Schule und Corona Sachsen-Anhalt: Schüler fordern, Klassenarbeiten auszusetzen

Stifte raus, Klassenarbeit. Das wäre nach Wochen im Homeschooling-Modus wahrlich keine schöne Begrüßung in der Schule. Daher wird in Schleswig-Holstein gerade diskutiert, in diesem "Lockdown-Schuljahr" weniger Arbeiten und Tests schreiben zu lassen. Rheinland-Pfalz ist da schon ein Schritt weiter. Dort müssen die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis zehn im zweiten Halbjahr jetzt nur noch mindestens eine benotete Arbeit abliefern.

Cornelia Herrmann unterrichtet Schüler.
Der Landesschülerrat in Sachsen-Anhalt will, dass die Klassenarbeiten wegen Corona ausgesetzt werden. Bildrechte: dpa

Ab Montag geht Moritz Eichelmann wieder zur Schule – mit einem etwas mulmigen Gefühl. Der 16-Jährige aus Sachsen-Anhalt hat die Sorge: Nämlich, "dass man dort mit einer Vielzahl von Tests, Klassenarbeiten, Leistungsüberprüfungen überschwemmt wird."

Mit diesen Bedenken steht er offenbar nicht allein da. Moritz engagiert sich im Landesschülerrat. Und dort hätten sich in den vergangenen Wochen viele Schülerinnen und Schüler gemeldet, die auch genau das befürchten. Daher hat der Landesschülerrat Sachsen-Anhalt eine klare Forderung. "Klassenarbeiten so weit auszusetzen, dass sie entweder durch Ersatzleistungen – eine Kreativaufgabe, einen Aufsatz – ersetzt werden, oder komplett gestrichen werden." Dafür brauche es klare Regeln. Und zwar von oben – aus dem Bildungsministerium.

Sachsen-Anhalt will Lehrkräften Flexibilität lassen

Das Bildungsministerium jedoch ist gegen eine zentrale, pauschale Lösung, die könne es nicht geben, sagt Stefan Thurmann, Sprecher des Bildungsministeriums. "Die Situation ist da einfach sehr unterschiedlich in den Schulen. Wir wissen auch nicht, wie es in den kommenden Monaten weitergeht." Man könne darauf vertrauen, dass Lehrkräfte keine Arbeiten ansetzten, um die Schülerinnen und Schüler zu drängeln und zu drangsalieren.

Die Lehrkräfte bräuchten jetzt vor allem Flexibilität. Das habe es im letzten Jahr schon in Sachsen-Anhalt gegeben, so Thurmann. Es stehe fest, "dass wir die zentralen Klassenarbeiten aussetzen." Arbeiten sollen auf freiwilliger Basis angesetzt werden. Man werde sehen, inwiefern dann davon Gebrauch gemacht werde.

Auch Sachsen will Klassenarbeiten nicht pauschal aussetzen

Weniger benotete Arbeiten, weniger Druck. Das wünscht sich auch Nadine Eichhorn, Vize-Chefin des Landeselternrats Sachsen. "Natürlich müssen Wege gefunden werden, um herauszufinden, wo jeder Schüler steht, was bei wem wie gut hängen geblieben ist, während der Zeit im Homeschooling." Da könnten Arbeiten ein geeignetes Mittel sein. Nichtsdestotrotz müsse das Hauptaugenmerk auf der Vermittlung des Stoffs liegen.

Auch in Sachsen wird den Schulen nicht vorgegeben, wie viele Klassenarbeiten sie maximal ansetzen dürfen, erklärt Roman Schulz vom Landesamt für Schule und Bildung. "Wir haben jetzt nicht gesagt: 'Reduziert die Arbeiten um so und so viel Prozent.' Wir haben keine Mindestzahl vorgegeben und keine Obergrenzen."

Weniger Klassenarbeiten als Kompromiss

Am Schuljahresende bräuchten die Lehrer aber ein solides Fundament für die Bewertung eines jeden Schülers. Und zwar eines, das sich notwendigerweise aus mehr als einer vergeigten Klassenarbeit zusammensetze. Was die Anzahl der Arbeiten angeht – die verringere sich gerade automatisch. "Ich kann ja nicht Unterrichtsangebote reduzieren, aber darauf bestehen, dass ich die Bewertung mache, als hätte ich die komplette Stundentafel im Angebot."

Also: In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist man offen für weniger Klassenarbeiten. Einen Deckel von "oben", wie ihn Schüler Moritz sich wünscht, wird es wohl aber nicht geben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Februar 2021 | 08:13 Uhr

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