Online-Handel, Take Away & Co. Verbraucher machen in der Corona-Pandemie mehr Müll

Wie haben Sie heute morgen Ihren Kaffee getrunken – zu Hause aus einer Tasse oder unterwegs aus einem To-Go-Wegwerfbecher? Fast drei Milliarden solcher Becher landeten 2019 in Deutschland im Müll. Tendenz steigend. Und auch sonst scheinen die Deutschen wegzuwerfen, was das Zeug hält. MDR-AKTUELL-User Thomas Uhlig hat gefragt: "Wieviel Müll produzieren wir eigentlich und wie viel davon wird ins Ausland exportiert?"

Gelbe Säcken, gefüllt mit Verpackungsabfall, liegen zur Abholung bereit.
Nach Angaben des Umweltbundesamts hinterließ jeder Deutsche 2018 einen Verpackungsberg von 227 Kilogramm. Bildrechte: dpa

So viel vorweg: Deutschland erreicht einen wenig schmeichelhaften Spitzenplatz, wenn es um den Export von Müll geht. Kein anderes EU-Land verschifft so viel Abfall ins Ausland, wie wir. 2019 waren es allein über eine Million Tonnen. Hauptabnehmer war über viele Jahre China. Weil dort aber immer mehr schlecht sortierter Müll ankam, der sich kaum recyceln ließ, hat China seine Grenzen für die Abfallflut dichtgemacht. Dabei gibt es international ein präzises Regelwerk, erklärt Peter Kurth, geschäftsführender Präsident vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft. "Im Regelfall müssen die Abfallhandelsvorgänge notifiziert werden. Unsortierter Müll, der einfach nur beseitigt werden und auf eine Deponie gebracht werden soll, darf nicht exportiert werden."

Wo landet deutscher Müll?

Doch nicht überall wird dieses Regelwerk gleich streng ausgelegt. Und so landet der meiste Müll inzwischen in Malaysia. Aber warum importieren Länder eigentlich Müll? Sie bekommen dafür Geld. Außerdem können sie den Abfall meist noch für die eigene Produktion nutzen, erklärt Kurth. "Wenn Länder eine Nachfrage nach Papier haben, dann greifen sie auf Altpapiermengen zurück aus Ländern, die eine sehr gut entwickelte Papiersammlung haben."

Deutscher Müll allerdings bleibe seit dem Importstopp nach China größtenteils in Europa – nämlich zu 90 Prozent. Hauptumschlagplatz seien die Niederlande, gefolgt von Frankreich, Polen und Bulgarien. Aber auch hier existierten häufig keine umweltgerechten Entsorgungsstandards, mahnt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe: "Gerade dann, wenn die Qualität der exportierten Kunststoffe gering ist, wird ein sogenanntes 'Cherry-Picking' vorgenommen: Man sucht sich die werthaltigen Materialien in den Zielländern raus. Die Reste werden häufig illegal in der Umwelt entsorgt. Insofern muss man beim Export sehr, sehr vorsichtig sein."

Mehr Verpackungsmüll durch Corona

Schon vor Corona war das Müllaufkommen in Deutschland stetig gestiegen. Laut Umweltbundesamt hinterließ jeder Deutsche 2018 einen Verpackungsberg von 227 Kilogramm. In Zeiten des Homeoffice kaufen die Menschen nun noch mehr abgepackte Lebensmittel oder bestellen Essen in Einwegbehältern nach Hause. Noch größer wird der Verpackungsberg durch den Online-Handel, resümiert Peter Kurth vom BDE: "Also hier haben wir einen Anstieg, der wirkt sich aber auf die Gesamtmenge der Abfälle nicht so aus, weil wir insbesondere bei Hotels, Gastronomie, Messen, Flughäfen ganz massive Rückgänge haben."

Kein Grund zum Jubeln, sagt Thomas Fischer von der Umwelthilfe. Ihn ärgert vor allem, dass die Politik zu wenig Druck macht, um Abfallmengen nachhaltig zu reduzieren. Dass Gastronomen bald verpflichtet seien, beim Außer-Haus-Verkauf Mehrwegverpackungen zu nutzen, sei eine Alibi-Lösung, meint er: "Eine reine Angebotspflicht wird nicht dazu führen, dass diese Systeme in der Breite genutzt werden. Deshalb brauchen wir eine Einmalabgabe auf Einweg-Coffee-To-Go-Becher und Einweg-Essensboxen." Viele Restaurants und Cafés haben in Zeiten der Corona-Pandemie den Einsatz von Mehrwegverpackungen komplett eingestellt. Der ohnehin schon große Berg an Verpackungsmüll dürfte damit wohl noch anwachsen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. April 2021 | 06:24 Uhr

7 Kommentare

AlexLeipzig vor 25 Wochen

Gerne, aber die Realität zeigt leider, daß insbesondere Umweltschutz von sehr Vielen nicht ernst genommen wird, sondern es nur, wenn es was kostet. Wenn beispielsweise die Einwegverpackung 5,- Euro Pfand kostet, fliegt sie wohl nicht mehr so schnell aus dem Autofenster. Und wenn sich die Politik gegenüber der Industrie durchsetzt und kompostierbare Verpackungen für "to-go-Produkte" aus nachwachsenden Rohstoffen verpflichtet (und nicht diese sinnlosen "freiwilligen Selbstverpflichtungen"). Beim Müll zeigt sich leider überdeutlich, wir wenig Verantwortungsbewusstsein bei vielen Menschen da ist, wie Sie es selbst an den achtlos weggeworfenen Masken am Wegesrand beschrieben haben.

Lumberjack vor 25 Wochen

@Dietmar
"Ihr Versuch es der Regierung anzudichten ist schäbig." Hab ich das oder interpretieren Sie das? Ich kann die Passage nicht in meinem Kommentar finden. Schäbig ist allerdings die Unterstellung dieser Andichtung. In dem von mir beschriebenen Außenbereichen kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dort Regierungsmitglieder unterwegs wären und ihre Masken entsorgen ... nein, keinesfalls würden sich Regierungsmitglieder dort aufhalten.

zenkimaus vor 25 Wochen

Was mir 2020 aufgefallen ist. Müll überall. Im Wald, am Badesee überall. selbst wenn Müllsäcke von privat gebracht und abgeholt werden schaffen es viele nicht den Müll da hinein zu tun. Es ist so widerlich wie die Menschen mit der Natur umgehen. Ich schließe mich da nicht aus, ich versuche zu vermeiden was geht.

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