9-Euro-Ticket Verkehrsunternehmen auf mehr Fahrgäste vorbereitet

Ab Montag startet der Vorverkauf für das 9-Euro-Ticket. Viele freuen sich darauf, mit dem Ticket in Deutschland Urlaub zu machen oder Tagesausflüge zu unternehmen. Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund stellt sich auf mehr Fahrgäste ein und prüft regelmäßig, ob bestimmte Strecken verstärkt werden müssten.

Ein Kunde zieht in einem Bus der VHH ein 9-Euro Ticket aus dem Fahrkartendrucker.
Der Vorverkauf für das 9-Euro-Ticket startet auch in Mitteldeutschland. Bildrechte: dpa

Urlaub an der Ostsee. Die Hin- und Rückfahrt gibt es in diesem Sommer als Schnäppchen: für 9 Euro – zumindest für die, die bereit sind, mit der Bahn im Regionalverkehr gemächlich unterwegs zu sein. Michael Steuer ist der Geschäftsführer der Usedom Tourismus GmbH. Sorge, dass seine Insel überrannt wird, die Züge dort verstopfen, hat er nicht: "Wir haben auch in Hinblick auf diesen Sommer ohnehin die Kapazitäten bei der Bahn um 50 Prozent erhöht, sodass wir, glaube ich, auch gegenüber anderen Regionen in Deutschland auch gut vorbereitet sind auf diese zusätzliche Nachfrage."

Hohe Nachfrage für das 9-Euro-Ticket

Die Buchungslage auf der Insel sei für den Sommer noch entspannt – also genug Platz für alle. Die Buchungslage beim 9-Euro-Ticket bleibt noch abzuwarten – aber das Interesse sei schon seit Wochen da, erzählt Juliane Vettermann, Sprecherin des Mitteldeutschen Verkehrsbunds MDV: "Wir haben im MDV seit einigen Wochen einen deutlich erhöhten Anstieg im Kundendialog und ich denke, da kann ich auch stellvertretend für die 14 Nahverkehrsbetriebe im MDV sprechen, dass doch die Nachfrage recht hoch ist."

So schildert es auch Christian Schlemper, Sprecher des Verkehrsverbunds Oberelbe, VVO. 90 Prozent aller Anfragen hätten derzeit mit dem 9-Euro-Ticket zu tun. Von einem möglichen Verkehrschaos will er nicht reden: "Aber wir rechnen schon damit, dass gerade in der Freizeit, also am Wochenende oder vielleicht auch abends die Züge, gerade in die Freizeitregionen, so Richtung Sächsische Schweiz, voller sind als normal."

Auch Tino Richter glaubt das. Er ist der Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz und begrüßt das Ticket: "Weil gerade wir als Nationalpark-Region ohnehin unter viel Pkw-Verkehr leiden und wenn das 9-Euro-Ticket einen Beitrag leistet, dass mehr Menschen mit Bus und Bahn anreisen, dann würde uns das natürlich freuen."

Empfehlung: 9-Euro-Ticket nicht zur Rushhour ausprobieren

Die Deutsche Bahn lehnt eine Interviewanfrage von MDR AKTUELL ab. Für Samstag ist ein Pressegespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden von DB Regio angekündigt – dem wolle man nicht vorgreifen.

Beim MDV fühlt man sich auf mehr Fahrgäste gut vorbereitet und will regelmäßig prüfen, ob auf bestimmten Strecken verstärkt werden muss. Zur Vorsicht rät Sprecherin Juliane Vettermann potenziellen 9-Euro-Neukundinnen und -Kunden aber schon mal: "Möglichst das 9-Euro-Ticket auszuprobieren, wenn man nicht unbedingt die Rushhour erwischt."

Da, wo es geht, mal einen Wagen mehr anhängen, um mehr Platz zu schaffen, will man beim Verkehrsverbund Oberelbe. Aber die Kapazitäten sind endlich, sagt VVO-Sprecher Christian Schlemper: "Aber das, was rollen kann, wird rollen. Was wir sagen können: Wir haben aus unserer Sicht alles getan und hoffen, dass es reichen wird."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Mai 2022 | 06:00 Uhr

20 Kommentare

goffman vor 4 Wochen

Teil 2:
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich nutze den ÖPNV wann immer möglich und finde ihn super, obwohl er für mich teurer und langsamer ist (ist halt immer noch stressfreier und umweltfreundlicher).

Ich gehe aber davon aus, dass der Preis für viele Menschen zu hoch ist, als dass sie ihr Auto stehen lassen würden. Wenn der Überlandbus leer ist, die Straße aber voll, dann liegt das zumindest nicht am Bedarf.

Ich denke auch nicht, dass es am Komfort liegt, dass die Überlandbusse so leer sind.

Im ländlichen Raum gibt es derzeit noch kaum Carsharing und der ÖPNV fährt dort auch seltener. Der Preis ist die Stellschraube, die wir am schnellsten anpassen könnten.

goffman vor 4 Wochen

Teil 1:
Hallo Eulenspiegel,
dass kommt darauf an.
Viele Familien kommen mit nur einem Auto aus. Wenn stattdessen jedes Familienmitglied eine Monatskarte bräuchte wird es derzeit teuer.
Wenn Sie an der Grenze zwischen zwei Verkehrsverbünden wohnen ist das Monatsticket auch teurer, als wenn Sie im Zentrum wohnen.
Zudem müssen Sie Einzelkarten kaufen, wenn Sie in den anderen Verkehrsverbund wollen.
Wenn Sie nicht täglich, sondern regelmäßig zwei bis drei mal die Woche fahren wollen - z.B. weil Sie teilzeit arbeiten, oder zum Verein etc. wollen, dann ist das Monatsticket oft teurer als die Einzelkarte.
Einzelkarten sind oftmals immer noch teurer, als die Spritkosten für die selbe Strecke, erst recht wenn Sie nicht alleine die Fahrt machen. Wenn Sie ein Auto haben, aus welchem Grund auch immer, dann ist es oftmals immer noch billiger dies zu nehmen, als mit dem ÖPNV zu fahren. Und wenn Sie umsteigen müssten oder die Haltestellen weiter weg sind, dann ist es auch deutlich schneller.

emlo vor 4 Wochen

Ich halte den ÖPNV auch ohne 9-Euro-Ticket durchaus für bezahlbar. Wenn man nämlich die Kosten für eine Monatskarte mal den Gesamtkosten (Anschaffung, Treibstoff, Wartung, Versicherung,...) für einen privaten PKW gegenüberstellt, sieht man schnell, dass die ÖPNV-Kosten gar nicht so hoch sind.
Anders sieht es mit dem lückenhaften Angebot aus, welches das Auto oft alternativlos erscheinen lässt. Dem könnte man aber mit intelligenten Ergänzungen wie Carsharing, Rufbussen u.ä. begegnen. Stundentakt bis spät in die Nacht und auch im kleinsten Dorf ist jedenfalls weder bezahlbar noch personell machbar. Gutes Angebot und Billigpreise schließen sich meiner Meinung nach jedenfalls gegenseitig aus.

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