Nachhaltigkeit im Trend Kampf um grüne Fördergelder

Um zusätzliche Anreize zu nachhaltigen Investitionen zu schaffen, werden häufig staatliche Fördermittel bereitgestellt. Sie sind so stark nachgefragt, dass es nun strengere Auflagen geben soll. Experten erklären den Konkurrenzkampf um die Fördertöpfe.

Windräder und Solaranlagen
Aufgrund hoher Energiepreise, Putins Krieg und der Klimakrise interessieren sich Verbraucher immer mehr für nachhaltige Energie. Bildrechte: IMAGO/YAY Images

"Fördertopf für energieeffiziente Neubauten binnen Stunden leer", "Fördertopf für Solar-Investitionen nach drei Tagen leer", "Förderung für Lastenfahrräder in Leipzig und Dresden begehrt" – so lauten viele Schlagzeilen der jüngeren Vergangenheit. Doch woher kommt der "Run" auf die grünen Fördergelder?

Hürden für Förderung zu niedrig

Mirko Twardy leitet den Bereich Fördermittelmanagement bei der Kölner Unternehmensberatung Kakuschke & Partner. Er sagt: "Bei diesen speziellen Themen oder auch bei der Elektroautoförderung ist es so, dass die Hürden zu niedrig waren, sodass die Förderung quasi ganz einfach mitgenommen werden konnten."

Viele nutzten diese Förderung mit niedrigen Hürden dann schlicht als "bessere Finanzierungsform". So zum Beispiel gerade bei der KfW-Förderung für das Energieeffizienzhaus 40. Die Bauvorgaben entsprechen hier längst dem Standard, der immer verbaut wird. Einen richtigen Anreiz, energieeffizienter zu bauen als es dieser Standard vorsieht, gibt es dann nicht.

Alexander Steinfeldt von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online sagt, Verbraucherinnen und Verbraucher würden sich vor allem für Wärmepumpen, Solarenergie und E-Mobilität interessieren: "Diese sind noch relativ teuer, sodass staatliche Förderungen stark nachgefragt werden, auch notwendig sind für die Finanzierung. Und die Regierung kaum mit der Nachfrage mithalten kann. Das betrifft sowohl die Höhe der verfügbaren Mittel als auch die Geschwindigkeit, mit der die Anträge bearbeitet werden."

Nachhaltigkeit im Trend

Christian Handwerk ist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Referent für energetisches Bauen und Bauphysik. Der Ansturm auf Fördermittel ist aus seiner Sicht nicht neu: "In unserer Beratung sind die Fördermittel eigentlich immer ein Renner, wenn ich das mal so ausdrücken darf. Denn natürlich ist es für Ratsuchende immer interessant, wie sie ihre Finanzierung optimieren können, wie sie vielleicht ein paar Zuschüsse erhalten."

Und trotzdem: Umwelttechnik, Nachhaltigkeit – das alles liegt im Trend. Alexander Steinfeldt von co2online fasst zusammen: "Drei Krisen prägen gerade die hohe Nachfrage nach staatlichen Fördermitteln. Das ist einmal die Klimakrise, die hohen Energiepreise für Energie und Gas und der Krieg in der Ukraine. Das führt nun in der breiten Bevölkerung zu einem Umdenken."

Die Leute wollten sich unabhängig machen von fossilen Energien. Das gelte auch für die Unternehmen, sagt Unternehmensberater Mirko Twardy.

Fördertöpfe seit Pandemie wieder präsent

Und die seien erst durch die Coronakrise wieder so richtig auf Fördertöpfe aufmerksam geworden: "Fördergelder sind durch Coronahilfen erst wieder in den Vordergrund gerückt. So hat man als Unternehmen halt jetzt auch viel mehr Fokus darauf und sagt: Bei den Coronahilfen war das so einfach, dann lass uns doch mal etwas anderes angehen."

Die Fördertöpfe seien nun mal endlich. Alle drei Experten sind sich aber einig: Bund, Länder und Kommunen werden grüne Technologien auch in Zukunft weiter fördern. Und dann heißt es: Schnell sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. April 2022 | 06:00 Uhr

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