Missbrauch in der Kirche Kardinal Marx verzichtet auf Bundesverdienstkreuz

Bundespräsident Steinmeier wollte den früheren Chef der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Großen Verdienstkreuz auszeichnen. Daran gab es Kritik von Missbrauchsopfern, die dem Kardinal eine mangelnde Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche vorwerfen. Doch Steinmeier hielt an der Nominierung fest. Nun lehnt Marx die Auszeichnung ab.

Kardinal Reinhard Marx
Verzichtet auf das Große Bundesverdienstkreuz: Kardinal Reinhard Marx Bildrechte: dpa

Nach massiver Kritik von Missbrauchsopfern verzichtet der Münchner Kardinal Reinhard Marx auf die für Freitag geplante Auszeichnung mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik.

Marx begründet Verzicht mit Rücksicht auf Kritiker

Wie ein Sprecher des Erzbistums mitteilte, hat Marx Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gebeten, die Verleihung nicht vorzunehmen. Der Kardinal selbst begründete den Schritt mit Rücksicht auf diejenigen, die an der geplanten Verleihung Anstoß nähmen. Er sei überzeugt, dass das der richtige Schritt sei.

Die Kritik, die nun von Menschen geäußert wird, die von sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche betroffen sind, nehme ich sehr ernst, unabhängig von der Richtigkeit der einzelnen Aussagen.

Kardinal Reinhard Marx

Marx fügte hinzu, er wolle damit auch Schaden vom Amt des Bundespräsidenten fernhalten und negative Interpretationen verhindern im Blick auf andere Menschen, denen die Auszeichnung zuteil geworden sei.

Bundespräsident wollte Marx für Solidarität ehren

Marx sollte das Verdienstkreuz mit Stern und damit die vierthöchste der acht Stufen des Verdienstordens erhalten. Das Bundespräsidialamt wollte Marx damit für sein Wirken als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz von 2014 bis 2020 ehren. Dabei, so die Begründung, habe er sich besonders für Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft engagiert, etwa durch seinen Einsatz für die Aufnahme von Geflüchteten sowie gegen Populismus und Hetze.

Vorwurf mangelnde Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Kritik an der geplanten Ehrung kam von Missbrauchsbetroffenen. Hintergrund ist die aus Sicht der Betroffenen mangelhafte Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. Der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln erklärte, der Vorwurf der Vertuschung sei bei Marx "noch längst nicht ausgeräumt".

Der Trierer Verein Missbit erklärte, Marx habe in seiner Zeit als Trierer Bischof 2002 bis 2008 dazu beigetragen, Täter zu schützen, Gespräche mit Betroffenen zu verweigern, Menschen einzuschüchtern und Missbrauch zu verharmlosen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. April 2021 | 17:00 Uhr

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