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Am 11. August 1922 wird "Das Lied der Deutschen" in der Weimarer Republik zur Nationalhymne erklärt. Bildrechte: imago/Steinach

Weimarer RepublikDeutsche Nationalhymne wird 100 Jahre alt

von Sarah Bötscher, MDR AKTUELL

Stand: 11. August 2022, 12:40 Uhr

Sie läuft im Fußballstadion, bei Besuchen des Bundespräsidenten im Ausland oder bei Staatsakten im Bundestag: Die deutsche Nationalhymne. Manche singen sie voller Inbrunst mit, bei manchen bewegen sich die Lippen überhaupt nicht. Heute wird die Nationalhymne 100 Jahre alt – aber bedeutet sie uns überhaupt noch etwas?

Textsicher sind die Menschen in der Leipziger Südvorstadt eher nicht, wenn es um die deutsche Nationalhymne geht. Das zeigt eine Umfrage von MDR AKTUELL. Auch sonst scheint sie vielen egal zu sein.

Clemens Escher ist Historiker in Berlin und hat sich in seiner Doktorarbeit mit der deutschen Nationalhymne beschäftigt. Er sagt: Nach 100 Jahren hätten die Deutschen zur Hymne ein gespaltenes Verhältnis. "Dass wir eben wissen, warum die erste Strophe nicht mehr gesungen werden sollte. Und wir wissen, dass die zweite Strophe so eine Sauf-Strophe ist, mit Wein, Weib und Gesang, tief im 19. Jahrhundert verwurzelt. Und dann gibt es eben noch "Einigkeit und Recht und Freiheit" und darauf kann man sich dann doch einigen."

1922: "Das Lied der Deutschen" wird Nationalhymne

Die Melodie der heutigen Nationalhymne komponiert Joseph Haydn Ende des 18. Jahrhunderts – den Text für "Das Lied der Deutschen" dichtet August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Zur Hymne wird es 1922. Im Nationalsozialismus wird die Hymne dann missbraucht, vor allem mit der Zeile "Deutschland Deutschland, über alles".

Als West- und Ostdeutschland 1990 zusammenkommen, bleibt es beim Deutschlandlied, sagt der Musikwissenschaftler der Universität Leipzig, Stefan Keym: "Mein Eindruck ist, dass es von bundesdeutscher Seite kein großes Interesse daran gab, die geltende Westdeutsche jetzt irgendwie abzusetzen oder zu erneuern. Dadurch, dass die DDR-Hymne ja von Hanns Eisler war, der auch ein bekennender Marxist gewesen ist, wäre es wahrscheinlich auch schwierig gewesen, sie zu vermitteln, obwohl sie musikalisch durchaus interessant ist." 

Heutige Debatten

Heute kochen Debatten um die Nationalhymne immer mal wieder hoch – etwa beim Fußball, wenn Mesut Özil nicht mitsingt. Oder bei der Frage, ob eine Hymne gendergerecht sein sollte. In Österreich wurde deshalb 2012 eine Zeile geändert in die "Heimat großer Töchter und Söhne". Unterm Strich geht es bei Hymnen aber um die Symbolik, sagt Yvonne Wasserloos, Musikwissenschaftlerin an der Uni Rostock: "Sie ist im Grunde das klingende Staatssymbol, das abgespielt wird, um Deutschland in dem Augenblick zumindest klanglich repräsentieren zu können."

Hoffentlich ist dann die Musik laut genug – für die, bei denen die Textsicherheit noch ausbaufähig ist. 

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 11. August 2022 | 06:00 Uhr