MDRfragt - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Befragung: Vertrauen in Medien bei Mehrheit gesunken

Obwohl die meisten MDRfragt-Teilnehmenden angeben, den etablierten Medien zu vertrauen, ist dieses Vertrauen in den letzten 10 Jahren bei 60 Prozent gesunken. Das zeigt eine aktuelle Befragung zum Tag der Pressefreiheit, an der sich mehr als 23.000 Menschen beteiligt haben.

Unabhängige Medien sind wichtig für eine Demokratie - das steht für nahezu alle MDRfragt-Mitglieder, die sich an der Befragung zum Tag der Pressefreiheit beteiligt haben, fest. 76 Prozent messen unabhängigen Medien sogar eine sehr hohe Wichtigkeit bei, 18 Prozent empfinden sie schlichtweg als wichtig.

Bedeutung unabhängiger Medien für Demokratie
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Starke Vertrauensverluste für die Medien im letzten Jahrzehnt

Den etablierten deutschen Medienanbietern, also Angeboten von Zeitungen, Verlagen, Fernseh- und Radiosendern, vertraut mit 60 Prozent die Mehrheit der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Aber: Das Vertrauen ist bei ebenso vielen in den letzten zehn Jahren gesunken. Bei 36 Prozent ist es gleich geblieben. Gestiegen ist es lediglich bei 3 Prozent.

Vertrauen in die deutschen Medien
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Zum Thema Vertrauen in die Medien haben uns viele kritische Kommentare erreicht. Hier eine Auswahl:

Die etablierten Medien unterschlagen mir zu viele Meinungen, nur weil diese nicht der Mehrheit oder der Regierung gefallen oder einfach die Quoten drücken.

36-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

Ich vermisse sehr oft eine unabhängige Berichterstattung. Über manche Sachverhalte wird einfach nicht objektiv berichtet.

70-jährige Teilnehmerin aus dem Vogtlandkreis

Ich habe oft das Gefühl, dass die persönliche Meinung der Journalisten sich immer mehr in den Artikeln widerspiegelt. Es sollte sachlicher berichtet werden.

37-jähriger Teilnehmer aus Dresden

Ich beobachte, dass sinkende Leserzahlen und damit geringere Einnahmen politisch angepassten Journalismus fördern. Zunehmende Gewalt gegen Journalisten gefährdet außerdem eine freie und unabhängige Berichterstattung.

81-jähriger Teilnehmer aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Öffentlich-rechtliche Medien gelten bei rund zwei Dritteln als glaubwürdige Quelle

Wir haben auch danach gefragt, welche Quellen für die Befragten glaubwürdig sind, wenn sie sich über politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Themen in Deutschland informieren:

Glaubwürdige Quellen
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  • Die öffentlich-rechtlichen Medien stufen 64 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer als glaubwürdig ein. (An dieser Stelle der Hinweis: MDRfragt ist ein Angebot des Mitteldeutschen Rundfunks mit selbstrekrutierten Mitgliedern. Es ist naheliegend, dass ein Großteil der Mitglieder auch die Programme des MDR nutzt, was Einfluss auf die Beantwortung dieser Frage haben könnte.)

  • Verlage gelten bei 37 Prozent als glaubwürdig.

  • Gespräche im privaten Umfeld und reine Nachrichtenportale im Internet stufen jeweils 32 Prozent und damit knapp ein Drittel als glaubwürdig ein.

  • Informationen auf Social Media und im Internet ohne redaktionellen Hintergrund, beispielsweise bei YouTube, Facebook oder Instagram, findet lediglich jede oder jeder Zehnte glaubwürdig. Diese Informationsquelle hat bei den jüngsten Teilnehmenden (16 bis 29 Jahre) nur eine unwesentlich größere Glaubwürdigkeit als bei den älteren (13 % bzw. 8-11 %).

Diejenigen, die in der Befragung angegeben haben, den etablierten deutschen Medien gar nicht zu vertrauen, finden vor allem Gespräche im privaten Umfeld, reine Nachrichtenportale im Internet und Informationen auf Social Media ohne redaktionellen Hintergrund am glaubwürdigsten.

Deutliche Mehrheit findet, Aufkommen und Verbreitung von falschen Informationen hat zugenommen

Fake News sind falsche Informationen, die hauptsächlich über das Internet verbreitet werden. Auch früher gab es in den Medien Falschmeldungen, zum Beispiel die „Zeitungsenten“. Dennoch findet die große Mehrheit der MDRfragt-Mitglieder, die sich an der Befragung beteiligt haben, Aufkommen und Verbreitung von falschen Informationen sind mehr geworden (86 %). Dass sie gleich geblieben sind, finden 7 Prozent.

Einordnung von richtigen und falschen Informationen fällt fast zwei Dritteln schwerer

Fast zwei Drittel (64 %) haben angegeben, dass ihnen die Einordnung, ob es sich bei einer Nachricht um richtige oder falsche Informationen handelt, heute schwerer als früher fällt. 35 Prozent haben eigenen Angaben zufolge damit weniger oder keine Probleme.

Einordnung von richtigen und falschen Informationen
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Was die Politik gegen Fake News tun könnte, haben uns einige MDRfragt-Mitglieder in Kommentaren geschrieben:

Belege für Informationen einfordern. Es müsste strafbar sein, Informationen als wahr zu verbreiten, für die es keine Belege gibt, oder bei denen das Gegenteil klar belegt ist.

42-jährige Teilnehmerin aus Magdeburg

Ich sehe kaum Raum für Gegenmaßnahmen der politisch Verantwortlichen. Sie selbst versuchen (mal besser, mal schlechter) mit den Geschwindigkeiten der Medienverbreitung Schritt zu halten, weil sie auch nur ein Rädchen im großen Getriebe sind. Gegensteuernde Elemente dürften bei fortschreitender Digitalisierung und weltweiter Vernetzung faktisch unmöglich sein.

48-jähriger Teilnehmer aus Erfurt

Selbst ehrlich sein. Durch eigene, im Nachhinein aufgedeckte Lügen gibt die Politik den Verbreitern von Fake News nur noch Aufwind. Dadurch kann man keiner Seite mehr Glauben schenken.

51-jähriger Teilnehmer aus dem Erzgebirgskreis

Mehrheit wünscht sich mehr Bildungsangebote, investigativen Journalismus und Regionalität im Öffentlich-Rechtlichen

Wir haben die MDRfragt-Gemeinschaft auch danach gefragt, wie sich ihrer Meinung nach der öffentlich-rechtliche Rundfunk weiterentwickeln soll. Die Mehrheit wünscht sich, dass es mehr Bildungsangebote im Programm gibt (63 %), dass der Bereich hintergründiger und investigativer Journalismus ausgebaut wird (59 %) und dass mehr Regionalität im Programm beachtet wird (54 %).

Was sollte im Öffentlich-rechtlichen mehr werden?
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Eingeschränkt werden sollte dagegen für mehr als ein Drittel der Anteil von Sport im Programm (37 %). Die Anzahl von Fernseh- und Radiosendern ist für 32 bzw. 24 Prozent zu viel und sollte verringert werden. Das Thema Unterhaltung im Programm spaltet die MDRfragt-Gemeinschaft: Fast ebenso viele wie sich eine Verringerung wünschen würden, plädieren für eine Ausweitung (20 bzw. 19 %).

Hier einige Kommentare der MDRfragt-Mitglieder zum Thema:

Hinsichtlich Sport im Programm: Es gibt mehr Sportarten als Fußball und die meisten Sportarten finden kaum noch Beachtung im Fernsehen bzw. Radio.

50-jährige Teilnehmerin aus Dresden

Es gibt viel zu viele unsinnige Sender und Sendungen. Es gibt gefühlt 90 % Wiederholungen, Doppelt und dreifach Sendungen. Zeitversetzt an einem Tag die gleichen Sendungen (z.B. RBB, MDR, ZDF) und dazu noch alte Kamellen. Dafür bezahlt der Bürger auch noch Geld.

60-jährige Teilnehmerin aus dem Salzlandkreis

Ich finde, der Anteil der Sendungen zu bestimmten Themen sollte sich am Anteil der tatsächlichen Interessenten orientieren. Es sollte für alle Sendungen Prüfkriterien geben. Die Gebührenzahler sollten mehr Möglichkeiten der Mitsprache bekommen, z.B. Online-Feedback.

60-jährige Teilnehmerin aus der Altmark

Deutliche Mehrheit findet Spartensender berechtigt

Einzelne Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks richten sich an ein spezielles und damit kleineres Publikum. So gibt es zum Beispiel spezielle Info-, Doku-, Kultursender oder Sendungen für Minderheitengruppen, wie "Wuhladko", das Magazin in sorbischer Sprache. Auch, wenn in vielen Kommentaren Kritik an der Ausrichtung von Spartensendern und Special-Interest-Sendungen anklang, so ist für die deutliche Mehrheit (85 %) der MDRfragt-Mitglieder, die sich an der Befragung beteiligt haben, deren Existenz berechtigt. Für den Großteil davon (49 %) ist der derzeitige Umfang zufriedenstellend. 23 Prozent würden sich sogar noch mehr wünschen, 13 Prozent dagegen weniger. 6 Prozent finden, dass sie generell keine Berechtigung haben.

Etwas mehr als die Hälfte findet Orientierung an Einschaltquoten falsch

Sollte sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk maßgeblich an Einschaltquoten und Nutzungszahlen orientieren? Die Antwort darauf fällt innerhalb der MDRfragt-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer nicht so eindeutig aus. Zwar sind 52 Prozent eher dagegen. 43 Prozent sagen jedoch: ja, das sind wichtige Entscheidungskriterien für das Programm.

Über diese Befragung Die Befragung mit dem Titel "Medien in Deutschland - Zwischen Vertrauen und Glaubwürdigkeitskrise" lief vom 23.-26.04.2021.

An der Befragung haben 23.311 Menschen teilgenommen. Aktuell sind bei MDRfragt 43.663 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen angemeldet.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 30 Jahre: 396 Teilnehmende
31 bis 50 Jahre: 3.830 Teilnehmende
51 bis 64 Jahre: 9.676 Teilnehmende
65+: 9.409 Teilnehmende
Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 11.853 (51 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 5.900 (25 Prozent)
Thüringen: 5.558 (24 Prozent)
Verteilung nach Geschlecht:
Männlich: 55 Prozent
Weiblich: 45 Prozent

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Alter gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "MDRfragt". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR Kultur Spezial: "Öffentlich. Rechtlich. Künftig? Wozu es uns noch braucht" | 06. Mai 2021 | 18:00 Uhr