Steigende Preise Mehr Holzdiebstahl in Sachsen-Anhalt und Thüringen

Die Preise fürs Heizen mit Gas oder Öl steigen und auch Brennholz wird immer teurer. In Wäldern in Sachsen-Anhalt und Thüringen wird immer mehr Holz gestohlen und dabei verschwinden nennenswerte Mengen. Deswegen gibt es jetzt mehr technische Schutzmaßnahmen.

Schild gegen Holzdiebstahl
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Bis zu 200 Festmeter Holz werden täglich aus den Wäldern in Sachsen-Anhalt gestohlen – Tendenz steigend. Den Direktor vom Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt, Bernd Dost, macht das wütend: "Da eine Säge anzuwerfen und Schnitte durchzuführen – das ist schon an Dreistigkeit kaum noch zu übertreffen. Es geht hier nicht bloß um drei Holzscheite, sondern das sind schon nennenswerte Mengen, die da verschwinden und das können wir nicht tatenlos zulassen. Das ist ganz klar."

Die Kriminalstatistik zeigt ein ähnliches Bild: Laut Landeskriminalamt gab es in Sachsen-Anhalt im ersten Halbjahr 2022 fast doppelt so viele Fälle von Holzdiebstahl im Wald wie noch im Vorjahr.

In Thüringen verzeichnet die Landesforstanstalt ThüringenForst einen leichten Anstieg der Fälle. Sprecher Horst Sprossmann erzählt: "Wir können bestätigen, dass Holzdiebstähle sowohl im professionellen Bereich wie auch im kleineren, das heißt im privaten Bereich, zugenommen haben – zumindest im Jahr 2022. Natürlich geschuldet der Energiediskussion und den relativ hohen Holzpreisen. Da haben wir tatsächlich eine etwas regere Aktivität feststellen müssen."

GPS-Tracker gegen Holzdiebstahl

Um gegen Holzdiebstahl vorzugehen, kommen GPS-Tracker zum Einsatz. Die Sender sind so groß wie eine Streichholzschachtel und werden in die Holzstämme gesteckt, die am Waldweg liegen. Sobald das Holz bewegt wird, löst das eine Meldung aus, die aufs Smartphone geschickt wird – zum Beispiel vom Förster.

Das Landeskriminalamt Sachsen kann in diesem Jahr noch keinen Anstieg von Holzdiebstahl im Wald verzeichnen. Hans Kraske, Geschäftsführer vom sächsischen Waldbesitzerverband, bekommt aktuell etwas häufiger mit, dass Brennholz aus dem Wald gestohlen werde: "Eine kleine Fuhre ist als solches genommen nicht viel an Geld wert. Für den einzelnen Waldbesitzer, der das verliert oder denjenigen, der das aufbereitet hat, ist das natürlich schon ein herber Verlust. Zumal da auch die Arbeit mit einberechnet werden müsste."

"Der Wald hat viele Augen"

Beim Holz- und Forstservice-Unternehmen Oldershausen, das viele Waldbesitzerinnen und -besitzer in Mitteldeutschland berät, macht sich Holzdiebstahl ebenfalls nur vereinzelt bemerkbar. Brennholz sei aktuell sehr stark nachgefragt und teuer, sagt Geschäftsführer Thorsten Nothwehr.

Das sei aber kein Grund, sich im Wald einfach zu bedienen – zumal man auch zwischen Bäumen und Geäst nicht unbeobachtet sei: "Es gibt einen Spruch, der auch in diesem Fall sehr gut zutrifft: 'Der Wald hat viele Augen' oder 'Der Wald hat tausend Augen'. Man sollte nicht glauben, dass man im Wald ganz ungesehen und allein unterwegs ist, sondern tatsächlich überraschen wir auch die entsprechenden Personen, die dort unterwegs sind", sagt Nothwehr. Es seien Förster, Jäger und Waldbesucher unterwegs, weshalb vieles nicht unerkannt bleibe.

Die Forstwirtschaft brauche die Einnahmen aus dem Holzverkauf, um die Wälder wieder aufforsten zu können. Wer im Winter mit Holz heizen wolle, solle das also ordnungsgemäß kaufen und nicht illegal aus dem Wald holen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 10. August 2022 | 06:16 Uhr

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