Warnsystem Sachsen und Sachsen-Anhalt sollen mehr Sirenen bekommen

Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wird über den Zustand der Warnsysteme diskutiert. Auch der Warntag 2020 hatte gezeigt, dass in Deutschland nachgerüstet werden muss. Mit einem Förderprogramm des Bundes soll dafür nun auch Geld nach Mitteldeutschland fließen.

Warn- und Informationssystem KATWARN
Apps oder Sirene? Derzeit wird in Deutschland viel über verschiedene Warnsysteme diskutiert. Bildrechte: IMAGO / Rüdiger Wölk

Jeden ersten Samstag im Monat ertönen um Chemnitz herum Sirenen. Zwölf Sekunden Probealarm und dann eine Stimme, die diesen kenntlich macht. In der Stadt selbst bleibt es dagegen still.

Keine Sirenen mehr in Innenstädten

Das ist auch in vielen anderen Städten so, seitdem sich der Bund in den 90er-Jahren aus dem Sirenengeschäft zurückgezogen hat. Die Folgen beschreibt Chemnitz' Pressesprecher Matthias Novak: In den Innenstädten gebe es keine Sirenen mehr, weil sie vor Jahrzehnten abgebaut worden seien.

Man setze eher auf den digitalen Weg, erklärt Novak: "Wir empfehlen als Stadt allen Menschen, die ein Smartphone haben, die Installation der Warn-App NINA, um dort Warnmeldungen entgegennehmen zu können."

Sirenen nach wie vor wichtiges Warnmittel

Apps oder SMS statt Sirenen: Ob das eine gute Strategie ist, darum ist spätestens mit dem Warntag 2020 eine Diskussion entbrannt. Damals sollten bundesweit alle Warnsysteme getestet werden – und das Ergebnis selbst war vielerorts alarmierend.

Auch in Sachsen-Anhalt, wie sich der Geschäftsführer des dortigen Städte- und Gemeindebundes, Bernward Küper, erinnert: Man habe schmerzlich festgestellt, "dass diese Infrastruktur nicht mehr da ist" und auch nicht ersetzt werden könne durch Smartphones beziehungsweise Apps oder dergleichen. Es gebe viele Menschen, die die Apps nicht benutzten, und man habe festgestellt, dass die "akustische Warnung unter vielen anderen Wegen der Warnung ein wichtiges Medium ist, wo wir wieder einsteigen müssen."

750 neue Sirenen für Sachsen-Anhalt geplant

Nachholbedarf gibt es in Sachsen-Anhalt nach Angaben des Innenministeriums vor allem in den Städten. Doch das soll sich ändern. Unter anderem mit einem Förderprogramm des Bundes. 2,4 Millionen Euro bekommt Sachsen-Anhalt daraus. Das Land will diese Summe noch aufstocken und damit unter anderem 750 neue Sirenen aufstellen.

Rüdiger Erben, innenpolitischer Sprecher der SPD in Sachsen-Anhalt, findet das grundsätzlich gut – bezweifelt aber, dass es damit ein flächendeckendes Sirenennetz gäbe. "Da brauchen wir eine viel größere Kraftanstrengung", sagt Erben. In Sachsen-Anhalt liege es nicht an der Zahl der Sirenen. Man müsse diese auch sicher ansteuern.

Sachsen plant mit neuer Technik

Sachsen bekommt 4,3 Millionen Euro vom Bund. Das reicht für rund 300 neue Sirenen und viel neue Technik, wie Andreas Kunze-Gubsch, Referatsleiter Katastrophenschutz im Innenministerium, überschlagen hat.

Vor allem die Sprachdurchsagen seien für die Menschen wichtig, um neben dem Sirenenton auch Informationen weitergeben zu können – beispielsweise wie man sich zu verhalten habe, erklärt Kunze-Gubsch.

Vorbild könnte hier die Stadt Dresden sein: Dort wurde nach dem Elbe-Hochwasser die Technik auf den neuesten Stand gebracht. Jetzt gibt es mehr als 200 Sirenen, die sogar digitale Liveansagen übertragen können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Juli 2021 | 08:47 Uhr

17 Kommentare

Steffen1978 vor 1 Wochen

wieder völliger Quatsch!

Seit 14. September 2019 gelten in der EU neue Sicherheitsvorgaben beim Onlinebanking PSD2. Alternativen sind nur noch TAN-Generatoren und SMS, die z.B. Amazon, Amex nutzen.SMS war niemals weg und hat heute mehr bedeutung als jemals vorher.

Norbert 56 NRW vor 1 Wochen

Das ist pure Klugscheisserei, z.B. meine Schwiegermutter hat kein Handy und will auch keins. Unsinn ist das, was Sie hier von sich geben....Vor allem eine überflüssige Diskussion, wem nutzt eine Warnung App wenn das Netz absäuft ? Sirenen kann man zur Not per Hand betreiben. Wer die Realität nicht kennt sollte besser den Ranzen halten. Kommt im Moment nicht so toll, Laberbacken gibt's schon genügend in der Politik.

Altmeister 50 vor 1 Wochen

Vielleicht liegt es an mir aber allmählich komme ich bei der Sirenendiskussion und der Vernachlässigung anderer Parameter intellektuell nicht mehr mit. Eine Alarmsirene ist doch nur die letzte Stufe der unmittelbaren Gefahrenabwehr im Minuten- oder Stundenbereich. Bei Wetterlagen wie in NRW und RP hatten wir es mit mindestens 4 Tagen Vorlaufzeit zu tun, wo jeder Gemeinde-Bürgermeister per Fax (Achtung Ironie) von der Katastrophenleitstelle des Landes hätte gewarnt werden und eine vorsorgliche Evakuierung vornehmen können.
Für mich eher wahrscheinlich ist es allerdings, dass mittlerweile große Teile der Bevölkerung und Behörden so von übertriebenem Alarmismus und Notstandshysteriebereichen (Klima, Nazi, Corona) abgestumpft sind (und diese zum Teil dem Realitätsvergleich nicht standhalten), so dass das Gefühl für wirkliche Gefahren gar nicht mehr vorhanden und ernst genommen wird.
Da werden Sirenen auch nur in speziellen Ausnahmefällen helfen. Das Kernproblem bleibt.

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