Corona-Lage in Mitteldeutschland Immer mehr belegte Betten und Ausfälle: Kliniken beklagen Personalmangel

Die Corona-Inzidenz in Mitteldeutschland liegt im vierstelligen Bereich: in Sachsen-Anhalt und Thüringen bei 2.000, in Sachsen bei 1.800. Viele Kliniken haben inzwischen nicht nur volle Betten, sondern Corona-Ausfälle beim Personal. Wie gehen sie damit um?

Eine Intensivfachpflegerin betreut auf der Intensivstation einen Covid-19-Patienten.
Die Corona-Lage in den Krankenhäusern ist auch derzeit wieder angespannt. Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt ist der Landkreis Harz der mit der höchsten Inzidenz. Am Mittwoch lag er bei 2.640. In den Harzkliniken führt das zu einer Situation, die Pressesprecher Tom Koch so beschreibt: "Wir haben den höchsten Kranken- und Quarantänestand jetzt aktuell in der fünften Welle unter unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und das bedeutet auch, wir sind dabei, unsere Betten in einzelnen Stationsbereichen zu verringern."

Personalmangel aufgrund von Corona-Infektionen und Quarantäne

Aber auch in Landkreisen mit niedrigerer Inzidenz sei der Personalmangel das größte Problem, sagt Wolfgang Schütte, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt. "In diesem Kontext müssen planbare Operationen teilweise schon wieder verschoben werden, das ist ganz eindeutig so."

Ein mögliches Szenario auch in sächsischen Krankenhäusern, berichtet Friedrich München, stellvertretender Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen. Auch hier fehle jede Menge Personal: "Da rechnen wir zurzeit mit einem Ausfall von ca. zwölf bis 15 Prozent in den Krankenhäusern. Das ist ziemlich hoch, und diese Mischung aus steigenden Zahlen bei Normalbettenbelegung und Ausfallzeiten bei Krankheit und Quarantäne belastet die Krankenhäuser schon sehr."

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft verzeichnet etwa 16 Prozent mehr belegte Betten auf den Normalstationen als vergangene Woche. In Sachsen sind es seit Dienstag über 1.300 – der Grenzwert, bei dem sich die Staatsregierung vorbehält, wieder strengere Maßnahmen festzulegen. Friedrich München rechnet nicht damit, dass diese Zahl bald sinkt: "Eine Unbekannte ist zurzeit auch die Situation aufgrund der Geflüchteten aus der Ukraine, die jetzt kommen, da rechnen wir eigentlich auch mit einem erhöhten Aufkommen in den Krankenhäusern."

Krankenhausgesellschaften warnen vor zu schnellen Lockerungen

Auch die Krankenhausgesellschaft Thüringen teilt auf Nachfrage mit, dass Personalausfälle die Kliniken stark belasten. Tom Koch von den Harzkliniken erinnert sich, wie man früher mit ähnlichen Situationen umgegangen sei: "Vor einem Jahr hätte man massivst mit Beschränkungen des öffentlichen Lebens darauf reagiert. Jetzt hat man das Gefühl, die Politik und die Verantwortlichen lassen es einfach laufen."

Lieber nicht zu schnell lockern, sagt auch Wolfgang Schütte von der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt. Sein Amtskollege Friedrich München in Sachsen fügt hinzu: Jetzt müsse man eben mit dem Personal auskommen, das da ist. "Wichtig ist auch nochmal, dass die Ausnahmemöglichkeiten am Arbeitszeitgesetz nochmal verlängert werden, die laufen ja jetzt zum 19. März aus. Ansonsten sind wir mit unseren Mitteln sehr begrenzt, weil vom Arbeitsmarkt – der ist ja zurzeit leergefegt – ist jetzt nichts zu erwarten."

Dann wären weiterhin Arbeitszeiten von bis zu zehn Stunden am Tag statt nur acht möglich. Außerdem könnten Mitarbeitende zweimal im Monat Sonn- und Feiertagsdienst machen. Diese zusätzliche Arbeitszeit muss aber eigentlich innerhalb von sechs Monaten wieder ausgeglichen werden. Fraglich, ob das gelingen kann, sagt München.

MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 17. März 2022 | 06:11 Uhr

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