Nach Flutkatastrophe Landrat von Ahrweiler lässt Amt ruhen

Wären Ermittlungen gegen ihn laufen, lässt der Landrat des Landkreises Ahrweiler, Pföhler, sein Amt zumindest vorerst ruhen. Dem CDU-Kreisverband zufolge kann er es krankheitsbedingt nicht mehr ausüben. Nach Angaben einer Kreissprecherin ist der Landrat schon seit 11. August nicht mehr im Dienst.

Landrat Jürgen Pföhler (CDU)
Landrat Jürgen Pföhler nimmt ab sofort sein Amt nicht mehr wahr. Bildrechte: dpa

Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz lässt der Landrat von Ahrweiler, Jürgen Pföhler, sein Amt ruhen. Wie die CDU-Kreistagsfraktion Ahrweiler mitteilte, kann er es "absehbar" krankheitsbedingt nicht mehr ausüben.

Einen Rücktritt bestätigten aber weder der Kreis noch die CDU. In deren Mitteilung hieß es jedoch auch, der Kreis benötige einen "unbelasteten Neuanfang". Das setze Vertrauen der Bevölkerung in politisch Verantwortliche voraus. Der Schritt Pföhlers sei "daher notwendig und unausweichlich". Das Vertrauen der Menschen im Kreis sei nicht mehr gegeben. Nach der Flut hatte es heftige Kritik an Pföhler gegeben.

Ermittlungen zu Anfangsverdacht gegen Pföhler

Seit rund anderthalb Wochen ermittelt die Staatsanwaltschaft in Koblenz gegen Pföhler wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen. Dem Landrat wird vorgehalten, die Menschen zu spät gewarnt zu haben. Darüber hinaus ermittelt die Behörde nach eigenen Angaben gegen ein weiteres Mitglied des Krisenstabs.

Extremer Regen hatte vor fünf Wochen verheerende Überschwemmungen an Flüssen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ausgelöst. In Rheinland-Pfalz starben mindestens 142 Menschen, einige davon werden bis heute vermisst.

Am Mittwoch berät nun der Kreistag über politische Konsequenzen. Die SPD-Fraktion stellt eine Resolution zur Abstimmung, in der Pföhler aufgefordert wird, "seiner politischen Verantwortung gerecht" zu werden. Ein Abwahlverfahren will die SPD-Fraktion nach eigenen Angaben vermeiden. Sie wie auch die Grünen-Fraktion hatten einen Rücktritt von Pföhler gefordert. Bei der CDU hieß es jetzt, es habe Versäumnisse und Fehler gegeben, die aufgearbeitet werden müssten.

Flutkatastrophe spült Weltkriegsmunition frei

Das Hochwasser hat in verschiedenen Teilen von Rheinland-Pfalz aber auch lang Verschüttetes freigelegt: Wie die Behörden mitteilten, wurden insgesamt rund 350 Kilogramm Munition aus dem Zweiten Weltkrieg freigespült. Dabei handele es sich vor allem um Patronen und Granaten sowie um eine Bombe, die allerdings keine Explosivstoffe enthielt. Allein im Ahrtal habe es 22 Funde gegeben.

Quelle: dpa, AFP, epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. August 2021 | 09:00 Uhr

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