Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Krankschreibung per Telefon: Machen gerade alle blau?

Wer keine Lust auf Arbeit hat, der hat es zurzeit ziemlich leicht: Einfach beim Hausarzt anrufen, etwas von Fieber und Husten erzählen – fertig. Mit großer Sicherheit wird dann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Arbeitgeber ausgestellt. Denn Hausärzte dürfen weiterhin telefonisch krankschreiben. Sind Missbrauch Tür und Tor geöffnet?

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit Kugelschreiber
Eine Krankmeldung vom Arzt zu bekommen ist dieser Tage sehr einfach. Wird das ausgenutzt? Bildrechte: imago images / bonn-sequenz

Mehr Krankmeldungen bei den Leipziger Verkehrsbetrieben als üblich

Zurzeit sei die Personaldecke etwas dünn, sagt Marc Backhaus. Der Sprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe bittet deshalb um Verständnis: Einzelne Fahrten mit Bussen und Straßenbahnen könnten zurzeit ausfallen, weil Mitarbeiter krank seien. "Die LVB haben in den letzten vier Wochen einen sprunghaften Anstieg verzeichnet, das heißt, innerhalb von vier Wochen fünf Prozent mehr Kolleginnen und Kollegen, die nicht auf Arbeit kommen können. Und das betrifft nicht nur Fahrerinnen und Fahrer, sondern auch die Kollegen im Service, in der Werkstatt, in der Verwaltung."

Doch sind darunter auch Kolleginnen oder Kollegen, die blau machen und sich einen Krankenschein holen, weil es so einfach ist? Marc Backhaus will darüber nicht spekulieren. Ein Unternehmen mit 2.500 Mitarbeitern sei eben ein Spiegelbild der Gesellschaft. "Es gibt nicht den einen Hauptgrund, sondern die Summe vieler Gründe für Abwesenheiten. Das sind Verdachtsfälle, das sind einzelne Erkrankungen, Erkältungskrankheiten, die gerade jahreszeittypisch herumgehen – da kommt viel zusammen und spitzt sich im Dezember zu und die allgemeine pandemische Lage ist dafür ein zentraler Punkt."

 Andere Unternehmen beklagen eher Corona-Fälle

In anderen Unternehmen ist die Lage zurzeit weniger dramatisch. MDR AKTUELL hat bei fünf Unternehmen, die zu den größten in Mitteldeutschland gehören, nachgefragt. Keines hat momentan einen außergewöhnlich hohen Krankenstand zu beklagen. Jedoch: Corona macht den Firmen zu schaffen, erklärt Catrin Glücksmann, Sprecherin von enviaM. "Aktuell sind von unseren rund 3.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 90 mit Corona infiziert. Das ist ein Höchststand. Allerdings sind davon nur 17 wirklich nicht arbeitsfähig. Die anderen nutzen die Gelegenheit, vom Homeoffice aus zu arbeiten."

Damit die Situation sich nicht verschärft, macht enviaM seinen Beschäftigten Impfangebote. "Die enviaM-Gruppe bietet bereits seit dem Sommer Erst- und Zweitimpfungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zeitweise auch für deren Angehörige an. Seit November boostern wir alle, die es möchten."

Einen Missbrauch der Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen, beobachten auch die Arbeitgeberverbände in Sachsen und Thüringen nicht. Aus einigen Unternehmen erfuhr MDR AKTUELL allerdings hinter vorgehaltener Hand, dass seit dem 24. November die Zahl der Krankmeldungen sprunghaft nach oben geschnellt sei. Damals wurde die 3G-Regel am Arbeitsplatz eingeführt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Dezember 2021 | 06:39 Uhr

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