Mietwohnungen Vonovia: Mieter fordern Ende des Ärgers mit Nebenkosten

Der Großvermieter Vonovia steht weiter in der Kritik, seinen Mietern überhöhte Abrechnungen für Nebenkosten zu schicken. Einer Rentnerin, die sich dagegen wehrte, wurde mit einer Kündigung gedroht. In Dresden sollen Einsätze des Hausmeisters abgerechnet worden sein, die es nicht gab. In vielen Städten Deutschlands werden Mieter nun aktiv, um sich das nicht mehr gefallen zu lassen.

In Leipzig, Dresden, Berlin oder München – in ganz Deutschland klagen Mieter über intransparente und überhöhte Nebenkostenabrechnungen durch den Konzern Vonovia. "Bei der Vonovia handelt sich um einen Konzern, der sowas auch in einer Geschäftsstrategie plant", sagt Daniel Zimmermann vom Deutschen Mieterbund. Es handele sich um ein System und nicht um Einzelfälle.

So hatten sich vor kurzem Mieter und Aktivisten zu einem bundesweiten Aktionstag zusammengefunden. Vor dem Vonovia-Büro in Leipzig forderten sie  auf Plakaten: "Ein Ende der Abzocke". Der Unmut über den Großvermieter ist groß.

Dortmund: Heizkörper 35 Jahre alt

Früher hat Alwin Bartsch in seiner Wohnung in Dortmund oft gefroren, denn die Heizkörper waren über 35 Jahre alt. Und durch die ebenso alten Holzfenster pfiff der Wind. Er nennt den Zustand "eine Zumutung" und sagt, die Vonovia habe anfangs nicht darauf reagiert.

Dann reagierte die Vonovia doch und tauschte die alten Heizkörper und Fenster aus. Als Alwin Bartsch dann im September letzten Jahres sah, wie viel mehr er deshalb an seinen Vermieter entrichten sollte, wurde ihm abwechselnd warm und kalt. Um fast 149 Euro erhöhte sich seine monatliche Kaltmiete.

Er sagt: "Ich erwarte von der Vonovia eine faire Abrechnung, wo wirklich auch entsprechend die Alt-Teile, die hier seit über 50 oder seit gut 50 Jahren in der Wohnung vorhanden waren, auch in der Berechnung mit berücksichtigt werden."

Kosten dürfen nicht vollständig auf Mieter umgelegt werden

Dabei hat der Bundesgerichtshof mit einem Urteil im letzten Jahr die Rechte von Mietern wie Alwin Bartsch gestärkt. Danach können Vermieter beim Ersetzen von Bauteilen, deren Lebensdauer zu seinem sehr großen Teil abgelaufen sei, die Kosten nicht vollständig auf den Mieter umlegen. Die Mieter der Wohnanlage in Dortmund empfinden es als ungerecht, dass sie trotzdem den Großteil der Kosten für den Austausch ihrer Heizungen und Fenster tragen müssen.

Matthias Wulff, der Pressesprecher von Vonovia, erkennt darin keinen Widerspruch: "Wir haben das sehr professionell gemacht. Wir haben uns genau angeguckt, wie sind die Kosten? Wir haben einen großen Anteil der Kosten auch selber übernommen, ohne die in diese Modernisierungsumlage zu bringen."

Eine Kostenzusammenstellung der Vonovia beweist allerdings das Gegenteil. Danach übernimmt der Vermieter für den Austausch der wärmegedämmten Kunststoff-Fenster als Instandhaltungsanteil lediglich 10 Prozent der Ausgaben. Die Kosten für den Austausch der Heizung müssen viele Mieter allein tragen. 

Vonovia drohte Rentnerin mit Kündigung der Wohnung

"Ich wohne seit fast acht Jahren in Anger Crottendorf und seit reichlich vier Jahren ist Vonovia unser Vermieter", sagt Ursula Plöse. Und damit hätten für die 80-Jährige die Probleme begonnen. Eines davon: zu hohe Abrechnungen für die Heizung und das Wasser. Die Rentnerin liest regelmäßig ihre Zählerstände ab. Doch Vonovia würde den Verbrauch einfach nach der Wohnungsgröße schätzen.

Ältere Dame mit Mundschutz
Seit vier Jahren ist Vonovia der Vermieter von Ursula Plöse. Seitdem gibt es Probleme, sagt sie. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schon in der ersten Abrechnung "hat Vonovia Wasser und Heizung in einem Preis zusammengezogen", berichtet Ursula Plöse. So etwas gehe einfach nicht. "Ich sollte dann […] 306 Euro bezahlen." Nach ihren Berechnungen hätte Ursula Plöse für dieses Jahr lediglich 87 Euro zahlen müssen.

Sie hatte die Vonovia um eine Korrektur der Abrechnung gebeten. Als diese ausblieb, kürzte sie ihre Miete um die ihrer Meinung nach zu viel gezahlte Summe. "Dann hat Vonovia mir Mahnungen geschickt. Man würde auch die Wohnung kündigen", sagt die Rentnerin.

Vorwürfe: Zu hohe Kosten bei Wasser, Heizung oder Hausmeister

In anderen Städten in Deutschland werfen Mieter der Vonovia vor, dass mal die Hausmeisterkosten zu hoch angesetzt seien oder mal Leistungen abgerechnet würden, die nicht erbracht worden sind.  Das Unternehmen vermietet deutschlandweit 355.000 Wohnungen. Im vergangenen Jahr erhöhte sich der Gewinn um elf Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Dazu trügen auch die überhöhten Nebenkosten bei, sagt Daniel Zimmermann vom Mieterbund.

Die Vonovia äußert sich gegenüber MDR exakt nur schriftlich zu den Vorwürfen: "Wenn es Nachfragen und Klärungsbedarf gibt, gehen wir mit unseren Mieterinnen und Mietern ins Gespräch, klären Fragen bei unseren Dienstleistern und stellen selbstverständlich Belege und angeforderte Informationen zur Verfügung."

Dresden: Vonovia soll zu große Fläche angesetzt habe

Doch mit solchen Belegen haben Mieter der Vonovia in Dresden andere Erfahrungen gemacht: Es geht um falsch umgelegte Nebenkostenabrechnung "und da wird mit folgenden Tricks gearbeitet", sagt Dietmar Leuthold. "Einmal wurden die Außenanlagen mit mehr Fläche angesetzt, als vorhanden ist." Die Mieter haben mit Lasertechnik nachgemessen.

Zwei Männer auf Gartenstühlen
René Tannhäuser (links) und Dietmar Leuthold beklagen falsche Nebenkostenabrechnungen durch Vonovia. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diese Grundstücksfläche dient als Bezugsgröße für Leistungen wie Winterdienst, Rasen mähen oder Laub harken, die als Nebenkosten abgerechnet werden. Der Ärger mit dem Vermieter begleitet die Mieter schon lange. "Das Thema hatten wir ja schon seit Jahren auf dem Schirm und es sind immer dieselben Probleme", sagt Mieter René Tannhäuser. Von Vonovia seien sie immer nur hingehalten wurden.

Mieter fordern Rückzahlung von 100 Millionen Euro

Die Mieter verdächtigen die Vonovia außerdem, es würden Leistungen abgerechnet, die überhaupt nicht erbracht worden seien. Deshalb führen sie eine Liste und tragen ein, wann Laub geharkt oder Schnee gefegt wird. Besonders auffällig: sogar an Weihnachten soll Laub entfernt worden sein.

Dieser Heiligabend war an einem Sonnabend. Wer glaubt, dass da jemand gearbeitet hat, glaubt an den Weihnachtsmann.

Dietmar Leuthold Mieter bei Vonovia

Um eine korrekte und nachvollziehbare Betriebskostenabrechnung zu erreichen, hat Dietmar Leuthold die Vonovia vor Gericht verklagt. Der Großvermieter wurde dazu verurteilt, dem Mieter Belegeinsicht zu gewähren.

Dabei hätten die Anwälte von Vonovia erklärt, dass weitere Unterlagen nicht herausgegeben werden könnten, weil "die nicht existieren", sagt Dietmar Leuthold. "Jetzt ist die Frage, wenn die nicht existieren, wie berechnen die denn das, was uns umgelegt wird?"

Gewinn des Unternehmens steigt um elf Prozent

Viele Dienstleistungen, die als Betriebskosten abgerechnet werden, lässt die Vonovia von Tochterunternehmen erledigen und abrechnen. Die dabei erzielten Gewinne können dann in der Betriebskostenabrechnung auf den Mieter umgelegt werden, vermutet Katrin Kroupova vom Mieterverein Dresden. Sie sieht darin einen Widerspruch zum Mietrecht, denn danach dürfen als Betriebskosten nur tatsächlich regelmäßig anfallende Kosten vom Mieter verlangt werden.

Es gibt ein Urteil vom Landgericht in Dresden, "wo die Vonovia selbst im Verfahren mitgeteilt hat, es bestünde kein Gewinnerzielungsverbot zwischen konzerninternen Töchtern, die miteinander Dienstleistungsverträge abschließen", sagt Katrin Kroupova. Damit bestehe für die Mieter das Risiko, dass ein Subunternehmen noch etwas draufschlage, was die Konzernmutter wiederum auf die Mieter umlege. Vonovia bestreitet das: "Die eigenen Dienstleistungen werden zu marktüblichen Preisen erbracht, daraus resultieren überschaubare, marktübliche Deckungsbeiträge."

Vonovia-Mieter haben sich jetzt deutschlandweit in 15 Städten zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Sie wollen ihre Aktivitäten bündeln und gemeinsam für transparente und realistische Betriebskostenabrechnungen kämpfen. In einem aktuellen Brief an den Vorstandvorsitzenden Rolf Buch von Vonovia fordern sie, 100 Millionen Euro jährlich an die Mieter zurückzuzahlen – denn das seien die zu Unrecht erwirtschafteten Gewinne.

Quelle: MDR exakt/FAKT

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 04. Mai 2021 | 21:45 Uhr

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