in den Grauzonen von Recht und Gesetz.

Auch Züchter könnten sich vor Nachfragen kaum noch retten, sagt Heike Longino-Ziecke, Zweite Vorsitzende des Verbandes für das Deutsche Hundewesen VDH in Sachsen. "Es macht sich auch so bemerkbar, dass es viele gibt, die sagen, ich zahle das doppelte, wenn ich den kriege. Und so jemand würde bei mir schon mal keinen Hund kriegen, weil er jetzt einen Hund haben will, aber will er den auch noch in 15 Jahren oder in zehn Jahren?" Also ein ganzes Hundeleben lang, Tag für Tag, bei jedem Wetter, in guten wie in schlechten Zeiten.

Darüber sollte jeder nachdenken, ehe er oder sie sich entschließt, dem Trend zu folgen und zum Hund zu greifen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. März 2021 | 08:21 Uhr

20 Kommentare

Matthi vor 29 Wochen

Es gibt genug Hundebesitzer die wissen was sich gehört und ihre Hundehaufen wegmachen. Das Argument wir zahlen doch Hundesteuer deswegen können wir die Hinterlassenschaften liegen lassen finde ich unmöglich. Wir Zahlen auch steuern dürfen wir deshalb auf den Bürgersteig machen, wie würden dann unsere Städte aussehen. Wenn die Städte wirklich das Problem beseitigen wollen wäre das Technologisch möglich. Erstmal jeder Hund muss gechipt werden mit den gespeicherten Hundedaten Steuernummer und DNA. Wenn jetzt Hundehaufen auf der Straße liegen reicht eine Probe um festzustellen wer das Bußgeld bekommt.

AlexLeipzig vor 29 Wochen

Klaus Egon, Sie haben völlig Recht. Und die Grünflächen für die Kids wenden auch noch von Hunden bevölkert, und man muß Angst um seine Kinder haben (meist um ihre Kleidung wg. dem Hundedreck, aber manchmal auch wegen der Hunde!!). Zitat Herr Gebhardt: "dann bitte ansprechen und sagen: Das funktioniert so nicht, bitte mach deinen Hundekot weg" - naja, meine Erfahrung sieht so aus: wenn man was sagt, wird man noch "blöd angemacht" - das ging mir sogar schon mit einer renitenten Rentnerin so, die ihren Schäferhund im Park (NICHT Hundewiese!) nicht anleinen wollte und mich nach meinem Verweis auf die Kinder wüst beschimpfte! Hier wünscht man sich wirklich viel mehr Unterstützung durch Ordnungskräfte der Stadt!

Hanna vor 29 Wochen

Bei 96€ für den 1. Hund und das doppelte für einen Zweithund kommt bei über 20000 Hunden schon eine ganze Menge an Steuergeldern zusammen. Da brauchst keine öffentliche Hand.

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