CO2 Klimarettung mit Mars-Rover-Gerät Moxie?

Ende April feierte die Nasa einen Riesenerfolg mit ihrem Mars-Rover. Mit einem Gerät namens "Moxie" gelang es, auf dem Mars CO2 in Sauerstoff umzuwandeln. Reinhard Markgraf aus Weißenfels hörte diese Meldung bei MDR AKTUELL im Programm und fragte sich: "Warum geht das auf dem Mars und nicht auf der Erde?" Funktioniert "Moxie" im Kampf gegen den Klimawandel auf der Erde?

Die Erde aus dem Weltall
CO2 in Sauerstoff umwandeln – auf dem Mars funktioniert das, aber bei uns auf der Erde? Bildrechte: imago/blickwinkel

MDR-AKTUELL-Nutzer Reinhard Markgraf will wissen: "Wenn die Sauerstoff-Gewinnung aus CO2 auf dem Mars gelingt, warum soll das nicht auch bei uns auf der Erde eines Tages angewendet werden, damit das CO2 weiterverarbeitet werden kann, zur Lösung des Klimawandels?"

Moxie sieht ein bisschen aus wie ein Waffeleisen. Das Gerät, das zurzeit auf dem Mars Sauerstoff produziert, ist fast so groß und auch so gemustert – und es funktioniert tatsächlich mit Strom und Hitze, so wie ein Waffeleisen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch auf.

So funktioniert Moxie

Moxie ist ein Elektrolysegerät, erklärt Felix Huber, Direktor am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Und Elektrolyse ist nichts Neues, das Prinzip ist schon seit über 200 Jahren bekannt. "Auch Sie haben sogar so eine Elektrolytzelle. Die sogenannte Lambdasonde im Auto ist nämlich genau das. Bei Elektrolyse zerlege ich durch Strom einen Stoff wieder in seine Bestandteile."

Moxie zerlegt nun Kohlendioxid, also CO2, in seine Bestandteile Kohlenmonoxid und Sauerstoff. Und zwar mit Strom und bei 800 Grad Celsius. Funktioniert das im größeren Stil, dann hätten Astronauten auf dem Mars Sauerstoff zum Atmen und Raketen zum Verbrennen für die Rückreise zur Erde. Das CO2 dafür holt sich Moxie aus der Mars-Atmosphäre, die zum größten Teil aus CO2 besteht.

Moxie lohnt sich auf der Erde nicht

Genau das ist er Punkt, weshalb Moxie wohl nur auf dem Mars funktioniert – und nicht auf der Erde, erklärt Felix Huber. "Die Marsatmosphäre besteht zu 97 bis 98 Prozent aus Kohlendioxid. Die hat aber nur einen ganz geringen Luftdruck. Das heißt, durch eine Pumpe wird der Druck auf ein halbes bis ein dreiviertel Bar erhöht. Denn ich brauche einen Mindestdruck und nur dann kann ich das machen. Auf der Erde hab' ich ja nur 0,04 Prozent Kohlendioxid. Das heißt, der Partialdruck ist viel zu gering, um das auf der Erde zu machen."

Der Partialdruck ist der Anteil des Drucks von CO2 in der Luft. Der sehr geringe Druck auf der Erde würde niemals ausreichen, damit Moxie arbeitet. Selbst der CO2-Druck an einem Fabrikschornstein reicht nicht – und der liegt ungefähr bei 15 Prozent. Mit anderen Worten: Um CO2 auf der Erde ausreichend zu komprimieren, wäre viel zu viel Energie notwendig. So viel, dass es sich nicht mehr lohnen würde, Moxie zu betreiben.

CO2 aus der Luft filtern

Doch es wird bereits an anderen Methoden gearbeitet, auf der Erde CO2 aus der Luft zu filtern, um den Treibhauseffekt zu verlangsamen. Eine Schweizer Firma zum Beispiel baut riesige Filteranlagen, die jährlich bis zu 900 Tonnen CO2 aus der Luft absondern können. Das Gas wird danach gespeichert für andere Anwendungen, beispielsweise in der Landwirtschaft.

Noch stecken die Techniken in den Kinderschuhen. Das weiß man auch im Umweltbundesamt in Dessau. Die Behörde teilte auf Anfrage mit: "Das Umweltbundesamt arbeitet zurzeit an einem Positionspapier zum Thema CO2-Abscheidung und -Verwendung. Dieses steckt zurzeit in der Vorbereitungs- und Abstimmungsphase. Die Finalisierung des Papiers soll bis Mitte Juni erfolgen."

Die beste Methode, den Klimawandel aufzuhalten, bleibt also vorerst: Weniger CO2 verursachen. Und die Natur erhalten. Denn Pflanzen sind immer noch die allerbesten CO2-Umwandler.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juni 2021 | 08:22 Uhr

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