Der unterschätzte Wirtschaftszweig Kultur- und Veranstaltungsbranche im Krisenmodus

Die Coronapandemie hat die Kulturbranche mit voller Wucht getroffen. Nachdem schon im Frühjahr alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten, konnten über den Sommer verschiedene Kulturstätten wieder öffnen. Doch mit dem Winter kommen auch die Kontaktbeschränkungen zurück. Was bedeutet das für die Branche?

Blick von der Bühne in den leeren Zuschauerraum des Opernhauses Chemnitz mit Parkett und Rängen.
Blick von der Bühne in den leeren Zuschauerraum des Opernhauses Chemnitz mit Parkett und Rängen. Bildrechte: Die Theater Chemnitz / Dieter Wuschanski

Die Branche vor Corona: die sechstgrößte Wirtschaftsbranche Deutschlands  

Laut dem Bundeswirtschaftsministerium waren 2019 1,8 Millionen Menschen in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. 174,1 Milliarden Euro hat die Branche im Jahr 2019 umgesetzt. Damit beträgt der Anteil der Branche am Bruttoinlandsprodukt 3,1 Prozent. Teil davon ist die Kultur- und Veranstaltungsbranche mit 1,5 Millionen Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 130 Milliarden Euro. Sie gilt damit als die sechstgrößte Wirtschaftsbranche Deutschlands. Dies sind Zahlen einer aktuellen Meta-Studie des R.I.F.E.L.-Instituts, das die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Veranstaltungsbranche erforscht hat.

Die Zahlen unterstreichen, dass die gesamte Kultur unterschätzt wird – nicht nur in ihrer Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ihrer identitätsstiftenden Wirkung für unterschiedliche Gesellschaftsgruppen. Denn diese 130 Milliarden Euro stellen einen großen Anteil am Bruttosozialprodukt dar. Erwirtschaftet von einer Branche, die - wenn schon nicht systemrelevant - dann zumindest gesellschaftsrelevant ist.

Wirtschaftshilfen im November 2020: So soll’s funktionieren

Mit einer „außerordentlichen Wirtschaftshilfe“ will nun die Regierung Firmen unterstützen, die im November schließen mussten. Die Abschlagszahlungen sollen, laut Bundeswirtschaftsminister Altmaier, noch bis Ende November erfolgen. Die Hilfen von 10 Milliarden Euro sollen aus dem Topf für die Überbrückungshilfen kommen. Unterstützt werden sollen auch indirekt betroffene Firmen.

Auch die Umsatzverluste der Kultur- und Veranstaltungsbranche durch den Teil-Lockdown im November werden mit Zuschüssen pro Woche der Schließungen in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen Wochenumsatzes im November 2019 gewährt. Der Bund will dann in einem unbürokratischen Verfahren bis zu 75 % des Fehlbetrages übernehmen.

Weil gerade in der Kreativwirtschaft schwankende Monatseinkünfte normal sind, können die Umsätze der Solo-Selbstständigen über mehrere Monate gemittelt werden. Für Unternehmen, die erst im November 2019 gegründet wurden, gilt, dass sie einen Monat aus dem laufenden Jahr heranziehen können. Alle staatlichen Leistungen (Überbrückungshilfen, Kurzarbeitergeld etc.), die im November bereits kommen, werden den neuen Hilfen angerechnet.

Die betroffenen Betriebe sollen ihre Anträge in den nächsten Wochen über die bundeseinheitliche IT-Plattform der Überbrückungshilfe stellen, die noch geändert werden muss. Abermals sollen die Anträge elektronisch über Steuerberater und Wirtschaftsprüfer gestellt werden, um Missbräuchen vorzubeugen. Solo-Selbstständige, also Selbstständige, die keine Mitarbeiter beschäftigen, sollen Hilfen bis zu 5000 Euro direkt beantragen können.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 05. November 2020 | 22:10 Uhr

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