Inlandstourismus Wie gefragt sind mitteldeutsche Urlaubsziele in Corona-Zeiten?

Noch gut drei Wochen bis Ostern – ob Ferienunterkünfte bis dahin wieder öffnen dürfen, ist mehr als unklar. Auch wie es in den Sommerferien aussieht, hängt von vielen Faktoren ab. Doch einen Urlaub zu planen, ist ein kleiner Trost in der Pandemiezeit. Deshalb gehen viele Deutsche auf Nummer sicher und buchen wie schon im vergangenen Jahr einen Urlaub in Deutschland, in der Hoffnung, dass dieser dann auch stattfinden kann. Profitieren davon auch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

Knappensee
Das Lausitzer Seenland gehörte 2020 aus touristischer Sicht zu den Pandemie-Gewinnern. Bildrechte: imago/Hanke

Kathrin Winkler fühlt sich täglich ein bisschen wie im Urlaub. Zwei Mal am Tag radelt sie am Senftenberger See in der Lausitz. Denn dort ist ihr Arbeitsplatz – sie führt die Geschäfte beim Tourismusverband Lausitzer Seenland. Die Region habe auf gewisse Weise von der Pandemie und dem Urlaub der Deutschen im Inland profitiert: Das Lausitzer Seenland sei viel bekannter geworden und habe so viele Gäste wie nie gehabt, nicht nur aus der Nähe.

Und es sei die Reiseregion deutschlandweit gewesen, die 2020 die geringsten Verluste verbucht habe, erzählt Winkler. Sie erwarte deshalb eine ähnliche Entwicklung in diesem Jahr. "Wo sich die Zahlen einspielen werden, das hängt natürlich davon ab, wann die Regierung die Möglichkeit eröffnet, Übernachtungen wieder möglich zu machen." Ostern sei immer das ganz große Geschäft, was man eigentlich gerne mitnehmen wolle. "Das sieht ja momentan eher schlecht aus. Man muss wissen, ein Hotel braucht einfach 14 Tage, um wieder hochgefahren zu werden, um am Markt tätig zu sein."

Deutsche wollen dieses Jahr wieder Inlandsurlaub machen

Auch im Rest von Sachsen hoffen die Anbieter darauf, dass Reisen bald wieder möglich ist. 40 Prozent Umsatz sind im vergangenen Jahr im sächsischen Tourismus weggebrochen. Der Hoffnungsschimmer: Die Deutschen wollen laut Umfragen wieder verreisen und viele auch in diesem Jahr im Inland bleiben.

In Sachsen seien Unterkünfte für die Ferienmonate im Sommer schon gut gebucht, sagt Andrea Kis, Vize-Chefin beim Tourismusverband Sachsen: "Die Leute buchen schon, insgesamt gerade wegen den Unsicherheiten. Wir sehen zwei Pole: Gäste, die auf Nummer sicher gehen wollen – was gebucht ist, kann mir keiner mehr nehmen." Dazu böten viele Veranstalter und Gastgeber auch großzügige Stornobedingungen an. "Dann gibt es den zweiten Teil der Gäste, die sagen, ich entscheide kurzfristig."

Tourismusverbände erwarten Ansturm nach dem Lockdown

Wie schon 2020 zieht es die Menschen in die Natur, beispielsweise zum Wandern, Radfahren oder Campen am Wasser. Damit können neben Sachsen, auch Sachsen-Anhalt und Thüringen punkten. Der Geschäftsführer der Thüringer Tourismus GmbH Franz Hofmann sagt, er sehe eine klare Tendenz – weg von den großen Städten in die weniger besuchten Naturlandschaften, um den direkten oder vielfachen Kontakt mit anderen Personen aufzubrechen. "Thüringen hat hier eine sehr gute Chance, weil dieses Bedürfnis auch abgedeckt werden kann." Doch noch seien die Menschen zurückhaltend beim Buchen.

Das beobachtet auch sein Amtskollege beim Tourismusverband Sachsen-Anhalt, Martin Schulze: "Das liegt daran, dass jegliche Perspektive fehlt. Die Gäste wissen nicht, wann der Tourismus wieder stattfinden wird und halten sich deswegen stark zurück." Die Zurückhaltung sei dabei noch stärker als letztes Jahr im ersten Lockdown. "Wir erwarten aber, sobald klar ist, dass Tourismus wieder stattfinden kann und dass alles wieder öffnen wird, einen richtigen Run."

An Rekordergebnisse von 2019 werde man nicht anknüpfen können. Trotzdem sei die Pandemie auch eine Chance, dass die Deutschen Regionen in der Heimat kennenlernten und wiederkämen. Aber Schulze sagt auch klar, zahlreiche Existenzen seien bedroht. Viele könne man nur retten, wenn es bald wieder losgehe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. März 2021 | 06:00 Uhr

2 Kommentare

MDR-Team vor 5 Wochen

Hallo joeba6027, inwieweit und ob die bislang entwickelten Impfstoffe auch gegen Mutationen des Coronavirus schützen muss derzeit noch untersucht werden. Von voreiligen Schlüssen ist daher noch abzuraten. (Quelle: https://www.mdr.de/brisant/coronavirus-mutation-100.html) Viele Grüße die MDR.de-Redaktion

joeba6027 vor 5 Wochen

Auch ich habe Osterurlaub gebucht, glaube aber nicht, dass die Hotels öffnen dürfen. Ehrlich gesagt sehe ich auch kein Licht am Ende des Tunnels. Ich glaube , dass sich das Virus so verändern wird, dass der jetzige Impfstoff nicht mehr wirkt und alles geht von vorne los. Mit dem Virus leben wird die einzige Alternative sein.

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