Streit um Statue Lenin macht Leninisten Ärger

Seit einer Woche steht in Gelsenkirchen eine Lenin-Statue, aufgestellt vor der Zentrale der MLPD. Die Stadt wollte das verhindern, scheiterte aber. Nun droht der Partei Ärger mit der Familie des verstorbenen Künstlers.

Gabi Fechtner, (r) MLPD-Vorsitzende und andere Parteimitglieder stehen neben der 2,15 Meter hohen Lenin-Statue nach ihrer Enthüllung.
Bild vom inszenierten Spektakel vom 20. Juni - nach der Enthüllung der Lenin-Statue vor der MLPD-Parteizentrale in Gelsenkirchen. Bildrechte: ddp

Dass die von seinem Vater erschaffene Lenin-Statue jetzt vor der Parteizentrale der linksextremen MLPD, der Marxistisch Leninistischen Partei Deutschlands, steht, ist für dessen Sohn Zdenek Lukes "eine Tragödie", sagt er "exakt". Vergangenen Samstag (20. Juni) wurde das 1957 erschaffene Kunstwerk nach einem mehrstündigen Festakt dort enthüllt und eingeweiht.

Gabi Fechtner
Gabi Fechtner, die MLPD-Vorsitzende Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die MLPD-Vorsitzende Gabi Fechtner hatte im Vorfeld betont, dass sie Lenin als "weltgeschichtlich bedeutenden Vordenker und Vorkämpfer für Freiheit und Demokratie für die Massen" sieht. In den Geschichtsbüchern wird Lenin vor allem als führender Kopf der Oktoberrevolution 1917 in Russland beschrieben – der mit grausamer Gewalt gegen Andersdenkende vorgegangen war.

Familie des verstorbenen Künstlers nicht um Einverständnis gefragt

Zdenek Lukes erzählt im Gespräch mit "exakt", sein Vater habe die über zwei Meter große Statue als Student entworfen. Gegen dessen Willen sei sie schon 1957 in der Tschechoslowakei aufgestellt worden. Die Familie sei Opfer der Kommunisten gewesen. Sein Vater hätte nie zugestimmt, dass diese  Statue irgendwo aufgestellt werde, auch nicht in Gelsenkirchen. "Natürlich ist es schrecklich. Ich bin Antikommunist. Mein ganzes Leben schon", betont Zdenek Lukes.

Anhänger MLPD Gelsenkirchen
"Lenin-Fans" lassen sich feiern am Tag der Enthüllung der Statue. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Damit konfrontiert, räumt die Parteivorsitzende Gabi Fechtner "exakt" gegenüber das Einverständnis der Familie, die Statue aufzustellen, nicht eingeholt zu haben. "Wir haben uns mit dem Künstler beschäftigt und also, das sehe ich jetzt nicht als das Entscheidende", so Gabi Fechtner. Zdenek Lukes, der Sohn des verstorbenen Künstlers, erklärte gegenüber "exakt",  nun einen Anwalt konsultieren zu wollen und zu prüfen, ob er juristisch gegen die MLPD vorgehen kann.

Stadt verhängte Baustopp – und scheiterte vor Gericht

Schon im Vorfeld war ein Streit um das Aufstellen der Lenin-Statue vor der Zentrale der MLPD entbrannt. Die MLPD steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Die Stadt Gelsenkirchen sprach einen Baustopp vor der MLPD-Parteizentrale aus, wollte so den Personenkult um Lenin am vergangenen Samstag (20. Juni) verhindern. Doch vor Gericht scheiterte die Stadt Gelsenkirchen damit. "Dass dieses Denkmal in Gelsenkirchen aufgestellt wird, ist nur schwer zu ertragen. Aber wir müssen nun eben damit umgehen", sagte Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) dazu.

Dass dieses Denkmal in Gelsenkirchen aufgestellt wird, ist nur schwer zu ertragen. Aber wir müssen nun eben damit umgehen.

Frank Baranowski, Oberbürgermeister von Gelsenkirchen

Ausstellung in Gelsenkirchen informiert über Geschichte des Kommunismus

Um dem Denkmal etwas entgegenzusetzen, präsentiert die Stadt Gelsenkirchen eine Ausstellung über die Geschichte des Kommunismus im städtischen Schloss Horst gegenüber der Parteizentrale, damit sich die Besucher über das Leben und Wirken Lenins informieren können. "Wenn wir uns anschauen, wer da geehrt wird, haben wir es mit einem Mann von durchaus historischer Bedeutung zu tun, der aber insbesondere als Diktator bekannt geworden ist", betont Daniel Schmidt vom Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen gegenüber "exakt".

Ein Mann im Porträt
Daniel Schmidt, Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen Bildrechte: MDR/Exakt

Die Ausstellung zeigt unter anderem, wie Lenin eine Geheimpolizei gegründet hat. Vieles habe er  vorbereitet, was später unter seinem Nachfolger Stalin noch gesteigert worden sei, sagt Daniel Schmidt. "Zwangskollektivierung mit enormen menschlichen Kosten, Millionen von Toten. Das ist in vielerlei Hinsicht in der unmittelbaren Herrschaftsphase von Lenin schon so gewesen", führt er aus.

Lenin 8 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

#keinplatzfuerlenin – Raum für Auseinandersetzung

Die Stadt Gelsenkirchen rief auch ein Online-Videoprojekt ins Leben, um eine weitere Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kommunismus und dem Aufstellen der Lenin-Statue zu bieten. Unter #keinplatzfuerlenin erklären Künstler, Wissenschaftler und Politiker, wie sie zu der umstrittenen Aktion stehen – und warum.

Fotoaktion in Gelsenkirchen
Hier wird mit Lenin Geld gemacht ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 24. Juni 2020 | 20:15 Uhr

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