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Auf einer Covid-Station im Universitätsklinikum Leipzig versorgen Ärzte, Schwestern und Pfleger einen Patienten. Bildrechte: dpa

Corona-PandemieStimmt es, dass die Zahl der Intensivbetten reduziert wurde?

von André Seifert, MDR AKTUELL

Stand: 06. Dezember 2021, 14:34 Uhr

In der vierten Corona-Welle schlagen Mediziner in Deutschland besonders laut Alarm. Die Krankenhäuser seien überlastet, fast alle Intensivbetten mittlerweile belegt und die Kapazitäten äußerst knapp. "MDR AKTUELL"-Hörer Michael Tempel aus Halle gibt sich damit nicht zufrieden und fragt: Steckt hier eventuell eine Absicht dahinter? Wir sind der Sache nachgegangen.

Gibt es eine gezielte Bettenreduzierung in deutschen Krankenhäusern? Will jemand damit laut Alarm schlagen, um die Impfpflicht einführen zu können?

Nein, sagt Florian Lanz vom Spitzenverband der Krankenkassen. Er nimmt vor allem das Personal auf den Intensivstationen in Schutz. "Das halte ich für Unsinn. Ich bin davon überzeugt, dass die Medizinerinnen und Mediziner zusammen mit den Pflegerinnen und Pflegern alles leisten, um an Covid-19 Erkrankte so umfassend wie möglich zu behandeln."

DIVI-Richtlinien & Co. – Gründe für den Bettenrückgang

Es lohnt dennoch ein Blick auf die Zahlen der Intensivbetten, die zurzeit täglich aus Krankenhäusern gemeldet werden. Denn daran hat es immer wieder Kritik gegeben. Und zwar wegen der sogenannten Ausgleichszahlungen, die der Bund den Kliniken für freigehaltene Intensivbetten zahlt. Der Bundesrechnungshof schrieb im Juni in einem Bericht: "Das derzeitige System der Ausgleichszahlungen hat unerwünschte Mitnahmeeffekte eröffnet." 

Kliniken bekommen Geld, wenn die Intensivbetten knapp zu werden drohen. Ein Haus, das weniger Betten meldet, komme dadurch schneller in den Genuss von Zuschüssen, so der Vorwurf. Bewiesen wurde er nie. Dennoch zeigt die Statistik, dass die Zahl der Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern seit Pandemiebeginn stark gesunken ist. Dafür gibt es aber eine Menge Gründe. Doch der Reihe nach. 

Statistisch erfasst werden die Bettenzahlen von der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, kurz DIVI. Die DIVI-Zahlen wurden seit Pandemiebeginn mehrfach bereinigt. Zum Beispiel wurden anfangs "Notfallbetten" mitgezählt, also Betten, die irgendwo im Krankenhaus stehen und theoretisch verfügbar wären. Nun fallen diese Notfallbetten in eine extra Kategorie. Die Folge: Die Zahl der verfügbaren Intensivbetten sank. 

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Personalknappheit reduziert Bettenzahl ebenfalls

Hinzu kommt, dass inzwischen nur noch wirklich betreibbare Intensivbetten in der Statistik auftauchen, also Betten, zu denen es Räume, Geräte und Personal gibt. Auch das war anfangs nicht immer so. Wird eine Pflegerin krank, verschwindet womöglich auch ein Intensivbett aus der Statistik.

Noch ein Punkt ist wichtig: Covid-19-Patienten erforderten mehr Personal, erklärt Joachim Odenbach, Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft: "Diese Patientinnen und Patienten sind extrem pflegeaufwändig. Viel pflegeaufwändiger als andere Intensivpatienten, die nicht ständig in der Bauchlage liegen und damit auch einer anderen Pflege bedürfen als ein beatmeter Covid-19-Patient. Das ist eine andere Belastung für die Intensivstation."

Covid ist personalintensiver als andere Erkrankungen

Ein Krankenhaus mit vielen Covid-19-Patienten ist also gezwungen, Pfleger und Ärztinnen von anderen Intensivbetten abzuziehen. Diese Betten gelten dann als nicht mehr betreibbar. Die Folge: Steigt die Zahl der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern, sinkt die Zahl der betreibbaren Intensivbetten. Dieser Effekt ist zurzeit gut zu beobachten. 

Fazit: Wegen all dieser Faktoren ist die Zahl der Intensivbetten in den vergangenen Monaten insgesamt gesunken. Und sie kann täglich schwanken. Nicht belegen lässt sich dagegen die Behauptung, die Bettenzahl würde absichtlich gering gehalten. 

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 06. Dezember 2021 | 07:21 Uhr