Kontaktnachverfolgung Kritik an Luca-App wegen fehlender Barrierefreiheit

Die Luca-App soll bei der Kontaktverfolgung in der Corona-Pandemie helfen. Das beschäftigt MDR AKTUELL Nutzer Mike Dallmann aus Leipzig. Die App sei nicht barrierefrei, schreibt er und will wissen: Wie kann das sein?

Luca-App
Die luca-App ist nicht barrierefrei, das heißt: Es gibt beispielsweise keine Sprachausgabe für Menschen mit Sehbehinderung. Bildrechte: dpa

Die Luca-App wurde von der Firma neXenio entwickelt, in Zusammenarbeit mit einigen Kulturschaffenden, darunter die Band "Die Fantastischen Vier". Nutzer können sich in der App registrieren und wenn sie beispielsweise ein Restaurant oder eine Veranstaltung besuchen, checken sie sich durch einen QR-Code mit der Handykamera ein. So wird ein "Fingerabdruck" aller Begegnungen innerhalb der Lokalität erstellt. Im Infektionsfall kann das Gesundheitsamt die Daten vom Gastgeber oder Veranstalter einfordern und Kontaktpersonen zügig informieren. So können Infektionsketten durchbrochen werden.  

Leider sei diese App nicht barrierefrei, bedauert Prof. Thomas Kahlisch, Präsidiums-Mitglied beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, und Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig. "Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband fordert schon seit längerem – und findet leider zu wenig Aufmerksamkeit bei den politischen Entscheidungsträgern bislang –, die Barrierefreiheit gerade bei den Gesundheitsangeboten im digitalen Bereich stärker zu fördern, zu unterstützen und einzufordern.

Bund plant Barrierefreiheitsstärkungsgesetz

Die Barrierefreiheit von digitalen Anwendungen wie zum Beispiel Smartphone-Apps war bisher nicht bindend. Doch das soll sich bald ändern. Seit 2019 gibt es eine EU-Barrierefreiheitsrichtlinie. Die soll bald in Deutschland in nationales Recht umgewandelt werden. Dafür hat das Bundeskabinett bereits das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz beschlossen. Nun muss noch der Bundestag zustimmen.

Ottmar Miles-Paul vom "Bündnis für ein gutes Barrierefreiheitsrecht" hofft, dass mit dem neuen Gesetz auch möglichst alle Apps künftig barrierefrei angeboten werden. "Wer digitale Angebote macht, ob das jetzt beim Shopping ist, ob das Bankautomaten sind oder sonst was, muss sich zukünftig darum kümmern, dass das auch für alle nutzbar ist. Wir hoffen, dass es mit einem deutschen Barrierefreiheitsstärkungsgesetz hier diese Regeln verschärft werden, dass es eben nicht zum Ausschluss kommt von der Teilhabe an bestimmten Angeboten."

Kritik an der Luca-App

Seiner Meinung nach hätte auch die Luca-App schon jetzt barrierefrei sein sollen bzw. müssen, auch ohne Gesetz. Denn in der jetzigen Form schließt die App insbesondere Menschen mit Sehbehinderung bei einem selbstbestimmten Restaurantbesuch aus. Eine barrierefreie App würde dem Nutzer mit einer Sprachausgabe mitteilen, was er tun soll. "Ich ärgere mich nur darüber, dass die App nicht zugänglich ist, weil sie von öffentlichen Stellen in Auftrag gegeben wird. Und die haben sich eigentlich darum zu kümmern, dass gerade bei so einer Frage in der Corona-Pandemie die Informationen und die Möglichkeiten entsprechend barrierefrei gemacht werden müssen. Also hier müsste man eigentlich sofort handeln und nicht auf ein Gesetz, das irgendwann 2025 wirksam wird, setzen."

Die Bundestagsabgeordneten wollen das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz noch vor der Sommerpause beschließen, bis dahin gibt es Übergangsfristen. Auf eine Anfrage von MDR AKTUELL bei den Entwicklern der Luca-App gab es bisher keine Antwort. Neben zahlreichen anderen Bundesländern plant auch Sachsen-Anhalt die Einführung dieser digitalen Kontaktnachverfolgung. Auf die Nachfrage zum Problem der nicht vorhandenen Barrierefreiheit teilte das zuständige Sozialministerium mit, dass man davon ausgehe, dass die Entwicklerfirma die Barrierefreiheit kurzfristig implementiere.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. März 2021 | 06:20 Uhr

6 Kommentare

ria vor 1 Wochen

Warum muss immer alles kaputt geredet werden in Deutschland. Man sieht doch was bei der Corona Warn App dabei raus gekommen ist. Außer Spesen nichts gewesen.

Baldur von Ascanien vor 2 Wochen

Wenn wir nicht langsam mal loslegen, auch wenn nicht alles perfekt ist, werden wir wohl nie erfolgreich in Richtung Pandemiebekämpfung marschieren. Klar ist der Einwurf des Blindenverbandes berechtigt. Aber wenn wir nur auf die ewigen Bedenkenträger hören, können wir es gleich lassen. Wer Nichts macht, macht zumindest nichts Falsches, oder?

Durchblick vor 2 Wochen

Kein Wunder, dass sich in Deutschland nichts mehr dreht. Es muss ja alles dem Letzten passen. Ist die App dann endlich mal datenschutzgerecht und barrierefrei, muss sie nach natürlich auch noch gegendert werden. Aber das Wesentliche hat Deutschland nicht mehr drauf! Wir haben uns in Klein Klein verloren!

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