AOK-Krankenhausreport Weniger Notfallversorgung in Corona-Pandemie

Auch in der zweiten Corona-Welle wurden in Krankenhäusern kaum andere Krankheiten behandelt als Covid-19. Das zeigt der aktuelle AOK-Krankenhausreport. Die Wissenschaftler sind unter anderem wegen geringeren Behandlungszahlen von Herzinfarkten und Schlaganfällen besorgt. Auch die Versorgung von Corona-Patienten wurde untersucht.

Während eines Herz-Kreislaufstillstand wird der Patient von Hand beatmet
Bei einem Herzinfarkt ist schnelle Hilfe nötig. Doch in der Corona-Pandemie zögern viele Patienten mit Symptomen häufiger als sonst, zum Arzt zu gehen. Bildrechte: imago/Jochen Tack

In der zweiten Welle der Corona-Pandemie sind nach einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) die Fallzahlen anderer Krankheiten als Covid-19 in deutschen Krankenhäusern zurückgegangen. Vor allem bei Notfällen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen waren die Behandlungen rückläufig. In der Pandemiezeit zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 gab es demnach auch weniger Krebs-Operationen.

Der Report hat die Fallzahlen von AOK-Versicherten untersucht. Er kommt auch zu dem Ergebnis, dass der Rückgang der Fallzahlen anderer Erkrankungen geringer ausfiel als während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020. Und das, obwohl in dieser Zeit mehr Corona-Patienten in Krankenhäusern behandelt wurden. So lag der Rückgang ab Dezember bei 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In der ersten Corona-Welle waren es noch 27 Prozent Rückgang.

Herzinfarkt und Schlaganfall

Einen starken Rückgang gab es demnach bei der Behandlung von Herzinfarkten. In der zweiten Welle wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 13 Prozent weniger Fälle behandelt (in der ersten Welle ein Minus von 16 Prozent). Auch die Schlaganfall-Behandlungen waren dem Report zufolge rückläufig. "Diese erneuten Einbrüche sind Anlass zur Sorge", sagte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wido. Wiederholt hätten Ärzte darauf hingewiesen, dass Herzinfarkt-Patienten gehäuft verspätet und mit fortgeschrittener Schädigung des Herzens im Krankenhaus angekommen seien.

Wir können angesichts der Zahlen nur den Appell an die Bevölkerung erneuern, bei Notfallsymptomen auch unter den Bedingungen der Pandemie nicht zu zögern, den Notruf zu wählen.

Jürgen Klauber Geschäftsführer des Wido

Operationen bei Krebs-Patienten

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Krebs-Operationen. Der Bericht hat Brust- und Darmkrebs-Operationen in der zweiten Corona-Welle genauer unter die Lupe genommen. So gab es bei den Darmkrebs-OPs einen Rückgang um 20 Prozent. Bei den Eingriffen bei Brustkrebs lag das Minus bei "nur" fünf Prozent. Die Wissenschaftler sehen einen Grund für die geringere Abnahme in der Wiederaufnahme der Mammographie-Screenings nach dem Ende des ersten Lockdowns.

Covid-19: Schwerer Verlauf bei Männern häufiger

Die Untersuchung der Covid-19-Patienten ergab ein ähnliches Bild wie im Sommer 2020: Männer sind deutlich häufiger von einem schweren Verlauf betroffen als Frauen (zwei Drittel der Patienten mit Beatmung waren Männer). Außerdem werden ältere Menschen häufiger stationär behandelt.

Eine Besonderheit zeigte sich bei der Dauer der Beatmung von Covid--19-Patienten. Während über 80-Jährige im Schnitt zehn Tage beatmet wurden, wurden 50- bis 69-jährige Patienten mit 16 Tagen am längsten beatmet. "Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die Intensivstationen angesichts steigender Infektionszahlen schnell mit Menschen mittleren Alters füllen können, die noch nicht geimpft sind", warnte Klauber.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. März 2021 | 11:00 Uhr

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