Leipzig Essen auf Rädern für bedürftige Kinder

MDR-INFO-Hauptstadt-Korrespondention Cecilia Reible.
Bildrechte: Cecilia Reible/Wiebke Barfod

Warmes Mittagsessen gehört zur Kita dazu. Nur sind die aktuell geschlossen und bieten nur noch Notbetreuung an. Um Kinder aus bedürftigen Familien das auch in Pandemiezeiten zu ermöglichen, liefert Leipzig Kitaessen aus.

Die Vorschulkinder Maximilian (5, l-r), Kisella (6) Edin (5) und Heilerzieher Oliver Mager essen am 02.11.2012 in der Kita Mucklas in Hamburg Kartoffelsuppe zu Mittag.
Warmes Mittagsessen gehört zur Kita dazu. Bildrechte: dpa

Grundsätzlich können Kinder aus bedürftigen Familien auch in Zeiten des Lockdowns ein kostenloses warmes Mittagessen bekommen. Die Bundesregierung hat schon im vergangenen Frühjahr das Bildungs- und Teilhabepaket so angepasst, dass das Kita- oder Schulessen auch nach Hause geliefert werden kann.

Leipzig ist Vorreiter mit Lieferdienst

Das Bundessozialministerium teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, bis zum 31. März komme es nicht darauf an, dass die Mittagsverpflegung in der Schule oder Kita gemeinsam stattfinde. In diesem Zeitraum könne das Mittagessen entweder abgeholt oder direkt in die Elternhäuser geliefert werden.

Ob die Caterer auch tatsächlich einen Lieferdienst anbieten, hängt allerdings vom Wohnort ab. Leipzig ist da gewissermaßen Vorreiter. Stadtsprecher Matthias Hasberg sagt, man habe das schon in der ersten Corona-Welle angeboten. "Als klar wurde, dass die Schulen schließen, und mit den Schulen für einige Familien auch das Mittagessenangebot komplett wegfiel", berichtet Hasberg.

Leipzig hat mehrere Catering-Unternehmen dafür gewinnen können, warmes Mittagessen direkt an die betroffenen Familien auszuliefern. Eines davon ist das Leipziger Kinder-Restaurant, das in normalen Zeiten Kochfeste oder Kochkurse mit Kindern veranstaltet.

Gutschein oder Bescheid notwendig

Leiterin Karin Fahnert erklärt, wie bedürftige Familien ans kostenlose Essen für ihren Nachwuchs kommen. Die Familien könnten sich telefonisch bei dem Caterer melden und es werde auch kein Vertrag abgeschlossen, sondern nur eine Bestellvereinbarung getroffen.

Die Familien bräuchten lediglich einen Nachweis, erklärt Fahnert. "Wir brauchen den Gutschein oder einen Bescheid, auf dem wir sehen, dass der Gutschein beantragt werden kann, auch dabei unterstützen wir."

Hartz-IV-Empfänger bekommen die Gutscheine über das Jobcenter. Wer Wohngeld, Asylbewerberleistungen oder den Kinderzuschlag bekommt, muss sich ans Sozialamt wenden.

Nachfrage ist überschaubar

Rund 50 Essen liefert das Leipziger Kinder-Restaurant täglich aus – sehr viel mehr ist aus logistischen Gründen nicht möglich. Doch es gibt noch vier weitere Catering-Unternehmen in Leipzig, die Kita- und Schul-Essen zu den bedürftigen Familien bringen.

Die Nachfrage nach dem "Essen auf Rädern" für bedürftige Kinder ist allerdings überschaubar. Die Gründe dafür seien schwer zu ermitteln, sagt Stadtsprecher Hasberg. Man könne das positiv sehen, dass es vielleicht nicht so viele Bedürftigte seien oder die Familien selber kochen. Aber: "Man kann es aber auch ein bisschen negativ sehen und sagen, vielleicht sind die Hürden doch zu groß."

Keine anderen Lieferdienste in Mitteldeutschland

Eine Stichproben-Abfrage von MDR AKTUELL hat ergeben, dass andere große Städte in Mitteldeutschland bisher keinen Lieferdienst für kostenloses Kita- oder Schulessen anbieten.

In Chemnitz sei noch kein Bedarf dafür angemeldet worden, teilte eine Stadtsprecherin mit. Erfurt verweist darauf, dass bedürftige Kinder in die Notbetreuung kämen und dort versorgt würden. Jena nennt als Gründe Probleme bei der Umsetzung und mangelnde Nachfrage. In Weimar prüft gerade die AWO, ob das kostenlose Essen in den Kitas abgeholt werden kann.

Angebote auch für nicht bedürftige Familien

Auch für nicht bedürftige Familien kann es übrigens durchaus interessant sein, sich das Essen für die Kinder ins Haus bringen zu lassen. Die Leipziger Genussentdecker GmbH beliefert normalerweise drei Kindergärten und mehr als 30 Tagesmütter in der Stadt mit warmen Mahlzeiten. Wegen Corona biete das  Catering-Unternehmen nun einen Lieferdienst an, sagt Geschäftsführerin Claudia Schneider.

Die Eltern seien dafür sehr dankbar. Die hätten eine Sorge weniger am Tag, "dass man sich neben Homeoffice und vielleicht noch Homeschooling von älteren Geschwistern nicht damit befassen muss, was können die denn jetzt noch Warmes essen zu Mittag", erklärt Schneider.

Manche Eltern würden gelegentlich auch für sich Essen mitbestellen, sagt Schneider. Da seien dann auch die Portionen ein bisschen größer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2021 | 06:54 Uhr

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