Ausbildung von Geistlichen Erstes staatlich gefördertes Islamkolleg in Deutschland eröffnet

Am Islamkolleg Deutschland werden künftig in deutscher Sprache Imame und weiteres Seelsorgepersonal für den Dienst in Moscheegemeinden aus- und weitergebildet. Bei der Eröffnung betonten alle Redner die Bedeutung des Islamkollegs für die Anerkennung des Islam in Deutschland. Welche Rolle die am Islamkolleg ausgebildeten Imame spielen werden, ist allerdings unklar.

Ein Mann geht an einem Schild mit der Aufschrift «IslamKolleg» vorbei.
Am ersten staatlich geförderten Islamkolleg in Deutschland werden künftig unter anderem Imame in deutscher Sprache ausgebildet. Bildrechte: dpa

In Osnabrück ist das erste vom Staat geförderte Institut zur Ausbildung islamischer Geistlicher eröffnet worden. Hier werden künftig in deutscher Sprache Imame und weiteres Seelsorgepersonal für den Dienst in Moscheegemeinden aus- und weitergebildet.

Direktor spricht von Wende in Ausbildung von Imamen

Beim Festakt betonten alle Redner die Bedeutung der Ausbildungsstätte für Imame für die Anerkennung des Islam in Deutschland. Der wissenschaftliche Direktor des Islamkollegs Deutschland, Bülent Ucar, sagte, Wunsch sei, dass dieser Tag eine Wende in der Ausbildung von religiösem Betreuungspersonal in Deutschland herbeiführe.

Der für die Islamkonferenz zuständige Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Markus Kerber, sagte, das Ausbildungsprogramm des Islamkollegs sei selbstbewusst deutsch und islamisch im Sinne eines Islams, der in der Gesellschaft verwurzelt sei, die Werte des Grundgesetzes teile und die Lebensarten im Land achte.

Förderung durch Bund und Land Niedersachsen

Das Islamkolleg ist die erste verbandsübergreifende Einrichtung ihrer Art in der Bundesrepublik. Es wurde von muslimischen Gemeindeverbänden, Theologen, Wissenschaftlern und muslimischen Personen des öffentlichen Lebens Ende 2019 gegründet. Das Islamkolleg wird nach eigenen Angaben vom Bund mit rund fünf Millionen Euro und vom Land Niedersachsen mit rund 500.000 Euro gefördert.

Ausbildung auch von Frauen

Der erste Ausbildungsgang besteht aus mehr als 50 Kollegiatinnen und Kollegiaten. Die Ausbildung umfasst die Bereiche Predigtlehre, Koranrezitation, Seelsorge, politische Bildung, gottesdienstliche Praktiken, Gemeindepädagogik und Soziale Arbeit.

An der auf zwei Jahre ausgelegten Ausbildung nehmen auch Frauen teil. Direktor Ucar betonte, dass mit Überzeugung auch Frauen ausgebildet würden, auch wenn nicht ausdrücklich von Imaminnen gesprochen werde. Darüber, in welchen Bereichen die Absolventinnen später eingesetzt würden, müssten die jeweiligen Moscheegemeinden entscheiden.

Rolle der ausgebildeten Imame unklar

Unklar ist allerdings noch, welche Rolle die in Osnabrück ausgebildeten Imame in Deutschland bekommen werden. Denn das Islamkolleg wird bisher nur von kleineren muslimischen Verbänden unterstützt. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Verbände wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland oder das Bündnis Malikitische Gemeinde Deutschland.

Größter Islamverband in Deutschland nicht dabei

Der größte Islamverband in Deutschland, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), ist nicht darunter. Ditib vertritt nach eigenen Angaben über 70 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime.

Der Verband hatte Anfang vergangenen Jahres im Eifelort Dahlem ein Bildungszentrum eröffnet, mit dem erklärten Ziel, die Zahl deutschsprachiger Imame, Prediger und Gemeindepädagogen zu erhöhen. Von den bislang in den Moscheen in Deutschland tätigen Imamen predigen die wenigsten auf Deutsch. Die meisten wurden in der Türkei oder im Nahen Osten ausgebildet.

Quelle: MDR, dpa, KNA, epd, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Juni 2021 | 17:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland

Ein Einfamilienhaus steht am 11.06.2013 im Hochwasser am Dorfrand von Schönhausen 1 min
Bildrechte: dpa

Nach einem Hochwasser müssen Sie auf bestimmte Dinge achten – etwa, wann Sie Wasser abpumpen können, wann die Feuerwehr kommen muss und wann Sie anderen Fachkräfte zu Rate ziehen sollten.

26.07.2021 | 21:21 Uhr

Mo 26.07.2021 21:07Uhr 00:25 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/video-539506.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video