Discounter Warum wird bei manchen Lebensmitteln kein Herstellungsort angegeben?

In unserer Rubrik "Hörer machen Programm" geht es diesmal um eine Frage von Herrn Steffen Stein aus Freital. Er würde gerne wissen, warum bei vielen Artikeln in Lebensmittel-Discountern nicht Hersteller und Herstellungsort vermerkt sind. Wenn er beispielsweise bei Netto "Kartoffelsalat sächsischer Art" kaufe, dann stehe dort auf der Verpackung keine Information über den Herstellungsort.

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Nicht bei allen Lebensmitteln steht der Hersteller oder Herstellungsort auf der Verpackung. Warum? Bildrechte: colourbox.com

Wer in seinen Discounter um die Ecke geht, um dort regional und damit auch nachhaltig einzukaufen, der wird in den meisten Fällen enttäuscht. Denn auf den Produkten steht kein Herstellungsort.

Warum, erklärt Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen: "Der Ort der Herstellung muss bei verarbeiteten Produkten nicht angegeben werden. Da gilt, dass dort der Hersteller oder der Inverkehrbringer angegeben werden muss. Der Verbraucher kann also nicht erkennen, wo ein Produkt konkret hergestellt wurde. Wenn ein Produkt als Kartoffelsalat sächsischer Art bezeichnet wird, dann hat sächsische Art keinen Bezug zum Herstellungsort, sondern das bezeichnet die besondere Art der Herstellung und die Rezeptur. Analog wie russische Eier oder italienischer Salat."

Das bedeutet: Das Produkt kann überall hergestellt werden, der Hersteller muss den Produktionsort nicht angeben.

Nur Obst, Gemüse und Fleisch müssen gekennzeichnet werden

Aber es gibt Ausnahmen bei der Kennzeichnung, sagt Brendel: "Herkunftsangaben gibt es nur bei bestimmten Produkten, bei frischem Obst und Gemüse, bei frischem Fleisch". Allerdings können Hersteller bei verarbeiteten Produkten in einem sogenannten Regionalfenster, das sich auf der Verpackung befindet, freiwillig die Herkunft der Hauptzutaten und auch den Ort der Herstellung angeben.

Bei Discountern gehört diese freiwillige Information zum Geschäftsmodell. Aldi-Nord teilt auf einen MDR AKTUELL-Anfrage schriftlich mit: "Unsere Kundinnen und Kunden erkennen regionale Artikel an unserer Eigenmarke EINFACH REGIONAL. Die Kriterien entsprechen unseren strengen Anforderungen an Regionalität: Die gesamte Lieferkette – vom Anbau bis zur Verpackung – muss in der gekennzeichneten Region stattfinden. Hiermit stellen wir ein Höchstmaß an Transparenz sicher. Produkte aus Deutschland tragen bei ALDI Nord die 'Qualität aus Deutschland'-Kennzeichnung."

"Sächsischer" Kartoffelsalat kommt nicht zwingend aus Sachsen

Das Unternehmen Lidl teilte mit, dass Produkte von regionalen Herstellern am Preisschild mit dem "Ein gutes Stück Heimat"-Logo ausgewiesen werden. Die Handelsgruppe Rewe verfährt ähnlich. Bei regionalen Artikeln werden auf der Verpackung Erzeuger und Herstellungsort des verkaufsfertigen Produktes genannt.

Doch zurück zur Frage unseres Zuhörers aus Freital. Bezogen auf den sächsischen Kartoffelsalat, der bei Netto erhältlich ist, teilte das Unternehmen auf eine MDR AKTUELL-Anfrage mit, dass dieses Produkt in Niedersachsen hergestellt werde. Sächsischen Kartoffelsalat, der tatsächlich auch in Sachsen hergestellt wird, gibt es zum Beispiel von der familiengeführten Firma Dr. Doerr in Dresden. Da steht der Herstellungsort auch auf der Verpackung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2021 | 06:00 Uhr

15 Kommentare

Rychlik vor 6 Wochen

bei arte lief gestern 20:15 Schönes neues Brot - da wirde mir Spei-Übel was die Industrie ins Brot mischt MDR könnte ja mal recherchieren wie es in den Großbäckereien Sachsen-Anhalts zugeht

part vor 6 Wochen

Die gesetzlich legitimierte Verbrauchertäuschung hat Tradition in diesem Land. Ob Ampelkennzeichnung oder Inhaltsangaben, es richtet sich alles zugunsten der Hersteller, die jeden Ramsch mit bunten Werbesprüchen an den Verbraucher bringen dürfen. Bei Produkten, die aus mehreren Zutaten bestehen, wird es dann schon schwieriger die Herkunft zu bestimmen. Doch mich interessiert schon, woher das Lebensmittel kommt und ob es bestrahlt wurde oder das Herkunftsland ein Risikogebiet darstellt. Viele No-Name Produkte werden zudem bei Markenherstellern produziert aber preiswerter vertrieben als das Markenprodukt, eigentlich auch ein Etikettenschwindel. Hätten wir nicht unabhängige Verbraucherschutzorganisationen, die wenigstens einen Bruchteil von Verstößen aufdecken, dann sehe es noch düsterer aus in diesem Land.

Jan vor 6 Wochen

Aber stören würde es Sie nicht, wenn die Herkunft draufsteht, oder? Die die es interessiert, lesen es, die anderen können es doch ignorieren. Das ist doch eine schöne Lösung - finde ich.

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